9. Juni 2017

Mein liebes, liebes Geld!


animiertes-dagobert-duck-bild-0001Weltweit erzielte kein Verein in den letzten sieben Jahren höhere Transfererlöse als Benfica. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Vereinsbosse im Estádio da Luz längst einen Geldspeicher errichtet haben, an dem Dagobert Duck seine Freude hätte. Ganz so einfach ist die Rechnung aber leider nicht, denn die Einnahmen aus Spielerverkäufen sind für den Rekordmeister aus Portugal überlebenswichtig.

Keine Frage, die Transferbilanz der Adler in diesem Jahrzehnt ist beeindruckend. Junge Talente in Osteuropa oder Südamerika rechtzeitig scouten und dann zu Topspielern ausbilden. Mit dieser einfachen Formel lässt sich das Erfolgsrezept von Präsident Luís Filipe Vieira zusammenfassen, der seit 2003 im Amt ist.

In dieser Woche ließ sich Manchester City die Verpflichtung des 23-jährigen Torhüters Ederson Moraes 40 Millionen Euro kosten. Ederson spielte bereits in der U17 von Benfica und wurde vor zwei Jahren für 500.000 Euro endgültig nach Lissabon geholt. Obwohl die Adler nur 50 Prozent der Rechte halten, beschert dieser Transfer dem Verein einen Reinerlös von 19,5 Millionen.

Alles in allem verzeichnet Benfica seit der Saison 2010/11 Transfererlöse von 617 Millionen Euro. Dem standen Ausgaben von "nur" 262 Millionen gegenüber. Der FC Chelsea (533 Millionen), Atlético Madrid (505) sowie der FC Porto (478) folgen mit weitem Abstand.

Die Namen der abgegebenen Spieler lesen sich wie ein kleines Who-is-Who des Weltfußballs. Hätte Benfica sich die Dienste all dieser Akteure langfristig sichern können, der portugiesische Meister wäre ein chronischer Kandidat für den Gewinn der Champions League.

Bereits 2010/11 kassierten die Adler insgesamt 86 Millionen, unter anderem für Angel di María (Real Madrid, 33 Millionen), David Luiz (FC Chelsea, 25) und Ramires (FC Chelsea, 22). Im Jahr darauf ging Fábio Coentrão für 30 Millionen zu Real Madrid, Roberto für 8,6 Millionen zu Real Saragossa. Es folgten 2012/13 Axel Witsel (Zenit St. Petersburg, 40) sowie Javi García (Manchester City, 20), Nemanja Matić wechselte 2013/14 für 25 Millionen zum FC Chelsea.

Spätestens 2014/15 wurden die Millionentransfers zur lieben Gewohnheit. Dank der Abgänge von Lazar Marković (FC Liverpool, 25), Enzo Pérez (FC Valencia, 25), Jan Oblak (Atlético Madrid, 16), Bernardo Silva (AS Monaco, 16) und Ezequiel Garay (Zenit St. Petersburg, 6) nahm Benfica in dieser Spielzeit 105 Millionen ein.

Eine Jahr später spülten die Vereinswechsel von Rodrigo (FC Valencia, 30), André Gomes (FC Valencia, 20), Ivan Cavaleiro (AS Monaco, 15) und João Cancelo (FC Valencia, 15) weitere 104 Millionen in die Kasse.

Ein neuer Rekord wurde in der vergangenen Saison aufgestellt. Mit den Transfers von Renato Sanches (Bayern München, 35), Gonçalo Guedes (Paris Saint-Germain, 30), Nico Gaitán (Atlético Madrid, 25) sowie Hélder Costa (Wolverhampton Wanderers, 15) verdiente Benfica insgesamt 120 Millionen Euro.

Eine Bestmarke, die in diesem Sommer nochmals übertroffen werden soll. Neben dem Abgang von Ederson stehen die Verteidiger Victor Lindelöf und Nélson Semedo auf der Wunschliste einiger der ganz großen Namen im europäischen Fußball. Der Schwede Lindelöf wird mit Manchester United in Verbindung gebracht, Semedo soll angeblich zum FC Barcelona wechseln. Beide haben eine Ausstiegsklausel von jeweils 60 Millionen Euro.

Um so erstaunlicher, wie scheinbar mühelos man im Estádio da Luz all diese prominenten Abgänge immer wieder durch junge Talente ersetzt. Denn auch die sportliche Bilanz in diesem Jahrzehnt kann sich sehen lassen. Im Mai wurde Benfica zum vierten Mal in Serie portugiesischer Meister, dazu wurde zweimal der nationale Pokalwettbewerb, fünfmal der Ligapokal und zweimal der Superpokal gewonnen. 2013 und 2014 erreichten die Adler außerdem das Endspiel der UEFA Europa League.

Doch was macht Benfica mit all dem Geld, wenn es nicht für Neuverpflichtungen reinvestiert wird? Die Antwort ist an sich ganz einfach.

Die Einnahmen, die ein Fußballverein im kleinen, noch immer unter den Nachwirkungen der Wirtschaftskrise leidenden Portugal aus Sponsoring und Fernsehgeldern erzielen kann, sind einfach zu gering, als dass Benfica in dieser Hinsicht mit den großen Jungs aus England, Spanien oder Deutschland mithalten könnte. Also muß der Verein in jeder Saison Transferüberschüsse erzielen, um halbwegs kostendeckend zu operieren.

Denn Infrastruktur und Spielergehälter verschlingen sehr viel Geld, auch wenn die Nachwuchsarbeit seit einigen Jahren ihre Früchte trägt. Die zweite Mannschaft von Benfica, die zum Großteil aus U19-Spielern besteht, beendete die vergangene Saison als Tabellenvierter der zweiten Liga, dazu erreichte die U19 das Finale der UEFA Youth League. Das 2006 eröffnete, 15 Hektar große Trainingszentrum Caixa Futebol Campus gilt als beispielhaft in Europa und soll in naher Zukunft noch erweitert werden.

Benfica wird auch in den kommenden Jahren seine besten Spieler verlieren, um sich weiter im Konzert der Großen zu behaupten. Selbst wenn der ganz große europäische Triumph in einiger Ferne liegt: Erreichen die Adler aus Lissabon unter den gegebenen Umständen das Achtelfinale der Champions League, ist dies in meinen Augen höher einzuschätzen, als wenn Real Madrid diesen Wettbewerb gewinnt.

Die Vereine mit den höchsten Transfererlösen seit 2010


SL Benfica: 617 Millionen Euro
FC Chelsea: 533 Millionen Euro
Atlético Madrid: 505 Millionen Euro
FC Porto: 478 Millionen Euro
Juventus Turin: 457 Millionen Euro

Die teuersten Abgänge


Ederson (Manchester City, 2017/18) 40 Millionen Euro
Axel Witsel (Zenit St. Petersburg, 2012/13) 40 Millionen Euro
Renato Sanches (Bayern München, 2016/17) 35 Millionen Euro
Ángel Di María (Real Madrid, 2010/11) 33 Millionen Euro
Fabio Coentrão (Real Madrid, 2011/12) 30 Millionen Euro
Gonçalo Guedes (Paris Saint-Germain, 2016/17) 30 Millionen Euro
Rodrigo (FC Valencia, 2015/16) 30 Millionen Euro
Nico Gaitán (Atlético Madrid, 2016/17) 25 Millionen Euro
David Luiz (FC Chelsea, 2010/2011) 25 Millionen Euro
Lazar Marković (FC Liverpool, 2014/15) 25 Millionen
Nemanja Matic (FC Chelsea, 2013/2014): 25 Millionen Euro
Enzo Pérez (FC Valencia, 2014/15) 25 Millionen

Die teuersten Zugänge


Raúl Jiménez (Atlético Madrid, 2015/16) 22 Millionen Euro
Rafa Silva (SC Braga, 2016/17) 16,4 Millionen Euro
Geovanni (FC Barcelona, 2003/04) 15 Millionen Euro
Pizzi (Atlético Madrid, 2013/14) 14 Millionen Euro
Simão Sabrosa (FC Barcelona, 2001/02) 12 Millionen Euro
Óscar Cardozo (Newell's Old Boys, 2007/08) 11,7 Millionen Euro
Toto Salvio (Atlético Madrid, 2012/13) 11 Millionen Euro
Lazar Marković (Partizan Belgrad, 2013/14) 10 Millionen Euro
Andreas Samaris (Olympiakos Piräus, 2014/2015) 10 Millionen Euro
Ola John (Twente Enschede, 2012/13) 9 Millionen
Axel Witsel (Standard Lüttich, 2011/2012) 9 Millionen Euro

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