22. Oktober 2016

Achterbahn der Gefühle

Es ist eine Weile her, seit ich zuletzt über den OFC geschrieben habe. Anfang September war das, nach dem 3:1 gegen den FK Pirmasens trennten die Kickers fünf Punkte vom ersten sicheren Nichtabstiegsplatz.

Neun Spieltage später hat sich rein sportlich wenig verändert. Der Rückstand auf den rettenden 13. Tabellenrang beträgt zwar nur noch zwei Punkte, doch der OFC steckt weiter mitten im Abstiegskampf.

Abseits des Spielfelds hat sich einiges getan. In zehn Tagen beginnt mit Christopher Fiori ein neuer Geschäftsführer sein Tagwerk auf Biebers Höhen. Obwohl der gebürtige Frankfurter erst Anfang diesen Monats sein Kind in der Stadionkapelle der Commerzbank-Arena taufen ließ, wünsche ich ihm für sein Amt viel Fortune. Er wird sie brauchen.

Am meisten die Gemüter erregt hat in den vergangenen Wochen die geplante Zwangsabgabe für Vereinsmitglieder, die in diesem und im kommenden Jahr mit jeweils einem zusätzlichen halben Jahresbeitrag zur Kasse gebeten werden sollen. In Summe macht das schlanke 108 Euro pro Kickersnase. Dass es vielleicht nicht die klügste Idee des Präsidiums war, nach all den Preiserhöhungen und Spendenaktionen der vergangenen Monate nun die Treusten der Treuen auch noch zu einer Zahlung zwingen zu wollen, war in letzter Zeit in den Sozialen Medien nachzulesen.

Den Antrag nur wenige Tage nach dem Ende der Kündigungsfrist zum Jahresende öffentlich zu machen, mag mancher als clever bezeichnen. Es ließen sich dafür aber auch andere Attribute finden. Jedenfalls hoffe ich, dass sich bei der Mitgliederversammlung am 30. Oktober nicht die nötige 2/3-Mehrheit für diese Satzungsänderung finden wird. Nach wie vor würde ich nämlich gerne selbst entscheiden, wieviel mir der OFC wert ist.

Doch es gab auch erfreuliches an diesem Herbsttag. Mit Hardy Grüne und Frank Willig hatten sich gleich beide Herausgeber des nicht nur von mir so geschätzten Zeitspiel-Magazins auf dem Bieberer Berg angekündigt. Ein Grund mehr, sich schon heute auf die übernächste Ausgabe des Magazins für Fußball-Zeitgeschichte zu freuen. Vor dem Anpfiff und auch noch während des ersten Durchgangs nutzte wir die Gelegenheit für so manche tief schürfende Betrachtung über den Zustand des Fußballs im allgemeinen und den OFC im speziellen.

Ein erster Durchgang, in dessen Verlauf unsere Sorgenfalten immer tiefer wurden. Zwar bestimmten die Kickers weitgehend das Spielgeschehen, spätestens am Strafraum der Gäste war dann aber Schluß mit lustig. Ganz anders der Aufsteiger aus Ulm, dem drei Angriffe in 45 Spielminuten genügten, um mit einem Zwei-Tore-Vorsprung in die Halbzeit zu gehen.

Nicht nur ich fragte mich während der Pause, wie angesichts der jüngsten Offenbacher Sturmflaute eine Heimniederlage noch zu verhindern sein sollte. Die passende Antwort gab der OFC im zweiten Durchgang. Dabei deutete zu Beginn nur wenig darauf hin, welch dramatische Wende die Partie noch nehmen sollte. Die Kickers spielten zwar weiter unverdrossen nach vorne, Torchancen blieben jedoch Mangelware.

Erst nachdem Serkan Firat in der 62. Minute mit einem Volleyschuss aus kurzer Distanz endlich der Anschlusstreffer gelungen war, kippte die Begegnung. Spieler wie Fans schöpften frischen Mut, die zuvor sicher stehende Abwehr der Ulmer geriet jetzt ein ums andere Mal ins Wanken. Mit einem verwandelten Handelfmeter besorgte Dren Hodja eine Viertelstunde vor dem Ende den Ausgleich, doch die Kickers wollten jetzt noch mehr.

Nichts für schwache Nerven war dann die Schlussphase. Nach einem wunderbar gespielten Konter erzielten die Gäste drei Minuten vor Spielende die erneute Führung, doch ein Abseitspfiff des Schiedsrichters rettete dem OFC das Unentschieden. Kurz darauf die Entscheidung zugunsten der Kickers: Einen Freistoß aus halbrechter Position zirkelte Serkan Firat zum viel umjubelten Siegtreffer. Ulm blieb keine Zeit mehr um zu reagieren, denn kurz darauf beendete der Unparteiische die Begegnung. Die Kickers feierten einen Sieg, der nicht nur gut für die Moral ist. Ein erneuter Punktverlust auf dem Bieberer Berg hätte Tabellenplatz 18 bedeutet.

Am kommenden Samstag wartet mit der TuS Koblenz ein weiterer starker Aufsteiger auf den OFC. Zwei Tage später treffen wir uns dann zur Mitgliederversammlung in Mühlheim. Es bleibt weiter spannend.

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Kickers Offenbach - SSV Ulm 3:2
Samstag, 22. Oktober 2016, 14 Uhr
Sparda-Bank-Hessen-Stadion, 4.757 Zuschauer

Torschützen: 0:1 Braig (14.), 0:2 Rathgeber (41.), 1:2 Firat (62.), 2:2 Hodja (77. HE), 3:2 Firat (90.)

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