19. Mai 2016

Fußballstadt Dortmund

Dass sich in Dortmund manches um den Fußball dreht, ist keine wirklich neue Erkenntnis. Erst recht nicht, seit im vergangenen Jahr das Deutsche Fußballmuseum in der Heimatstadt des Ballspielvereins Borussia seine Pforten geöffnet hat.

Grund genug für einen Abstecher nach Dortmund, um das Museum und natürlich auch die Heimstätte der Borussen zu besuchen.

Wenn sich der größte nationale Sportverband der Welt ein Museum baut, sind die Erwartungen natürlich immens. Wer, wenn nicht der DFB sollte in der Lage sein, ein wirklich atemberaubendes Museum zu errichten? Schließlich fehlt es weder an Geschichte, noch am nötigen Kleingeld, um sie entsprechend in Szene zu setzen.

Vielleicht lag es an unserer letzten Endes dann doch überzogenen Erwartungshaltung, dass wir das Deutsche Fußballmuseum nach etwas mehr als drei Stunden etwas ernüchtert verließen. Klar, es gibt ein Menge zu sehen. Einzelne Exponate, wie etwa die schriftlichen Aufzeichnungen der WM-Teilnehmer von 1954 sind kurios und rührend zugleich. Jedoch fehlt es der Ausstellung nach meinem Empfinden an einem roten Faden oder zumindest an einer klareren thematischen Struktur.

Der erste Teil des Museums ist größtenteils der Geschichte des DFB und seiner Nationalmannschaft gewidmet, der optische Schwerpunkt liegt eindeutig bei den Fußball-Weltmeisterschaften. Immer wieder wird man dabei zwischen den einzelnen Epochen hin und her geworfen. Vieles wird zwar kurz angerissen, aber eben nur wenig vertieft. Bevor es hinunter zum zweiten Teil über den Vereinsfußball geht, bietet ein 3D-Film über die WM-Titel der Nationalelf eine kurze Verschnaufpause.

Bedenkt man die heutigen technischen Möglichkeiten, die eigentlich doch so emotionale Welt des Fußballs erlebbar zu machen, ist das Museum reichlich "Old School". Zwar greift man natürlich hier und da in die technische Trickkiste, etwa in einem rotierenden Kinosaal. Doch fragt man sich anschließend meist nach dem "warum". Selbst bei den glorreichsten oder dramatischsten Begebenheiten überkommt den Besucher nicht einmal der leise Anflug einer Gänsehaut, und das ist dann doch enttäuschend.

Fazit: Natürlich ist das Deutsche Fußballmuseum sehenswert, wer sowieso in Dortmund ist, sollte es es sich nicht entgehen lassen. Extra für einen Besuch ins Ruhrgebiet zu fahren, lohnt sich jedoch nicht. Nach dem Museum blieb gerade noch Zeit für die in Dortmund obligatorische Currywurst, bevor es weiter ging in den nicht all zu weit entfernten Signal-Iduna-Park.

Nun ist es natürlich unfair, ein Museum mit einem Stadion zu vergleichen, noch dazu, wenn es sich dabei um einen Fußballtempel der aller ersten Güte handelt. War das Prädikat "Old School" im Museum doch eher enttäuschend, lässt es im früheren Westfalenstadion das Herz höher schlagen, denn die Spielstätte des BVB hat das, was man gemeinhin als Fußballfreund so schätzt: Patina.

Trotz seiner gewaltigen Ausmaße ist das größte Stadion der Republik wohltuend unprätentiös. Wäre es nicht so kitschig, ich würde an dieser Stelle schreiben, dass im Signal-Iduna-Park eben gepöhlt und nicht Fußball gespielt wird. Immerhin 14 Jahre ist es schon her, dass ich hier ein Spiel der Borussia sehen durfte, die Ecken wurden seinerzeit gerade ausgebaut. Dazu gibt die zweistündige Stadionführung auch Einblicke in Bereiche, die man sonst eben nicht zu sehen bekommt. Dazu gehören neben der Mixed Zone, dem Pressebereich oder dem Stadiongefängnis auch die Spielerkabine der Heimmannschaft, die in ihrer Kargheit eher an eine Turnhalle der 1970er-Jahre erinnert und ganz der Maxime "Endscheidend ist auf dem Platz!" gehorcht.

Ein echter Höhepunkt war natürlich die legendäre "Süd", die größte Stehplatztribüne der Welt. Auch an spielfreien Tagen riecht es hier nach Bier und Fußball, leer wirkt sie ebenso beeindruckend, ja fast bedrohlich wie an den Tagen, an denen die gelbe Wand zum Leben erwacht.



































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