24. Mai 2016

Die Hand Gottes

Philip Kerrs bereits im März erschienener neuer Fußballthriller "Die Hand Gottes" macht dort weiter, wo "Der Wintertransfer" aufgehört hat. Scott Manson ist mittlerweile Cheftrainer von London City und bereitet seine Mannschaft auf die neue Saison vor.

In der Qualifikation zur Champions League erwartet ihn und seine Mannen samt dem schwerreichen ukrainischen Klubeigentümer Viktor Sokolnikow mitten im griechischen Hochsommer nicht nur ein heißer Tanz gegen Olympiakos Piräus.

Als einer der Stars von London City während der Begegnung tot auf dem Platz zusammenbricht und die griechischen Behörden darauf hin das gesamte Team mit einem Ausreiseverbot belegen, macht sich Scott Manson erneut auf eigene Faust an die Lösung des Falls.

Auch Kerrs zweiter Fußballthriller gewährt wieder fiktive Einblicke hinter die Kulissen des Profisports, die womöglich gar nicht so weit von der Realität entfernt sind. Doch wo "Der Wintertransfer" vom Reiz des Neuen lebte und zügig Fahrt aufnahm, kommt "Die Hand Gottes" nur sehr langsam in Gang. Auf den ersten hundert Seiten passiert wenig bis nichts, auch danach wirkt die Handlung oft konstruiert, begnügen sich die Hauptdarsteller zu häufig mit Stereotypen und einer ordentlichen Portion Pathos.

Alles in allem ein Buch, das man natürlich in diesem Sommer am Strand lesen kann, aber nicht unbedingt muss. Warum der Thriller doch ein gutes Stück hinter seinem Vorgänger her hinkt, ist schwer zu sagen. Vielleicht liegt es ja an der raschen Abfolge, in der die beiden Bücher veröffentlicht wurden. Etwas mehr Zeit für Inspiration und Muse täten wohl selbst einem ausgewiesenen Könner wie Philip Kerr manchmal ganz gut. Für Oktober ist übrigens bereits sein dritter Fußballthriller angekündigt, der den Titel "Die falsche Neun" tragen wird.

Allen, die gerne mehr von Philip Kerr lesen möchten, kann ich an dieser Stelle die Bernie-Gunther-Reihe ans Herz legen, die den Privatermittler Gunther über neun Bücher hinweg vom Berlin der 1930er-Jahre bis ins revolutionäre Kuba zehn Jahre nach Kriegsende begleitet. Zum Einstieg kann man mit der 1.072 Seiten starken "Berlin-Trilogie" für 10,99 Euro nichts verkehrt machen.

---
Philip Kerr
Der Hand Gottes
Klett-Cotta 2015, 398 Seiten
14,95 Euro

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen