31. August 2016

Die neue Bescheidenheit

Gerade einmal vier Tage sind vergangen seit der letzten Partie der Kickers in Wetzlar. Trotzdem ist in der Zwischenzeit eine Menge passiert.

Am Samstag wurde der im Mai gestellte Insolvenzantrag zurückgenommen, die Kickers sind jetzt wieder ganz "Herr im eigenen Hause".

Zwar ist mir noch immer nicht klar, woher die neuen Schulden in Höhe von einer Million Euro eigentlich stammten. Aber so wie ich es verstanden habe, sollen die zur Abwendung der Insolvenz benötigten Mittel jetzt hauptsächlich aus drei Quellen kommen.

Da sind zum einen die Spenden der Fans, die in den letzten Monaten viel Geld für ihren OFC aufbrachten und dafür von der Offenbach-Post zum "Hauptsponsor" der Kickers erkoren wurden. Etwa 250.000 Euro soll ein Benefizspiel einbringen, bei dem der Gegner und das Datum noch unbekannt sind. Und schließlich gibt es Stundungen, Teilzahlungsvereinbarungen und neue Darlehen.

Manches verstehe ich nicht. Wie etwa die Rechnung des Geschäftsführers, der OFC habe in dieser Saison mit 2.334 Dauerkarten "nur" 600 Jahrestickets weniger verkauft als in der Vorsaison. Denn zum 13. August 2015 hatten die Kickers 3.524 Dauerkarten unters Volk gebracht. Das ergibt auf meinem Taschenrechner eine Differenz von 1.190 Dauerkarten.

Auch abseits der Dauerkarten ist die Begeisterung rund um den OFC derzeit eher bescheidenen. Die Zahl der Werbebanden im Stadion hat deutlich abgenommen, Radio Bob ist offensichtlich als Sponsor abhanden gekommen, Degussa veranstaltet in der Halbzeit keinen "goldenen Schuss" mehr. Von der Waldemar-Klein-Tribüne aus betrachtet, wirkt der VIP-Bereich beinahe verwaist. Keine Frage, auf den zweiten Geschäftsführer - der sich um Marketing und Sponsoring kümmern soll - wartet Arbeit.

Aber kommen wir zum Fußball. Die spannende Frage an diesem traumhaften Spätsommerabend lautete, ob die Kickers den schlechten Eindruck, den sie vor vier Tagen in Wetzlar hinterlassen hatten, korrigieren könnten.

Gegen einen klar unterlegenen Gegner aus Nöttingen hatte der OFC zwar gefühlte 80 Prozent Ballbesitz. Es mangelte aber an Ideen und Tempo im Spiel, um einen defensiv eingestellten Aufsteiger wirklich unter Druck zu setzen und damit zu Fehlern zu zwingen. So blieb in einer sehr zähen ersten Halbzeit ein Lattentreffer von Bryan Gaul der einzige Höhepunkt.

Im zweiten Durchgang wurde es dann etwas interessanter. Nach einer knappen Viertelstunde kamen die Gäste zu einer hochkarätigen Chance, kurz daraus erlöste Robin Scheu die nur 4.326 Zuschauer auf Biebers Höhen und erzielte per Kopf den Treffer des Tages, nachdem zuvor Matthew Taylor den Ball an die Latte gezirkelt hatte. Am Ende stand ein glanzloser Sieg gegen die Mannschaft mit dem niedrigsten Etat der Liga.

Am Samstag spielen die Kickers im Hessenpokal in Seligenstadt, kommenden Dienstag geht es dann gegen den FK Pirmasens wieder um Ligapunkte. Bei einem erneuten Heimsieg hätte der OFC ein positives Punktekonto, das alleine wäre schon ein Grund zur Freude. Wir sind bescheiden geworden.

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Kickers Offenbach - FC Nöttingen 1:0
Dienstag, 30. August 2016, 19.30 Uhr
Sparda-Bank-Hessen-Stadion, 4.326 Zuschauer

Torschütze: 1:0 Scheu (59.)


Kommentare:

  1. Wie immer die richtigen Fragen gestellt. Aber wie es richtig im Beitrag steht, sind Teilzahlungen, Stundungen und Darlehn vereinbart. Also weg sind die Schulden damit nicht.

    Und wer den Leserbrief in der OP liest, der weiß auch warum....

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    1. Nein, ein Teil der Schulden ist sicher nur aufgeschoben. Der Leserbrief war deutlich, ich habe von anderen leider schon Ähnliches gehört.

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