2. Juni 2016

In der Fröttmaninger Heide

Ein wenig Ablenkung von all dem Trübsinn rund um den Waldemar-Klein-Platz kann nicht schaden, also schauen wir uns in diesem Sommer die eine oder andere ganz große Fußballbühne in Deutschland an.

Auf Dortmund vor zwei Wochen folgte gestern ein Ausflug Richtung Süden nach München, oder genauer gesagt nach Fröttmaning.

Zehn Kilometer vor den Toren der bayerischen Landeshauptstadt wurde dort fast auf den Tag genau vor elf Jahren die Allianz Arena eröffnet, in der der ruhmreiche FC Bayern und der etwas weniger gut betuchte Lokalrivale TSV 1860 ihre Heimspiele austragen.

Schon bei der Anfahrt bemerkt man unschwer die Vorteile, die ein Stadionneubau auf der grünen Wiese mit sich bringt, denn die Infrastruktur rund um die Arena ist gigantisch. Eine eigene U-Bahnstation, direkte Anbindung an die Autobahn, dazu insgesamt 11.000 Parkplätze mit separaten Zufahrten, das Szenario erinnert mehr an einen großen internationalen Flughafen als an einen Sportplatz.

Die aus nur 0,2 Millimeter dicken Folienkissen bestehende Aussenhülle der Arena ist auch - oder vielleicht gerade - an grauen Tagen ein echter Hingucker. Für die Stadionführungen gibt es vier "Meeting Points", ein dezenter Hinweis darauf, wie viele Besucher die Allianz Arena auch an spielfreien Tagen von innen sehen wollen. Im Stadion selbst dominiert die Farbe grau, nackte Betonwände und graue Schalensitze beherrschen die Szenerie, die dadurch jedoch sehr steril wirkt. Alles erschein ein wenig zu perfekt und zu gut geplant, das Auge findet nur wenig, an dem es wirklich hängen bleibt.

Der "Arena Guide" spult sein Programm routiniert und ziemlich lustlos ab, während der einstündigen Stadiontour gibt es den Mittelrang hinter dem Tor, den Unterrang der Haupttribüne, die Mannschaftskabine der Bayern, den Spielertunnel und die Mixed Zone zu sehen. Das ist nicht gerade viel, die Führung in Dortmund vermittelte da ganz andere Einblicke hinter die Kulissen des Signal-Iduna-Parks.

Nach der Stadiontour tauchte wir dann ein in die "FC Bayern Erlebniswelt". Nicht weiter verwunderlich, dass das Museum der Münchner mit einer Ausstellungsfläche von 3.000 Quadratmetern das größte Vereinsmuseum der Republik ist. Schließlich hat der Rekordmeister im Laufe seiner Geschichte etliche nationale wie internationale Titel gesammelt, es gibt also einiges zu erzählen. Und die Art wie dies erzählt wird, entschädigt für die eher enttäuschende Stadionführung.

Beginnend mit den Anfangstagen des Klubs wird die Vereinsgeschichte nicht nur anhand von Titeln und Triumphen vermittelt. Immer wieder wird die Historie durch kuriose Begebenheiten oder nette Anekdoten zum Leben erweckt. Ausstellungsstücke sowie teilweise interaktive Bildschirme erzählen von großen Begegnungen und bitteren Niederlagen, von Spieler und Funktionären. Alles ist ebenso anschaulich wie ansprechend in Szene gesetzt. Dass die Ausstellung noch dazu sehr übersichtlich gegliedert ist, erleichtert die Orientierung. Zwei Stunden haben wir in der Erlebniswelt verbracht, hartgesottene Bayernfans könnten leicht noch ein weiteres Stündchen dranhängen.

Ein letztes Highlight dann auf der Heimfahrt nach Offenbach. Entlang einer 17 Kilometer langen Autobahnbaustelle im Altmühltal zählten wir sage und schreibe 24 Dixiklos. Bayern, Du hast es einfach besser!

























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