6. Mai 2017

Zwei Treffer gegen die Oberliga

Dass Gott keineswegs Brasilianer sondern selbstredend Offenbacher ist, muss ich den Freunden unserer schönen Heimatstadt nicht erklären. Trotzdem ist es gut und wichtig, sich auch vermeintliche Binsenweisheiten ab und an ins Gedächtnis zu rufen.

Noch am Donnerstag schüttete es dermaßen in Strömen, dass Attribute wie sintflutartig oder tropisch schon wie ein leichtes Understatement wirkten. Der Kreisel am Kaiserlei lud jedenfalls genau wie der Bereich rund um das Isenburger Schloß zu einer fröhlichen Schlauchbootfahrt ein.

Doch am Freitagnachmittag riß die Wolkendecke auf, gerade noch rechtzeitig hatte sich auch der Wettergott daran erinnert, dass die Kickers heute unter Flutlicht spielten. Eine Stunde vor dem Anpfiff war die Waldemar-Klein-Tribüne ins goldene Licht der Abendsonne getaucht, während sich die ersten Fans dort bereits innerlich für ein weiteres Endspiel gegen den Absturz in die Fünftklassigkeit rüsteten.

Auch auf der Haupttribüne herrschte zu dieser frühen Stunde schon reges Treiben. Mit dem neuen ERWIN und einem Bier in der Hand wurde pflichtgemäß Optimismus verbreitet. Nur vereinzelt war das Unwort "Oberliga" zu vernehmen, und wenn, dann wurde es mehr geflüstert, denn laut ausgesprochen. Selbstredend versicherten wir uns, auch weiter zum OFC zu stehen, ganz egal in welcher Liga. Eine Erörterung der heiklen Frage, auf welchem Sportplatz die Kickers denn im Fall der Fälle künftig ihre Heimspiele austragen würden, wurde aber elegant vermieden.

Auch unsere Mannschaft schien um die stillen Ängste ihrer treuen Anhänger zu wissen. Jedenfalls legte sie in der Anfangsphase los wie die sprichwörtliche Feuerwehr, die zu dieser Zeit wohl gerade das letzte Regenwasser aus den Kellern der Stadt gepumpt hatte. Nur nach vorn, nie zurück! hieß die Devise, erste Torchancen wurden erspielt, aber leider nicht genutzt. Mitte der ersten Hälfte fanden die Gäste aus Koblenz besser ins Spiel und deuteten an, wie man als Aufsteiger viertbeste Auswärtsmannschaft der Liga wird. Das torlose Unentschieden zur Halbzeit ging deshalb in Ordnung.

Beim Pausenbier war die Zuversicht im Kickerslager ungebrochen. Denn im zweiten Durchgang würden unsere Jungs in Richtung Henninger-Tribüne spielen. Somit war eigentlich klar, dass uns ein Sturmlauf in Richtung Bieber den zehnten Heimsieg der Saison bescheren würde.

Die auf der Tribüne versammelte Expertenschar sollte recht behalten. Eine Stunde war gespielt, da setzte sich Robin Scheu bei seinem vorletzten Auftritt in Offenbach auf der rechten Seite durch. Sein Zuspiel fand Dren Hodja, der den Ball mit einem Distanzschuss im Gehäuse der Gäste versenkte. Der Bann war gebrochen.

Bis zur endgültigen Entscheidung waren noch bange Momente zu überstehen, denn der Aufsteiger aus Koblenz war offenkundig nicht gewillt, den Bieberer Berg ohne Punkte zu verlassen. Drei Minuten vor dem Spielende dann die Erlösung: Einen grandios gespielten Konter nutze der zuvor eingewechselte Christos Stoilas zum zweiten Treffer des Abends.

Damit war der Drops gelutscht. Der OFC hatte die drei Punkte im Sack und Stoilas seinen ersten Pflichtspieltreffer für die Kickers erzielt. Ausgerechnet jener Spieler also, dessen Vertragsverlängerung unter der Woche mit einigen ungnädigen Kommentaren bedacht wurde.

Ein Wort noch zu Levant Vanli, dem Ersatz des Ersatztorhüters, der gestern zum zweiten Mal von Beginn an im Kickerstor stand. Ich gehörte zu denjenigen, die die Verpflichtung des 24-jährigen Keepers im Januar mit einem Kopfschütteln quittierten, drückte uns der Schuh doch eindeutig mehr im Angriff. Obendrein ist Vanli nach meinen Eindrücken von gestern ein richtig Guter. Ohne Angst im Strafraum packt er im richtigen Moment zu, seine Kommandos waren teilweise auch in der vierten Reihe der Haupttribüne noch gut zu hören.

Nun trennen uns nur noch zweimal 90 Minuten davon, diese unselige Minus-Neun-Punkte-Saison zu einem guten Ende zu bringen. Weiter geht es am kommenden Samstag auf dem Bieberer Berg gegen die U23 der TSG Hoffenheim. Das erste Heimspiel in diesem Jahr, das ich verpasse, weil ich auch in Lissabon mal wieder nach dem Rechten schauen muss.

Nach der Vorstellung gestern gegen Koblenz bin ich aber ziemlich sicher, dass uns ein Herzschlagfinale in zwei Wochen in Stuttgart erspart bleibt. Und wenn nicht, dann stoßen wir den Bock eben an der Neckar um.

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Kickers Offenbach - TuS Koblenz 2:0
Freitag, 5. Mai 2017, 19.30 Uhr
Sparda-Bank-Hessen-Stadion, 6.519 Zuschauer
Torschützen: 1:0 Hodja (59.), 2:0 Stoilas (87.)


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