2. Oktober 2017

Benficas schwarzer September

Drei Wochen war ich im September wieder in Portugal und hatte Gelegenheit, mir drei Heimspiele von Benfica im Estádio da Luz anzuschauen. Zu sehen gab es neben einem Tor des Jahres von André Almeida gegen Portimonense viel Durchschnittskost und die Erkenntnis, dass das Team den konstanten Aderlass der letzten Jahre schlicht nicht mehr kompensieren kann.

Mehr als eine halbe Milliarde Euro haben die Adler in den letzten fünf Jahren durch Transfers eingenommen. Alleine in diesem Sommer gab der Rekordmeister für 130 Millionen Spieler ab, verstärkte seine Mannschaft aber nur für knapp neun Millionen.

Wenn wir einmal unterstellen, dass die Verantwortlichen um Präsident Luís Filipe Vieira nicht von der Lust am eigenen Untergang getrieben sind, bleibt nur die Vermutung, dass das Geld zu einem guten Teil für den laufenden Spielbetrieb benötigt wird und für Verstärkungen nicht viel übrig ist.

So agiert die Mannschaft in dieser Saison reichlich ideenlos, von einem schnellen oder gezielten Spielaufbau ist nur selten etwas zu sehen. Der Verlust unzähliger Spitzenspieler wiegt schwer, noch dazu sind viele verbliebene Stammkräfte wie Torhüter Júlio César (38), die Innenverteidiger Luisão (36) und Jardel (31) oder Torschützenkönig Jonas (33) in die Jahre gekommen und verletzungsanfällig.

"Augen zu und durch" scheint in diesem Jahr das Motto zu lauten, das keinen sonderlich erfolgreichen Saisonverlauf verspricht. Mag die Qualität noch genügen, um zuhause Gegner wie Portimonense oder Paços de Ferreira zu schlagen, wird es schon auswärts in der Liga schwer. Auf fremden Plätzen reichte es für Benfica bislang gerade einmal zu einem Sieg, zwei Unentschieden und einer Niederlage. Nach acht Spieltagen beträgt der Rückstand auf Tabellenführer FC Porto fünf Punkte, der Gewinn des historischen "Penta" - des fünften Meistertitels in Folge - rückt angesichts der spielerischen Leistungen in immer weitere Ferne.

Richtig unschön wird in der Champions League. Schon zum Auftakt gegen ZSKA Moskau, das Team aus dem Lostopf 4 und damit der vermeintlich leichteste Gruppengegner, verlor Benfica im Estádio da Luz. Am vergangenen Mittwoch folgte mit dem 5:0 beim FC Basel die bislang höchste Niederlage der Adler in der Königsklasse. Der nächste Gegner heißt dann Manchester United.

Bleibt die Hoffnung, dass es Trainer Rui Vitória doch noch gelingt, vielversprechende Nachwuchskräfte wie Rúben Dias, Krovinovic, Diogo Gonçalves, João Carvalho oder Willock dauerhaft in der Mannschaft zu integrieren. Die bisherigen Aufstellungen lassen das zwar nicht vermuten, allein die Hoffnung stirbt zuletzt.

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SL Benfica - Portimonense 2:1
Freitag, 8. September 2017, 21 Uhr
Estádio da Luz, 52.795 Zuschauer
Torschützen: 0:1 Fabrício (56.), 1:1 Jonas (60.), 2:1 André Almeida (78.)

SL Benfica - ZSKA Moskau 1:2
Dienstag, 12. September 2017, 19.45 Uhr
Estádio da Luz, 38.323 Zuschauer
Torschützen: 1:0 Seferović (50.), 1:1 Vitinho (63. HE), 1:2 Zhamaledtinov (71.)

SL Benfica - Paços de Ferreira 2:0
Samstag, 23. September 2017, 20.30 Uhr
Estádio da Luz, 47.309 Zuschauer
Torschützen: 1:0 Cervi (20.), 2:0 Jonas (61.)

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