25. Januar 2016

Ein weiterer Baustein

Nach David Fischer jetzt also auch Rico Schmitt. Überraschend kam die Trennung natürlich nicht mehr, dafür wurde Schmitt in den letzten Tagen viel zu systematisch in der Öffentlichkeit demontiert. Bemerkenswert war höchstens noch der Zeitpunkt. Offenbar ist es am Bieberer Berg jetzt Praxis, wichtige Personalien am Wochenende in den späten Abendstunden zu verkünden.

Dass Rico Schmitt gestern auf einstimmigen Beschluss des Präsidiums von seinen Aufgaben als Trainer und Sportlicher Leiter entbunden wurde, wirft einige Fragen auf.

Denn Erfolgslosigkeit kann man Schmitt nicht vorwerfen, mit durchschnittlich 1,74 Punkten pro Spiel zählt er zu den erfolgreichsten Übungsleitern in der Geschichte des OFC. Nur Udo Klug, Franz Brungs und Hans-Jürgen Boysen kamen auf einen gleichen oder noch besseren Schnitt, standen aber wesentlich kürze Zeit an der Seitenline. Unter welch schwierigen Rahmenbedingungen Rico Schmitt diese Punkte mit dem insolventen OFC gesammelt hat, ist hinlänglich bekannt.

Auch dass Schmitt die Doppelbelastung als Trainer und Sportlicher Leiter erfolgreich bewältigt hat, zählt zu seinen Verdiensten. Schließlich ist es für einen Regionalligisten mit selbst für die Ligaverhältnisse nicht all zu üppigem Budget ein unerhörter Luxus, für diese Positionen zwei Fachleute zu bezahlen. Ein Blick in die Nachbarschaft beweist zudem, dass man mit einer solchen Personalunion durchaus erfolgreich sein kann. Einige Kilometer südlich von Offenbach funktioniert das jedenfalls ganz gut.

Bleibt die Erkenntnis, dass Rico Schmitt offenbar nicht in das Konzept der neuen Herren am Bieberer Berg passt, von dem bislang die Schlagworte "Tradition - Region - Jugend" bekannt sind. Sollte es in Zukunft gelingen, mit Spielern aus der Region größere sportliche Erfolge zu feiern als bisher, würde mich das sehr freuen. Wenn sie noch dazu jung und traditionsbewusst sind, umso besser. Mit Daniel Endres, Lukas Friedrich, Sascha Korb, Stefano Maier, Jan-Hendrik Marx, Robin Scheu und Steven von der Burg stammen im aktuellen Kader immerhin sieben Spieler aus der Region oder dem eigenen Nachwuchs, insofern kann man auf ein solides Fundament bauen.

Das neue Präsidium hat binnen zehn Tagen mit David Fischer und Rico Schmitt genau die beiden Personen von ihren Aufgaben entbunden, die für einen erfolgreichen Neuanfang bei Kickers Offenbach standen. Dass eine Trainerentlassung als "Baustein" bezeichnet wird, bereitet mir einige Sorge. Hoffentlich stehen wir am Ende nicht vor einer Bauruine.

Zum Schluss ein herzliches Dankeschön an Rico Schmitt für all das, was er am Bieberer Berg zu Wege gebracht hat. Trotz der dürren Worte, die ihm von offizieller Seite zum Abschied mitgegeben wurden, wird Rico Schmitt mir und wohl auch vielen anderen als "die geilste Sau der Welt" im Gedächtnis bleiben.

Kommentare:

  1. Die hier aufgeführte Statistik mit Ricos Punkteschnitt entspricht nicht der Wahrheit. Wahrscheinlich hast du diese Statistik von transfermarkt.de Dort fehlen jedoch komplett die Daten aus der alten Oberliga Süd (1945-63), der alten Regionalliga (1963-74) sowie all unsere Oberligajahre.

    Tatsächlich sieht es so aus:

    1. Wilfried Kohls 2,21
    2. Ronald Borchers 2,16
    3. Kurt Baluses 2,13
    4. Franz Brungs 1,93
    5. Kuno Klötzer 1,92
    6. Bogdan Cuvaj 1,90
    7. Hans-Günter Neues 1,88
    8. Radoslav Momirski 1,86
    9. Wolfgang Uschek 1,84
    10. Zlatko Cajkovski 1,83

    Rico steht somit genauso wenig in den Top 10 wie der auch von dir genannte Boysen.

    Boysen taucht in der Rangliste von tm.de übrigens 3x auf, weil er beim OFC 3 Amtszeiten hatte. Ich habe dagegen bei Trainern, die mehrmals hier waren, alle Spiele zusammengerechnet.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank für den Hinweis! Meine Quelle hast Du richtig erkannt, die Zahlen stammen von transfermarkt.de.

      Löschen