25. Mai 2016

Ein Verein mit 30 Buchstaben

SC Teutonia Watzenborn-Steinberg, ein Fußballverein mit 30 Buchstaben. Erstmals gehört habe ich vom Sportclub mit dem etwas sperrigen Namen, als die Teutonen in der vergangenen Saison zum heißen Kandidaten für den Aufstieg in die Regionalliga Süd avancierten. Nachdem Markus Müller gestern via Facebook seinen Wechsel nach Mittelhessen bekannt gegeben hat, ist es höchste Zeit, sich etwas näher mit dem Newcomer zu beschäftigen.

Watzenborn-Steinberg ist der größte Ortsteil einer Stadt namens Pohlheim und liegt sechs Kilometer südöstlich von Gießen. 7.782 Seelen leben hier, neben einem Dorfgemeinschaftshaus finden wir dort eine Sporthalle, zwei Schulen, mehrere Kindergärten und natürlich den Sportplatz "An der Neumühle". Nach Offenbach sind es über die A5 gerade einmal 64 Kilometer.

Zugegeben, das alles klingt nicht gerade nach der ganz großen Welt des Fußballs. Noch im Jahr 2009 jagte die erste Mannschaft der 1927 gegründeten Teutonia in der siebtklassigen Gruppenliga Gießen/Marburg dem runden Leder hinterher. Danach aber begab sich der Verein auf einen Marsch durch die Ligen, der ein wenig an die Erfolgsstory des TSV Steinbach erinnert. 2011 gelang zunächst der Aufstieg in die Verbandsliga Mitte. Vier Jahre später spielte die Teutonia erstmals in der Oberliga Hessen, die der Aufsteiger kräftig aufmischte. Als Hessenmeister glückte dem von Trainer Daniel Steuernagel betreuten Team in diesem Monat der direkte Durchmarsch in die Regionalliga Südwest.

Wie in Steinbach, ist der Erfolg auch in Watzenborn-Steinberg mit einem Namen verknüpft. Der 52-jährige Unternehmer Jörg Fischer sieht sich selbst in einem Interview mit FuPa.net im Februar diesen Jahres zwar nicht als Mäzen oder "Macher" des Sportclubs. Gleichwohl investiert der gebürtige Steinberger als Vorstand und ehrenamtlicher Geschäftsführer seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht nur viel Zeit und Energie in den Verein. Seine Firma, die GHI Gesellschaft für Handel und Immobilien, ist Trikotsponsor und "Exklusiv-Partner" der Teutonen.

Für die erste Saison in der Regionalliga hat man sich in Mittelhessen scheinbar eine Menge vorgenommen. Darauf deuten zumindest die beiden ersten Neuverpflichtungen hin, die in dieser Woche bekannt gegeben wurden. Neben Markus Müller, der in seinen zweieinhalb Jahren bei Kickers Offenbach 30 Treffer erzielte, wurde auch der 26-jährige defensive Mittelfeldmann Oliver Laux von Eintracht Trier verpflichtet.

Um Punkte spielen werden die Teutonen künftig nicht mehr auf ihrem heimischen Sportplatz "An der Neumühle", dessen regionalligatauglicher Ausbau zu aufwändig wäre. Neue Heimstätte wird in der kommenden Saison das Stadion Wetzlar mit einer Kapazität für 8.000 Zuschauer. Auf etwas weniger Zuschauer als auf dem Bieberer Berg wird sich Markus Müller wahrscheinlich einstellen müssen. Die Heimspiele in der Hessenliga verfolgten durchschnittlich 560 Fans. Allerdings kamen zur entscheidenden letzten Begegnung gegen den KSV Baunatal immerhin 2.100 Zuschauer, um den historischen Aufstieg des SC Teutonia Watzenborn-Steinberg in die Regionalliga zu feiern.

1 Kommentar:

  1. Das klingt nicht nur nicht nach großer Fußballwelt, dass ist, sorry, Kuhkaff ! Wieder ein Verein der mit aller Gewalt (Kohle) in höhere Ligen geprügelt wird. Kaum aufgestiegen und schon fleißig in neue Spieler investiert. Und das obwohl die Infrastruktur nicht mal ansatzweise vorhanden ist. Der TSV Steinbach hat's ja vorgemacht. Von wegen die Kräfte des Lahn-Dill-Kreises bündeln. Die haben sich als nicht Regionalliga tauglich erwiesen und wurden in der Winterpause einfach mal durch 15 neue Spieler ersetzt. Red Bull-mäßiger Turbo-Kapitalismus an der Grenze zur Bedeutungslosigkeit. Nichts anderes ist die Regionalliga in ihrer jetzigen Form. Da man vom DFB nicht erwarten darf, dass er sich am Zerfall der Traditionsvereine stört, bleibt uns nur den Fußballgott anzuflehen, dass er uns aus diesen Niederungen heraus führt. Sonst ist schon bald möglicherweise Schlusspfiff in Offenbach... und nicht nur dort.

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