6. September 2016

Zwei Joker, zwei Punkte

Waren das noch Zeiten, als ich auf dem Weg zum Bieberer Berg über das Wetter sinnierte oder mir Gedanken zum bevorstehenden Spiel machte. Und eigentlich sollten dieser wunderbare Spätsommer sowie die zwei Niederlagen aus den letzten drei Spielen genügend Stoff für die Einleitung zu dieser Chronik bieten, zumal die Kickers am Dienstagabend mit dem FK Pirmasens einen unbequemen Gegner erwarteten.

Doch angesichts der nicht enden wollenden Nebengeräusche rund um den Waldemar-Klein-Platz trat das Sportliche zunächst wieder einmal in den Hintergrund.

Am vergangenen Donnerstag sorgte ein Leserbrief in der Offenbach-Post für Aufsehen. In diesem Brief schilderte ein Anhänger seine vergeblichen Versuche, eine Loge für das Pokalspiel zu mieten. Schon zuvor hatte ein Bekannter von mir geklagt, dass es ihm nicht gelungen ist, für diese Begegnung sechs Gold-Karten zu kaufen. Dass die VIP-Bereiche am Ende alles andere als gut gefüllt waren, ist hinlänglich bekannt. In den Augen all jener, die "Alles auf Rot-Weiß"-Pakete erworben oder sich an anderen Rettungsaktionen beteiligt haben, muss das wie der blanke Hohn wirken.

Am Samstag griff unsere Heimatzeitung dann eine ganze Reihe von Themen auf, mit denen ich mich teilweise auch schon hier im Blog beschäftigt habe. Natürlich ging es wieder um die Finanzen, die Arbeit des Präsidiums und die Rolle des Geschäftsführers.

Wer die anschließende Diskussion auf Facebook verfolgte bekam praktischen Anschauungsunterricht, wie sehr unser Verein inzwischen in Gruppen zersplittert ist, die sich zumindest stellenweise fast schon feindselig gegenüber stehen. Freude macht das Ganze nicht mehr, neun Monate nach der Wahl des neuen Präsidiums ist das einstige Motto "Zusamme schaffe mer's" nur noch eine schöne Erinnerung. Zum ersten Mal seit ich zum Bieberer Berg gehe, stellte ich mir tatsächlich vor dem Stadionbesuch die Frage, ob ich meine Zeit nicht sinnvoller nutzen sollte.

Wenige Stunden vor dem Anpfiff meldete dann wieder die Offenbach-Post, dass der ehrenamtliche Geschäftsführer der Profi-GmbH sein Amt nun doch irgendwann abgeben wird. Eine Meldung, die nach all den Gerüchten, die rund um die Aufsichtsratssitzung am Montag kursierten, nicht mehr völlig überraschend kam. Sollte sie sich bewahrheiten, wäre das in meinen Augen eine gute Nachricht für den OFC.

Nicht ganz überraschen war auch, dass die Partie vor einer neuen Minuskulisse von 3.844 Zuschauern ausgetragen wurde. Die oberen Reihen im Block 3 waren so spärlich besetzt, dass man das Spiel bequem im Sitzen verfolgen konnte. Dass ich trotzdem auf diesen ungewohnten Komfort verzichtet habe, lag an der Warnung einer fürsorglichen Freundin. Sie hatte mich darauf hingewiesen, dass man unter Umständen beim Verlassen des Stadions den Aufpreis für einen Sitzplatz von mir verlangen könnte.

Wer gekommen war, sah einen OFC, der um Wiedergutmachung für die Pleite im Hessenpokal am vergangenen Samstag bemüht war. Den Spielern in den weißen Trikots mangelte es im ersten Durchgang nicht an Willen, spätestens in Strafraumnähe aber an den nötigen Mitteln. So mussten sich die Kickers glücklich schätzen, dass die Gäste nach einer halben Stunde einen Foulelfmeter nicht zur Führung nutzen konnten.

Nach dem Wiederanpfiff war Pirmasens zunächst klar spielbestimmend. Fast im Minutentakt tauchten die Südwestpfälzer jetzt vor dem Strafraum der Kickers auf und brachten die Offenbacher Hintermannschaft mehr als einmal in Verlegenheit.

Die Wende zum Guten kam für den OFC nach einer Stunde. Der gerade erst eingewechselte Robin Scheu erzielte die Führung und brachte damit die zuvor gut verteidigenden Gäste vorübergehend ins Schwimmen. Acht Minuten später stand es durch zwei Treffer des nach der Pause eingewechselten Ihab Darwiche bereits 3:0. Die Partie war entschieden. Daran konnte auch das Anschlusstor nach einem weiteren Foulelfmeter nichts mehr ändern, denn insgesamt war der FK Pirmasens an diesem Abend einfach zu harmlos.

Durch diesen Erfolg in einer insgesamt mäßigen Partie haben die Kickers nach sechs Spielen jetzt endlich zwei Pluspunkte auf dem Konto, der Rückstand zum "rettenden Ufer" beträgt nur noch vier Zähler. Ein Heimsieg am kommenden Sonntag gegen die ausgesprochen schwach in die Saison gestartete Eintracht aus Trier wäre ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

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Kickers Offenbach - FK Pirmasens 3:1
Dienstag, 6. September 2016, 19.30 Uhr
Sparda-Bank-Hessen-Stadion, 3.844 Zuschauer

Torschützen: 1:0 Scheu (64.), 2:0 Darwiche (70.), 3:0 Darwiche (72.), 3:1 Özer (77. FE)




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