16. April 2018

Benfica - FC Porto 0:1

Der 30. Spieltag der Liga NOS startete für mich mit einem langen Anlauf, schon am Mittwochabend sind wir nach Lissabon geflogen. Beim wahrscheinlichen Endspiel um die portugiesische Meisterkrone gegen den FC Porto wollte wirklich jeder dabei sein. Schon zwei Tage nach Beginn des Vorverkaufs war das Estádio da Luz ausverkauft.

Der Spieltag selbst begann für uns mit einem ausgiebigen Mittagessen, danach war es auch schon Zeit, mit der Metro zum Stadion zu fahren. Dort herrschte anderthalb Stunden vor dem Anpfiff bereits ein eindrucksvolles Gedränge. Zwei Gewissheiten gab es zu dieser Stunde: Der Ausgang der Partie war völlig offen, ein Sieg würde Benfica nach menschlichem Ermessen das "Penta", den fünften Meistertitel in Serie, garantieren. Schließlich hatten die Adler just eine Woche vor dem "Clássico" die Tabellenführung übernommen.

Zum Einlauf eine wunderbare Choreographie, "Maior Que Portugal" - Größer als Portugal - war über der Südtribüne zu lesen. Wer das Ambiente gestern in der vollbesetzten Kathedrale des portugiesischen Fußballs erlebt hat, kann daran keinen Zweifel hegen.

Ohne den verletzten Torjäger Jonas war Benfica im ersten Durchgang spielbestimmend, kam aber lediglich zu einer guten Chance durch Pizzi kurz vor dem Pausenpfiff. In der zweiten Hälfte war der FC Porto deutlich präsenter, die Hausherren kamen kaum noch gefährlich vor das Gehäuse von Iker Casillas. Schwer nachvollziehbare taktische Entscheidungen von Trainer Rui Vitória wie etwa die Einwechslung von Salvio für den guten Rafa hemmten den Spielfluss zusätzlich. Falsch sicher auch die Strategie, ohne Jonas so zu spielen, als stünde der Brasilianer auf dem Feld. Raúl und auch der spät eingewechselte Seferović sind völlig andere Spielertypen.

Als sich fast alle bereits mit dem torlosen Unentschieden und damit der Vertagung der Meisterfrage abgefunden hatten, drosch Herrera den Ball in der Schlussminute aus 20 Metern Distanz in die Maschen des von Bruno Varela gehüteten Tores. Ein Schock in letzter Sekunde, der im weiten Rund für lähmendes Entsetzen sorgte. Wohl nicht nur die Partie war entschieden, der FC Porto wieder Tabellenführer.

In der vollbesetzten Metro auf der Rückfahrt war es totenstill, praktisch niemand redete ein Wort. Natürlich hat Benfica auch weiter die rechnerische Chance auf das "Penta", doch daran glauben nach der gestrigen Heimniederlage bei noch verbleibenden vier Spieltagen und dem schweren Auswärtsspiel bei Sporting nur noch die größten Optimisten. Bis in die frühen Morgenstunden saßen wir nach dem Spiel noch zusammen und leckten unsere Wunden. Immerhin zwei Unentwegte aus unserer kleinen Schar glauben noch an ein Wunder.

In vier Wochen fliege ich wieder übers Wochenende nach Lissabon, um beim letzten Spiel gegen Moreirense mit dabei zu sein. Vielleicht werde ich dann ja Zeuge eines Fußballwunders. Falls nicht, ist Benfica trotzdem größer als Portugal.

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S.L. Benfica - FC Porto 0:1
Sonntag, 15. April 2018, 18 Uhr
Estádio da Luz, 63.526 Zuschauer

Mannschaftsaufstellung: Bruno Varela, André Almeida, Rúben Dias, Jardel, Grimaldo, Pizzi (86. Seferović), Fejsa, Zivković, Rafa Silva (66. Salvio), Raúl, Cervi (75. Samaris)

Torschützen: 0:1 Herrera (90.)

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