3. September 2017

Der Herbst naht

Es fällt nicht leicht, Abschied vom August 2017 zu nehmen. Fünf Punktspiele hat der OFC in diesem wunderbaren Monat bestritten, und allesamt gewonnen.

Schon am Samstagmorgen ahnen sensible Gemüter, dass der September wohl die eine oder andere Veränderung mit sich bringt. Über Nacht ist es herbstlich geworden, die lieb gewonnenen kurzen Hosen bleiben im Schrank. Mit Jeans und Regenjacke machen wir uns auf den weiten Weg in den Schwarzwald, im Gepäck das Selbstbewusstsein eines ungeschlagenen Tabellenführers.

Trotz Staus und heftigem Regen unterwegs kommen wir eine knappe Stunde vor dem Spielbeginn in Freiburg an. Beschaulich, ja schon fast idyllisch ist es hier, wäre da nicht das stattliche Polizeiaufgebot samt Reiterstaffel, dass uns im lauschigen Waldstück vor dem Möslestadion empfängt. Ganz offenkundig ist man im Breisgau sehr um die Sicherheit seiner Gäste besorgt, auch wenn uns nicht ganz klar wird, welche Gefahren eigentlich auf uns lauern.

Denn die wenigen Einheimischen, die sich an diesem verregneten Samstag den Auftritt des Spitzenreiters aus Offenbach nicht entgehen lassen wollen, begegnen uns durchaus wohlwollend. Auf der Treppe zur kleinen Haupttribüne stehen Blumentöpfe, die dem tristen Nachmittag etwas Farbe verleihen. Oben angekommen werden zwar von einem Ordner die Freiburger nach links und die Gäste nach rechts dirigiert, am Ende sitzen aber doch alle bunt gemischt und freuen sich auf ein schönes Fußballspiel.

Die Kulisse dafür stimmt jedenfalls, denn das 1922 eröffnete Möslestadion zählt zu den historischen Spielstätten unserer Republik. Zwischen 1977 und 1982 kämpft hier der Freiburger FC in der 2. Bundesliga, bevor der schleichende Niedergang einsetzt, der den ältesten Fußballverein in Freiburg bis in die Siebtklassigkeit führt. Das Stadion muss schließlich an den Lokalrivalen SC Freiburg verkauft werden, der das Gelände als Fußballschule nutzt und hier auch die Begegnungen seiner U23 austrägt.

Ein schönes Fußballspiel sollen wir gestern im Möslestadion zu sehen bekommen, wobei der Spaßfaktor leider eindeutig auf Seiten der Gastgeber liegt. In den Anfangsminuten zeigen die Kickers zunächst, wer hier als Tabellenführer auf dem Platz steht. Nach einer guten Viertelstunde ist das Offenbacher Strohfeuer aber schon verloschen, die Aufsteiger aus dem Breisgau finden zunehmend besser in die Partie. Benjamin Kirchhoff belohnt die Freiburger Offensivbemühungen in der 36. Minute mit einem Eigentor, doch nur drei Minuten später gelingt Florian Treske der etwas schmeichelhafte Ausgleich. Kurz vor dem Pausenpfiff sieht Kapitän Daniel Endres nach einer Rudelbildung vor dem Strafraum der Kickers die gelbe Karte, dann schickt der Unparteiische die beiden Teams in die Kabinen.

Beim Bier in der Halbzeit fällt die Analyse eindeutig aus. Wir sehen nicht gerade den stärksten Auftritt der Kickers in dieser Saison, aber der wichtige Ausgleich ist gelungen, und mit dem Glück eines Spitzenreiters wird die Mannschaft die drei Punkte schon noch irgendwie holen. So denke ich mir das und hätte doch lieber einfach mal die Klappe gehalten.

Die Partie hat kaum wieder begonnen, da holt Keeper Endres einen frei auf ihn zulaufenden Gegner vor der Strafraumgrenze von den Beinen und sieht dafür Gelb-Rot. Dren Hodja geht für Reservetorhüter Jomaa Zabadne vom Platz. Der hat noch nicht einmal richtig in seine Handschuhe gespuckt, da holt er den Ball auch schon zum ersten Mal aus dem Netz. Zu zehnt verliert der OFC jede Ordnung, von dem frisch erworbenen Selbstbewusstsein ist nichts mehr zu sehen, von einer spielerischen Linie erst recht nichts.

"Schlimmer geht immer" scheinen sich die Akteure in den grünen Auswärtstrikots zu denken, und tragen bis zum Schlusspfiff einen internen Wettbewerb aus, wem der wildeste Fehlpass gelingt. Drei Gegentreffer kassiert der OFC noch und ist damit gut bedient.

Klar, in Freiburg kann man mal verlieren, auch der 1. FC Saarbrücken wurde hier vor ein paar Wochen schon gerupft. Aber 5:1 ist eine ordentliche Packung, von der sich der OFC hoffentlich bis zum nächsten Wochenende erholt. Dann sind die Stuttgarter Kickers zu Gast auf dem Bieberer Berg, die gestern zuhause mit 1:5 gegen den VfB Stuttgart II ebenfalls heftige Prügel bezogen haben. Am kommenden Samstag wird sich zeigen, ob die Niederlage im Breisgau ein einmaliger Ausrutscher war, oder ob der Herbst tatsächlich naht.

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SC Freiburg II - Kickers Offenbach 5:1
Samstag, 2. September 2017, 14 Uhr
Möslestadion, 750 Zuschauer

Torschützen: 1:0 Kirchhoff (36. ET), 1:1 Treske (39.), 2:1 Brünker (50.), 3:1 Dräger (60. FE), 4:1 Dräger (75.), 5:1 Brünker (79.)










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