27. August 2016

Blackout in Wetzlar



Freitagnachmittag, brütend heißes Sommerwetter. Zum Auftakt des Wochenendes eine eben so kurze wie sentimentale Reise nach Mittelhessen. Gerade einmal 75 Kilometer sind es bis in die neue Heimat von "unserem" Markus Müller, der seit diesem Sommer beim Verein mit den 30 Buchstaben gegen den Ball tritt.

Wie bei Freitagsspielen üblich, traf sich unsere kleine Reisegesellschaft schon früh auf dem Wilhelmsplatz, um bei einem kalten Äppler in Erinnerungen an die Heldentaten vom Montagabend zu schwelgen. Nach dem Pokaldrama ging es für die Kickers gestern gegen den SC Teutonia Watzenborn-Steinberg darum, das Punktekonto auf minus Eins zu stellen. Es herrschte seltene Einigkeit, dass die Mission gelingen könnte.

Das Stadion in Wetzlar umarmt den weit gereisten Schlachtenbummler mit einer Idylle wie aus dem Bilderbuch. Vom Parkplatz führt eine Fußgängerbrücke über lauschige Auen direkt zur Spielstätte. Ringsum üppiges grün, am Horizont grüßt majestätisch der Dom. An den beiden Geraden stehen kleine Tribünen, hinter dem Tor wurde den Gästen eine gut umzäunte Stahlrohrtribüne errichtet, die trotz der Tartanbahn eine passable Sicht aufs Geschehen ermöglicht.

Geschätzt mehr als tausend Offenbacher sahen einen flotten Auftakt ihrer Kickers, die nach einer Viertelstunde durch einen direkten Freistoß von Serkan Firat knapp an der Führung vorbei schrammten. Danach aber war Schluß mit lustig, beinahe wirkte es so, als hätte jemand den Kickers den Stecker gezogen. Wenig bis nichts lief mehr zusammen, es fehlte an Tempo, an Bewegung, an Ideen. Die Gastgeber nahmen das zunächst verwundert zur Kenntnis, machten sich dann aber ans Werk und erzielten noch im ersten Durchgang zwei Treffer.

Wer auf ein Aufbäumen des OFC in der zweiten Hälfte gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Der Anschlusstreffer von Alexandros Theodosiadis war lediglich die kurze Andeutung einer Gegenwehr, ansonsten fanden die Angriffsbemühungen der Kickers meistens an der Mittellinie ihr klägliches Ende. Technische Fehler, verlorene Zweikämpfe, Fehlpässe: alles war überreich im Angebot. Die erschreckend abschlussschwachen Hausherren erspielten sich Großchance um Großchance und hätten die Kickers eigentlich mit einer historischen Niederlage im Gepäck zurück an den Bieberer Berg schicken müssen.

So konnten wir dem Veranstalter eigentlich dankbar sein, dass das Geschehen auf dem Rasen mit Einbruch der Dunkelheit mehr zu erahnen als zu sehen war. Die Flutlichtanlage gehören sicher nicht zu den Vorzeigeprojekten der Stadt Wetzlar. Eine zeitlang versuchten wir unsere Laune noch mit kleinen Späßen über mögliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Dunkelheit zu stabilisieren. Die Spieler mit blinkenden LED-Schuhen auszustatten, war noch eine der kreativeren Ideen. Irgendwann half aber auch der ganze Schabernack nichts mehr, mit dem Schlusspfiff traten wir schleunigst den Rückzug an.

Nun wäre es natürlich spannend, ein wenig Ursachenforschung zu betreiben. Waren die Jungs in den weißen Kickerstrikots nach den 120 Minuten vier Tage zuvor schlicht am Ende ihrer physischen Kräfte? Oder hatte ihnen am Ende doch die Psyche einen Streich gespielt? Waren die Mannschaft nach der tollen Vorstellung am Montag vielleicht tief im Unterbewusstsein der Überzeugung, gegen den Aufsteiger werde es allemal reichen? Wir werden es wohl nie erfahren.

Um so wichtiger ist jetzt das nächste Spiel, das bereits in drei Tagen gegen den Aufsteiger FC Nöttingen ansteht. Ein Heimsieg wäre eine feine Sache, denn der OFC hat aus den ersten vier Begegnungen nur fünf Punkte geholt. Damit stünden die Kickers eigentlich auf dem elften Tabellenplatz, jedoch mit neun Strafpunkten... Aber lassen wir das. Man sieht sich am Dienstagabend auf Biebers Höhen.

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SC Teutonia Watzenborn-Steinberg - Kickers Offenbach 2:1
Freitag, 26. August 2016, 19.30 Uhr
SCT Sportpark Wetzlar, 2.595 Zuschauer

Torschützen: 1:0 Weinecker (32.), 2:0 Lemke (45.), 2:1 Theodosiadis (60.)









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