14. Januar 2018

SC Braga - Benfica 1:3

Die Rückrunde der portugiesischen Liga begann für Benfica so, wie die Hinrunde endete, mit einer Reise in die Region Minho im äußersten Norden des Landes. Doch hatten die Adler am vergangenen Sonntag mit Moreirense eine Pflichtaufgabe vor der Brust, wartete an diesem Samstag mit dem Sporting Clube de Braga ein echtes Schwergewicht auf Trainer Rui Vitória und seine Jungs.

Als Tabellenvierter hatten die Minhotos vor der Begegnung nur drei Punkte Rückstand auf Benfica. Die Mannschaft von Trainer Abel Ferreira konnte nur zwei ihrer letzten zwölf Ligaspiele nicht gewinnen und ist aktuell deutlich besser in Form, als beim 3:1 zum Ligaauftakt im August vergangenen Jahres, das ich im Estádio da Luz gesehen habe.

Den meisten Fußballfreunden in Deutschland dürfte das Städtische Stadion in Braga zumindest von Bildern her ein Begriff sein. Die doch ziemlich ungewöhnliche Spielstätte ist praktisch in einen Felsen gehauen und hat lediglich zwei Tribünen mit 30.000 Plätzen. Nicht umsonst trägt sie den Spitznamen A Pedrera, der Steinbruch.

Architektonisch ist der Steinbruch zweifellos ein Meisterwerk, doch als Fußballstadion kann ich mich einfach nicht mit ihm anfreunden. Dass hinter den Toren keine Tribünen stehen, ist in meinen Augen ein klarer Nachteil für die Heimmannschaft, denn gerade hier kochen die Emotionen in vielen Stadien besonders hoch. Aber das sollte natürlich nicht die Sorge von Benfica sein.

Neben den üblichen Wechselgerüchten in der Transferperiode beherrschte in der vergangenen Woche vor allem ein Affront von Porto-Trainer Sergio Conceição die Schlagzeilen, der sich nach dem Spiel gegen Guimarães dazu berufen fühlte, Rui Vitória persönlich anzugreifen.

In einer Pressekonferenz verglich er den Coach von Benfica mit einer Puppe, die sein Sohn zuhause hat. Die habe zwei Knöpfe für einen "Gut"- und einen "Böse"-Modus. Veranschaulichen wollte Conceição damit, dass sein Kollege keine eigene Meinung hat, sondern lediglich nachplappert, was ihm Präsident Luís Filipe Vieira vorgibt.

Rui Vitória reagierte gelassen und verwies darauf, dass er seine Trainerkollegen stets respektiere. Wenige Tage später ruderte Conceição unter dem Eindruck der harschen öffentlichen Kritik etwas zurück und bezeichnete seine Aussage als "unglücklich". Wieder einmal hat sich gezeigt, dass den Konkurrenten in dieser Saison jedes Mittel recht ist, um das Penta von Benfica zu verhindern.

Kommen wir zum Spiel, das sich für die Adler über weite Strecken deutlich leichter gestaltete, als vor dem Anpfiff zu erwarten war. Im ersten Durchgang bestimmte Benfica das Geschehen fast nach Belieben und ging bereits nach elf Minuten durch Toto Salvio in Führung, der ein perfektes Zuspiel von Cervi verwertete.

Direkt nach dem Wiederanpfiff traf Jardel nach einer Ecke per Kopf nur den Pfosten, drei Minute später konnte Grimaldo mit einem Flachschuss den Keeper der Gastgeber nicht überwinden. Fast schon unvermeidlich sollte es Torjäger Jonas vorbehalten bleiben, den längst überfälligen zweiten Treffer des Abends zu erzielen. Vom linken Strafraumeck spielte Pistolas zunächst nach rechtsaußen zum freistehenden André Almeida. Während der den Ball butterweich in den Fünfmeterraum zirkelte, stürmte Jonas in die Mitte und ließ dem Torhüter per Kopf keine Chance. Ein Traumtor.

Das 0:2 bedeutete eigentlich die Vorentscheidung, doch Braga gab sich noch nicht geschlagen. In der 74. Minute verwertete Paulinho eine hohe Flanke in den Strafraum ebenfalls per Kopf zum Anschlusstreffer. Leider machte Keeper Bruno Varela in dieser Szene eine sehr unglückliche Figur, weil er sich nicht entscheiden konnte, ob er den Ball abfangen oder besser auf der Linie bleiben sollte. So irrte er beim Kopfball im Niemandsland herum. Wäre er auf der Linie geblieben, hätte er den Ball mit einer Hand fangen können.

Die Hausherren witterten jetzt Morgenluft und drängten in der Schlussphase auf den Ausgleich, während Benfica auf Konter lauerte. Der für den völlig ausgepumpten Jonas eingewechselte Raúl vergab drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit eine Großchance, als er den Ball an der Mittellinie abfing und in den Strafraum von Braga sprintete. Doch sein Schuss ging über das Tor.

Die endgültige Entscheidung dann während der fünfminütigen Nachspielzeit. Ein Konter der Adler landete in der linken Strafraumhälfte bei Cervi. Statt aufs Tor zu schiessen, hob der Argentinier den Kopf, sah den rechts lauernden Raúl, der mit einem akrobatischen Seitfallzieher zum 1:3 traf. Das erste Saisontor des Mexikaners, das ihm hoffentlich frisches Selbstvertrauen gibt.

Alles in allem ein hochverdienter Auswärtssieg für Sport Lisboa e Benfica, das am Samstagabend erneut richtig guten Fußball zeigte. Denn die Dominanz war nicht etwa der Schwäche des Gegners, sondern der taktischen Disziplin der Adler zu verdanken, die Braga praktisch nicht zur Entfaltung kommen liessen. Drei wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft gegen einen direkten Konkurrenten, der jetzt endgültig aus dem Meisterrennen ausgeschieden ist.

Zu recht verwies Rui Vitória natürlich darauf, dass diese drei Zähler nicht mehr oder weniger Wert sind, als jeder andere Sieg auch. Trotzdem war dem Coach die Erleichterung anzumerken, die Hürde SC Braga so souverän genommen zu haben.

Weiter geht das Titelrennen für Benfica am kommenden Samstag mit dem Heimspiel gegen GD Chaves. Die Partie beginnt um 19.15 Uhr unserer Zeit, Stand heute wird sie in Deutschland nur im Livestream des Vereinssenders BTV zu verfolgen sein.

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SC Braga - S.L. Benfica 1:3
Samstag, 13. Januar 2018, 20.30 Uhr
Estádio Municipal de Braga, 20.407 Zuschauer

Mannschaftsaufstellung: Bruno Varela, Grimaldo, Rúben Dias, Jardel, André Almeida, Fejsa,  Krovinović, Pizzi (81. Samaris), Toto Salvio (93. Rafa), Cervi , Jonas (73. Raúl)

Torschützen: 0:1 Salvio (11.), 0:2 Jonas (64.), 1:2 Paulinho (74.), 1:3 Raúl (91.)

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