23. Juli 2016

Federn lassen für den Erfolg

In diesen Tagen bietet das Estádio da Luz einen ungewohnten Anblick. Dort, wo normalerweise ein imposanter Adler von der Fassade auf die Besucher des Stadions herabblickt, herrscht derzeit gähnende Leere.

Vergangene Woche wurde Benficas Wappentier demontiert und wird nun etwa einen Monat lang restauriert. Dafür wurde eigens neben dem Stadion ein Schutzdach errichtet, unter dem der Adler jetzt wieder aufpoliert wird.

Die 1985 von Soares Branco geschaffene Skulptur hat mit 15 Metern Breite und sechs Metern Höhe nicht nur majestätische Dimensionen, sie ist noch dazu ein echtes Schwergewicht. Stolze drei Tonnen bringt der aus 325 Bronze- und Eisenteilen bestehende Adler auf die Waage, unter dessen mächtigen Klauen der Leitspruch des Rekordmeisters verewigt ist: "E Pluribus Unum" (Aus vielen, einer).

Anlässlich der Restaurierungsarbeiten wurde eine nette Anekdote um die Entstehung des Bronzeadlers bekannt, den sein Erschaffer Soares Branco ursprünglich mit 13 Schwanzfedern ausstatten wollte. Nachdem Benfica aber im August 1985 zwei Vorbereitungsspiele hintereinander verloren hatte, intervenierte Vítor Barros, der auf Vereinsseite für das Projekt verantwortlich war. Für den Funktionär stand fest, dass nur die Unglückszahl 13 schuld an den jüngsten Misserfolgen sein konnte. Der stolze Adler wurde deshalb kurzerhand ein wenig gerupft und nahm seinen Platz an der Fassade des Estádio da Luz schließlich nur noch mit zwölf Schwanzfedern ein.

Zumindest kurzfristig machte sich der Eingriff in die künstlerische Freiheit des Bildhauers nur bedingt bezahlt. Zwar gewann Benfica in der Spielzeit 1985/86 sowohl den Pokal als auch den Supercup, in der Liga jedoch wurden die Adler mit zwei Punkten Rückstand auf den FC Porto nur Vizemeister. Die Entscheidung zugunsten der Nordportugiesen fiel erst am vorletzten Spieltag, an dem Benfica vor heimischem Publikum ausgerechnet gegen den Lokalrivalen Sporting mit 1:2 unterlag.

Links: Die Originalversion, noch mit 13 Federn / Rechts: Der Adler kurz vor der Restaurierung





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