5. Juli 2017

Von Chinesen und Lyonern

Seit mehr als zwei Wochen bereiten sich die Kickers auf die neue Saison der Regionalliga vor, in die sie am 29. Juli mit einem Gastspiel in Hoffenheim starten.

Das Testspiel am heutigen Mittwoch war für mich die erste Gelegenheit, den OFC in seiner Version 2017/18 zu begutachten, hatte ich mir doch zuvor eine kleine Auszeit an den Stränden der Algarve gegönnt. Während ich also entspannt im Liegestuhl das eine oder andere kalte Getränk genoß, schlugen in der Heimat die Wellen der Empörung hoch.

Auslöser des Furors war eine Verlautbarung des DFB, dass die U20 der chinesischen Nationalmannschaft in der kommenden Spielzeit eventuell außer Konkurrenz in der Regionalliga mitkicken soll. Das war natürlich extrem ungeschickt formuliert. Hätten die Verbandsherren einfach mitgeteilt, der Nachwuchs aus dem Reich der Mitte würde gut bezahlte Testbegegnungen gegen die jeweils spielfreie Mannschaft bestreiten, wohl niemand hätte sich größer aufgeregt.

So aber saugte das Sommerloch die Nachricht begierig auf. Die einen witterten wieder mal den Ausverkauf des Fußballs in seiner Gänze, andere schrieben von Wettbewerbsverzerrung oder ähnlich schlimmen Dingen. Kurzum, das Abendland stand kurz vor dem Untergang.

Mit feinem Gespür für die Stimme des Volkes sagte der SV Waldhof seine Tests gegen die Chinesen ab und kündigte an, statt dessen gegen den FK Pirmasens zu spielen, der seinerseits die Ungerechtigkeit der Welt beklagte. Nun ist es zweifellos bitter, als Tabellenvierzehnter abzusteigen, zumal auch ein zeitigerer Konkurs von Hessen Kassel die Südwestpfälzer gerettet hätte. Das aber hat mit der eigentlichen Thematik wenig bis nichts mehr zu tun. Schließlich will Pirmasens ja nicht außer Konkurrenz in der Regionalliga antreten.

Rot-Weiß Oberhausen bemühte Glückskekse, tanzende Drachen, Konfuzius und die Luftverschmutzung in China, selbst die arme Helene Fischer musste herhalten, um der Empörung Ausdruck zu verleihen. Mal abgesehen davon, dass diese nationalen Stereotypen etwa so originell sind, wie Lederhosen und der Hitlergruß zur Charakterisierung der Deutschen, würde die Rot-Weißen vom Niederrhein eine mögliche Vereinbarung mit den Chinesen gar nicht tangieren. Aber was tut man nicht alles für ein wenig mediale Aufmerksamkeit.

Inzwischen haben sich die Wogen etwas geglättet, noch ist nicht einmal endgültig entschieden, ob die Chinesen nun tatsächlich kommen. Sollten sie wirklich ein Jahr lang über die Trainingsplätze im Südwesten tingeln, tun mir die Jungs jetzt schon leid. Denn es ist schon fraglich, ob eine Mannschaft, die über lange Monate hinweg fern der Heimat in einem fremden Kulturkreis kaserniert wird, am Ende bei Olympia besseren Fußball spielt. Aber das soll nun wirklich nicht mein Problem sein.

Kommen wir endlich zu Erfreulichem: Bei schönstem Sommerwetter traf der OFC heute in Heusenstamm auf gute alte Bekannte. Erst im Mai hatte sich der FC 08 Homburg aus der Regionalliga verabschiedet, was nicht nur sportlich betrachtet ein Verlust war. Ich schätze die Homburger von vielen Besuchen im Waldstadion als freundliche Gastgeber, für die aktuelle Ausgabe des Zeitspiel-Magazins habe ich einen Beitrag über die Fanszene des FCH geschrieben.

Und dann sind da natürlich noch die freundlichen Damen vom Grill mit ihren Lyonern, deren Loblied ich hier im Blog schon ausführlich gesungen habe. Ähnlich begeistert von diesen geringelten Meisterwerken des Metzgerhandwerks ist auch Eric, ein Kickersfan aus Heusenstamm. Im Vorfeld der Begegnung hatte er die Homburger mal eben angehauen, ob sie nicht ein paar Lyoner mitbringen könnten. Die Gäste ließen sich nicht lumpen, kamen mit einer Kühltasche voller Würste zum Spiel, die vor dem Anpfiff feierlich übergeben wurden. Ein Grund mehr, dem FC Homburg eine schnelle Rückkehr in die Regionalliga zu wünschen!

Fußball wurde schließlich auch noch gespielt, in der ersten Hälfte sogar auf sehr ansprechendem Niveau. Der OFC spielte streckenweise planvoll nach vorne, ohne jedoch eine Hand voll guter Gelegenheiten zu verwerten. So resultierte der Treffer des Tages aus einem direkten Freistoß, den Ihab Darwiche bereits nach sieben Minuten im Gästetor versenkte.

Der zweite Durchgang war geprägt von zahlreichen Einwechslungen. Der Spielfluss ging zunehmend verloren, was nicht zuletzt den hohen Temperaturen und der Trainingsbelastung der Akteure geschuldet gewesen sein dürfte. Am Ende gewannen die Kickers verdient mit 1:0 gegen einen guten Gegner, der sich berechtigte Hoffnungen auf ein kurzes Gastspiel in der Oberliga machen kann.

Weiter geht es im Reigen der Testspiele bereits am kommenden Samstag, Gegner ist dann die SG Rosenhöhe.




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