23. Dezember 2016

Ein Wochenende in Amsterdam

Am Schluss des Fußballjahres 2016 stand am vergangenen Wochenende ein Ausflug in die niederländische Eredivisie.

Bevor wir am Sonntag Rekordmeister Ajax besuchten, machten wir am Freitagabend einen Abstecher in die Jupiler League, der zweiten Division des Landes.

25 Kilometer nordöstlich vor den Toren von Amsterdam liegt Volendam, ein gediegener Badeort am Ijsselmeer mit 22.000 Einwohnern, der sich eine Woche vor Weihnachten festlich herausgeputzt hat. Das keine 300 Meter Luftlinie vom Strand entfernte Kras Stadion liegt inmitten eines Wohngebiets, schmucke Einfamilienhäuser flankieren zu beiden Seiten die Tribünen. Dank der holländischen Abneigung gegen Gardinen gleicht der Weg zum Stadion einem Bummel durch ein Magazin der Kategorie Schöner Wohnen.

Nicht nur durch seine Lage erinnert das Kras Stadion des FC Volendam an Bilder, die wir alle aus dem England früherer Tage im Kopf haben. Die Spielstätte ist verwinkelt, es wurde wohl öfter an- und umgebaut, die Fassaden sind aus Backstein, die Tribünendächer aus Wellblech. Kurzum: eine Wohlfühloase für Romantiker.

An der Kasse werden wir freundlich beraten, wir entscheiden uns für Tickets auf der Gegengerade, der Jaap-Jonk-Tribüne. Eine kluge Entscheidung, wie wir wenige Minuten später feststellen. Denn innerhalb der Tribüne befindet sich eine Kneipe, die ihresgleichen sucht. Ganz in den Vereinsfarben orange und schwarz gehalten, herrscht hier bereits anderthalb Stunden vor dem Anpfiff der Ausnahmezustand. Ein Alleinunterhalter mit Föhnfrisur und weißem Sakko schmettert holländische Schlager. Er triff auf ein begeistertes Publikum, was nicht zuletzt am Amstel Bier für 2 Euro liegen dürfte.

Der Wirt ist sichtlich über die neuen Gesichter in seiner Kneipe erfreut und gibt uns einen kurzen Einführungskurs in die Geschichte des FC Volendam und seiner schunkelfreudigen Fans. Fast tut es uns leid, ihn eine Viertelstunde vor dem Anpfiff zu verlassen, zumal es im Stadion empfindlich kalt ist. Die Nähe zum Meer macht sich bemerkbar, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ist die Luft inzwischen so feucht, dass man meint, sie in Scheiben schneiden zu können.

Das Geschehen auf dem Rasen ist zunächst auch nicht dazu angetan, um uns zu erwärmen. In den ersten ereignislosen 45 Minuten fallen keine Tore. Im zweiten Durchgang werden die Gastgeber dann ihrer Favoritenrolle gerecht. Schließlich stehen sich an diesem nasskalten Abend der Tabellenvierte und der Vierzehnte gegenüber. Binnen 20 Minuten erzielen die Hausherren drei Treffer, den Gästen vom FC Oss gelingt erst kurz vor dem Ende der Anschluss durch einen Elfmeter.

Reichlich durchgefroren aber um eine Kneipenerfahrung reicher fahren wir zurück nach Amsterdam.

Völlig anders dann das Szenario am Sonntag. Obwohl bereits vor 20 Jahren eröffnet, gehört die Amsterdam ArenA mit ihrem schließbaren Dach noch heute zu den modernsten Spielstätten in Europa. Von außen fällt es zunächst schwer, die ArenA überhaupt als Stadion wahrzunehmen.

Eingebettet in einen großflächigen Gebäudekomplex mit Geschäften, Büros und Gaststätten sind lediglich die Eingänge sichtbar. Man muss Konstrukte wie die Amsterdam ArenA nicht mögen. Kommerziell sind sie für Vereine wie Stadionbetreiber aber sicher ein Segen.

Über ein für den ortsunkundigen etwas verwirrendes System aus röhrenförmigen Rolltreppen gelangen wir schließlich hinauf bis fast unters Dach zu unseren Plätzen. Von innen betrachtet ist die Spielstätte beeindruckend. Die Tribünen sind sehr steil und eine Stunde vor dem Anpfiff bereits gut gefüllt. Die Stimmung auf den Rängen schwankt zwischen Vorfreude und Anspannung, schließlich zählt im Verfolgerduell zwischen Ajax und dem PSV Eindhoven für beide Mannschaften eigentlich nur ein Sieg, soll der Rückstand auf Spitzenreiter Feyenoord nicht weiter anwachsen.

Geboten bekommen wir dann holländischen Offensivfußball vom Feinsten, was bei einer Spitzenbegegnung nicht unbedingt zu erwarten war. Ajax übernimmt von Beginn an die Initiative, die Gäste vom PSV setzen auf schnelle Konter. Einer sehr unterhaltsamen ersten Hälfte fehlen eigentlich nur die Tore.

Die fallen dann im zweiten Durchgang. Kurz nach dem Wiederanpfiff geht Ajax durch Davy Klaassen in Führung und drängt in der Folge recht stürmisch auf den zweiten Treffer. Der gelingt aber nicht, was zehn Minuten vor dem Ende bestraft wird, als Siem de Jong den etwas glücklichen Ausgleich erzielt. Beeindruckend, dass Eindhoven nicht mit dem Punktgewinn zufrieden ist. Ajax ist jetzt verunsichert und die Gäste sorgen in den Schlussminuten noch für einige Aufregung im Strafraum der Hausherren.

So steht am Ende ein Unentschieden, über das sich in erster Linie Feyenoord freut. Der Rückstand von Ajax auf den Tabellenführer ist auf fünf Punkte angewachsen, PSV folgt drei Punkte dahinter. Ziemlich leise leert sich das steile Oval der ArenA, in dem es phasenweise richtig laut geworden war.

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FC Volendam - FC Oss 3:1
Freitag, 16. Dezember 2016, 20 Uhr
Kras Stadion, 4.207 Zuschauer

Ajax Amsterdam - PSV Eindhoven 1:1
Sonntag, 18. Dezember 2016, 16.45 Uhr
Amsterdam Arena, 51.998 Zuschauer




















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