5. Mai 2016

SV Wehen Wiesbaden - Kickers Offenbach 1:2

Zum Tag des großen Endspiels wollte selbst Petrus seinen Beitrag leisten und bescherte dem Hessenland einen strahlend blauen Himmel. So fröhlich lachte die Sonne schon in den frühen Nachmittagsstunden über Bad Offenbach, dass sich ein Teil unserer kleinen Auswärtsgruppe im Markthaus am Wilhelmsplatz einfand, um sich bei gut gekühlten Getränken und einer leichten Mahlzeit standesgemäß auf das Finale einzustimmen.

Reichlich früh ging es dann auch schon los in Richtung Haiger, denn die Wegstrecke in den Lahn-Dill-Kreis ist zwar gerade einmal 110 Kilometer lang, steckt aber voller Beschwernisse, die am Abend vor einem Brückenwochenende gerne in Gestalt von kilometerlangen Staus daher kommen.

Dank unseres umsichtigen Zeitmanagements erreichten wir den Endspielort fast eineinhalb Stunden vor dem geplanten Anpfiff und durften unseren Wagen wie schon in der Hinrunde der Regionalliga auf einer saftig grünen Wiese vor den Toren des SIBRE-Sportzentrums abstellen.

Über den Sinn oder Unsinn, ein Finale des Hessenpokals in der Heimstätte des TSV Steinbach auszutragen, ist in den letzten Wochen viel und teilweise sehr erregt diskutiert worden. Nun fehlt es mir am nötigen Hintergrundwissen darüber, wie es letzten Endes zu dieser Entscheidung gekommen ist. Dass Haiger aber keine glückliche Wahl war, steht wohl außer Frage.

Da ist zum einen das Sportzentrum selbst, dass für den TSV Steinbach und seinen Erfordernisse im Normalfall sicher ein kleines Schmuckkästchen ist. Von der Haupttribüne aus genießt man beste Sicht aufs Spielfeld, die Grillwürste sind schmackhaft, das Krombacher Pils frisch gezapft, die Damen vom Service ausgesprochen nett. Leider existiert nur wenige Meter weiter im Gästestehblock eine Art Parallelwelt, die wir im Ligaspiel in dieser Saison kennen gelernt haben. Dicke, meterhohe Metallzäune lassen dort das Spielgeschehen mehr erahnen als tatsächlich verfolgen, leckere Würste und freundliche Damen mit kühlem Pils sind hier nicht mehr als ein frommer Wunsch.

Hinzu kommt, dass die künstliche Verknappung des Kartenkontingents für die Anhänger der Kickers dazu führte, dass viele das Spiel nicht im Stadion verfolgen durften, weil es für sie keine Eintrittskarten gab. Denn dass auf Seiten des SV Wehen die Nachfrage eher übersichtlich bleiben würde, war vorhersehbar. So konnten am Ende gerade einmal 2.300 Fußballinteressierte im eigentlich 4.000 Zuschauer fassenden Sportzentrum den alljährlichen Höhepunkt im regionalen Fußballkalender miterleben. Sollte dem Hessische Fußballverband nicht eigentlich daran gelegen sein, dass möglichst viele Fans ein Finale um den Hessenpokal besuchen können?

Jedenfalls sorgten die geschätzten 1.500 Schlachtenbummler aus Offenbach dafür, dass das Endspiel in Haiger in einem dem Anlass entsprechend würdigen Rahmen stattfand. Zum Spielbeginn machte eine Choreografie mit hunderten roten Fähnchen und dem Motto "Auf nach Europa!" dezent darauf aufmerksam, dass man sich im Lager der Kickers gegen einen Widersacher aus der 3. Liga keineswegs mit der Rolle des Außenseiters begnügen wollte.

Die Mannschaft der Kickers verstand jedenfalls das Zeichen von der Tribüne und setzte von Spielbeginn an auf Angriff, bereits nach neun Minuten erzielte Dren Hodja den Offenbacher Führungstreffer. Zwar gelang dem SV Wehen nur kurz darauf der Ausgleich, doch gegen einen in der Offensive erschreckend harmlos agierenden Drittligisten konnte sich der OFC gut behaupten und bestimmte über weite Strecken der Begegnung das Geschehen. Martin Rösers Siegtreffer zehn Minuten vor dem Abpfiff war ebenso erlösend wie verdient.

Mit dem 11. Gewinn des Hessenpokals untermauern die Kickers nicht nur ihre Vormachtstellung im Landespokal. Mehr als 100.000 Euro garantierte Einnahmen für die Teilnahme an der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals sind viel Geld auf Biebers Höhen, vom sportlichen Reiz eines Pokalheimspiels einmal ganz zu schweigen. Nur noch fünf Begegnungen trennen den OFC vom Finale in Berlin. Bevor es soweit ist, lautet der nächsten Gegner der Kickers bereits am Samstag FC-Astoria Walldorf.

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SV Wehen Wiesbaden - Kickers Offenbach 1:2
Mittwoch, 4. Mai 2016, 19.30 Uhr
SIBRE-Sportzentrum Haiger, 2.300 Zuschauer

Mannschaftsaufstellung: Daniel Endres, Maik Vetter, Stefano Maier, Marcel Gebers, Alexandros Theodosiadis, Marco Rapp, Kristian Maslanka, Martin Röser (89. Matthias Schwarz), Dren Hodja (70. Robin Scheu), Niko Dobros (83. Dennis Schulte), Benjamin Pintol

Torschützen: 0:1 Hodja (9.), 1:1 Oehrl (16.), 1:2 Röser (80.)














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