20. Januar 2016

Das goldene Buch des deutschen Fußballs

Das goldene Buch des deutschen Fußballs als "opulent" zu bezeichnen, ist fast ein wenig untertrieben. Beeindruckende drei Kilo bringt das im wahrsten Sinne des Wortes gewichtige Werk auf die Waage, das Ende vergangenen Jahres im Verlag die Werkstatt erschienen ist.

Schon die Namen der Autoren bürgen für Qualität. Dietrich Schulze-Marmeling zählt für mich nicht erst seit seiner Biographie über George Best zu den lesenswertesten deutschsprachigen Fußballautoren überhaupt. Auch Hardy Grüne, laut der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung "das Gedächtnis des Fußballs", hat inzwischen fast zwanzig Bücher veröffentlicht und die Szene im vergangenen Jahr mit dem wunderbaren neuen Zeitspiel-Magazin beglückt.

Ein perfektes Duo also, um den geneigten Leser auf 490 Seiten zum ersten Mal überhaupt durch die Historie des deutschen Fußballs zu führen, denn eine vergleichbare Gesamtschau ist bis dato noch nicht erschienen.

Und zu erzählen gibt es wahrlich mehr als genug. Unterteilt in elf Kapitel beginnt die Zeitreise mit den Anfangstagen des Fußballs in Deutschland, der im Heimatland von Turnvater Jahn anfänglich gegen erhebliche Widerstände zu kämpfen hatte. Gerade die Abschnitte, die sich mit der Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs beschäftigen, bieten faszinierende Einblicke in die Historie einer Sportart, die heute längst zu einer Milliardenindustrie geworden ist. Sehr viel Unbekanntes gibt es da zu entdecken, historische Illustrationen, Aufnahmen und Dokumente tragen ihren Teil dazu bei, dass das goldene Buch nicht nur ein Lesevergnügen sondern auch ein echter Augenschmaus ist.

Besonders lesenswert wird das Werk immer dann, wenn es die Geschehnisse auf dem Spielfeld verlässt und sich mit Ereignissen beschäftigt, die den Fußball zu dem gesellschaftlichen Phänomen gemacht haben, das er heute ohne jeden Zweifel ist. Hier geht es um städtische Rivalitäten und erwachende Fankultur in den 1920er-Jahren, das Aus für den Profifußball während des Nationalsozialismus, den Umgang des DFB mit seiner Vergangenheit, das lange Ringen um den bezahlten Fußball bis hin zur Gründung der DFL und die Regel "50+1".

Dass Kickers Offenbach seinen Platz im goldenen Buch nicht nur wegen seiner Verwicklung in den Bundesligaskandal 1971 gefunden hat, erfreut den Verfasser dieser Zeilen natürlich ganz besonders. Auf zwei Seiten werden die Ereignisse rund um das Main-Derby im Finale um die deutsche Meisterschaft 1958/59 geschildert, einer Partie "voller Dramatik, Tore und Tragik".

Es gibt also gute Gründe, sich das goldene Buch des deutschen Fußballs selbst zum Geschenk zu machen und dann tief in die Historie jener Sportart einzutauchen, der viele von uns einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit widmen.

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Hardy Grüne & Dietrich Schulze-Marmeling
Das goldene Buch des deutschen Fußballs
Verlag Die Werkstatt 2015, 490 Seiten
39,90 Euro

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