14. April 2016

Benfica - Bayern München 2:2

Bei der Rückschau auf das Spiel des portugiesischen gegen den deutschen Rekordmeister gestern in der Königsklasse kommt man nicht um die Erkenntnis herum, dass es wohl nur wenige Dinge auf dieser schönen Welt gibt, die wichtiger sind als Fußball.

Welches andere Ereignis könnte mitten unter der Woche etwa 6.000 Menschen aus Deutschland an den Westrand Europas locken?

Schon unser Flug nach Portugal am Dienstagabend war bestens gefüllt mit erwartungsfrohen Fans der Münchner. Viele von ihnen hatten sich zu teilweise atemberaubenden Preisen Karten über kommerzielle Ticketbörsen besorgt. Am Flughafen in Lissabon bescherten in Lederhosen gehüllte Bajuwaren dem einheimischen Betrachter einen Hauch Exotik, obwohl Regen, Wind und 12 Grad in der portugiesischen Kapitale eigentlich nach anderen Beinkleidern verlangt hätten.

Die Begegnung im Viertelfinale der Champions League hatte durch den überraschend knappen Erfolg der Bayern im Hinspiel noch zusätzlich an Spannung gewonnen. Ein Rückstand von nur einem Tor bedeutete keineswegs eine "Mission Impossible" für die Adler aus Lissabon, auch wenn den meisten Benfiquistas natürlich bewußt war, dass das 1:0 vor acht Tagen ein ausgesprochen undankbares Resultat war.

So groß war die Vorfreude auf das erste Viertelfinale Benficas in der Champions League seit 2012, dass es selbst für mich als Vereinsmitglied schwierig wurde, an die begehrten Eintrittskarten zu kommen. Abhilfe schaffte ein bestens vernetzter Freund in Lissabon, dank dem ich gemeinsam mit meiner besseren Hälfte auf gepolsterten Logenplätzen eine wahrlich königliche Sicht auf die Königsklasse hatte.

Das Estádio da Luz war also bis auf den letzten Platz gefüllt und wurde spätestens nach dem Führungstreffer durch Raúl Jimenéz nach einer knappen halben Stunde in seinen Grundfesten erschüttert. Dass es am Ende gegen eine routiniert aufspielende Bayernelf doch nicht zum ganz großen Coup reichen sollte, tat der Begeisterung im weiten Rund keinen Abbruch.

Benfica, dass neben den Langzeitverletzten Julio César, Luisão und Nelson Semédo sowie dem gesperrten Torjäger Jonas kurzfristig auch noch seinen Mittelfeldstrategen Nico Gaitán und Stürmer Kostas Mitroglou ersetzen musste, warf alles in die Waagschale, was es an diesem Abend zu bieten hatte. Dass der Kader der Adler nicht so üppig besetzt ist wie der der Bayern, versteht sich eigentlich von selbst. Während Pep Guardiola wie selbstverständlich Robert Lewandowski für Thomas Müller einwechselt, schickte sein Kollege Rui Vitória gegen Ende des Spiels mit Luka Jović einen 18-jährigen aufs Feld, der überhaupt erst einmal in der Profimannschaft der Adler gespielt hatte.

Dass Benfica dem deutschen Rekordmeister trotzdem ein Unentschieden abtrotzte, sorgte unter den Benfiquistas für eine Begeisterung, wie ich sie im Estádio da Luz seit langem nicht mehr erlebt habe. Die Mannschaft wurde mit stehenden Ovationen verabschiedet, noch eine Viertelstunde nach Spielende war das Stadion gefüllt, fast niemand mochte sich auf den Heimweg zu begeben.

Am kommenden Montag geht es für Benfica im Heimspiel gegen Vitória Setúbal wieder um wichtige Punkte im Kampf um die portugiesische Meisterschaft. Der Vorsprung auf den Lokalrivalen Sporting beträgt nur magere zwei Zähler. Jeder Ausrutscher im Endspurt könnte den Verlust der Tabellenführung bedeuten, denn in Portugal zählt bei Punktgleichheit der direkte Vergleich, und den hat Sporting zu seinen Gunsten entschieden.

Trotz des Ausscheidens aus der Champions League dürfte der gestrige Abend die Zuversicht im Lager der Adler aber eher noch gestärkt haben. Mannschaft und Publikum sind wieder eine verschworene Einheit geworden, der 35. Titelgewinn ist sechs Spieltage vor dem Saisonende in greifbarer Nähe.

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S.L. Benfica - FC Bayern München 2:2
Mittwoch, 13. April 2016, 19.45 Uhr
Estádio da Luz,  63.235 Zuschauer

Mannschaftsaufstellung: Ederson,  André Almeida, Lindelöf, Jardel, Eliseu (88. Jović), Fejsa, Renato Sanches, Salvio (68. Talisca), Carcela-González, Pizzi (57. Gonçalo Guedes), Raúl Jiménez

Torschützen: 1:0 Raúl Jiménez (27.), 1:1 Vidal (38.), 1:2 Müller (52.), 2:2 Talisca (76.)






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