7. Dezember 2016

Glanzlos ins Achtelfinale

Letzter Spieltag in der Gruppenphase der Königsklasse. Vor den abschließenden Begegnungen lagen der SSC Neapel und Benfica mit jeweils acht Punkten auf den Plätzen eins und zwei, Besiktas folgte mit nur einem Zähler Abstand. Lediglich Dynamo Kiew stand mit zwei Punkten bereits als Gruppenletzter fest.

Die Ausgangslage für Benfica war damit klar. Wenn irgend möglich, sollte ein Sieg gegen den SSC Neapel her. Doch selbst eine Niederlage könnte zum Weiterkommen ausreichen, falls der türkische Meister in Kiew nicht gewinnen sollte.

Dass all diese Rechenspiele nötig wurden, lag in erster Linie an Besiktas, das in beiden Partien gegen Benfica jeweils in den Schlussminuten den Ausgleich schaffte. Auch dass die Türken gegen Neapel gleich vier Punkte holen würden, hatte zumindest ich nach der Auslosung nicht auf dem Zettel.

Bevor es im Estádio da Luz ums Überwintern in der Champions League ging, hatte ich am Mittag auf meine alten Tage einen ersten Fernsehauftritt. Im TV-Kanal der größten portugiesischen Sportzeitung A Bola durfte ich während einer halbstündigen Gesprächsrunde erzählen, wie es dazu kam, dass ich als Deutscher Mitglied und Dauerkarteninhaber bei Benfica bin. Die Fankulturen in Portugal und Deutschland sowie die unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im globalen Fußballgeschäft waren weitere Themen. Das Ganze hat viel Spaß gemacht und schmeichelt natürlich auch ein wenig dem Ego.

Weniger Spaß machte am Abend das Geschehen auf dem Rasen, zumindest wenn man es mit Benfica hielt. Mehr als 55.000 Fans sahen einen selbstbewussten Auftritt der Gäste aus Neapel, die mit ihrem bärenstarken Mittelfeld die Partie über weite Strecken bestimmten. Viel zu selten gelang der Mannschaft von Coach Rui Vitória ein konstruktiver Spielaufbau, am Ende ging das knappe 1:2 für den SSC Neapel völlig in Ordnung.

So lag es weniger an der Vorstellung des eigenen Teams, dass die Stimmung auf den Rängen ziemlich entspannt war. Bereits zur Halbzeit führte Dynamo Kiew mit 4:0 gegen Besiktas, nach 90 Minuten hatten die Ukrainer gar das halbe Duzend voll gemacht. Zum zweiten Mal in Folge steht Benfica damit im Achtelfinale der Champions League, was dem portugiesischen Rekordmeister bis dato noch nie gelungen war.

Dort wartet im Februar kommenden Jahres allerdings ein richtig schwerer Brocken: FC Barcelona, Atlético Madrid, FC Arsenal, Leicester City, AS Monaco, Borussia Dortmund/Real Madrid oder Juventus Turin/FC Sevilla heißt der nächste Gegner. Ausgelost wird am kommenden Montag um 12 Uhr.

Das alles liegt einstweilen jedoch noch in einiger Ferne. Denn am Sonntagabend steht das große Stadtderby gegen Sporting auf dem Spielplan. Die beiden Erzrivalen trennen vor dem dreizehnten Spieltag nur zwei Punkte, damit wird der Derbysieger in jedem Fall auch an der Tabellenspitze stehen. Unnötig zur erwähnen, dass die Begegnung ausverkauft ist, bis zum Wochenende gibt es in Portugal eigentlich nur noch ein Thema.

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SL Benfica - SSC Neapel 1:2
Dienstag, 6. Dezember 2016, 19.45 Uhr
Estádio da Luz, 55.364 Zuschauer

Mannschaftsaufstellung Benfica: Ederson, André Almeida, Nélson Semedo, Luisão, Victor Lindelöf, Ljubomir Fejsa, Pizzi, Toto Salvio (80. Mitroglou), Gonçalo Guedes (57. Rafa), Raúl Jiménez, Franco Cervi (68. Carrillo)

Torschützen: 0:1 Callejón (60.), 0:2 Mertens (79.), 1:2 Raúl (88.)

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