1. November 2015

Kickers Offenbach - 1. FC Kaiserslautern II 1:0

Kickers Offenbach hat am Samstag die U23 des 1. FC Kaiserslautern mit 1:0 geschlagen und feiert nach vier sieglosen Spielen und 1:8 Toren den ersten dreifachen Punktgewinn seit dem 27. September. So weit die Fakten.

Darüber, ob dies nun wirklich der erhoffte Befreiungsschlag war, lässt sich trefflich philosophieren. Wie sehr, möchte ich mit zwei unterschiedlichen Spielchroniken zeigen.

Chronik 1


Schon die Vorzeichen auf meinem Weg zum Sparda-Bank-Hessen-Stadion wiesen darauf hin, dass heute eigentlich nichts schief gehen dürfte. Eine milde Herbstsonne beschien das bunte Laub im Stadtwald, der den Wiener Ring vom Bieberer Berg trennt. Eine gute Stunde vor Spielbeginn erinnerte die Stimmung auf den noch spärlich besetzten Rängen natürlich an das Heimspiel gegen Neckarelz vor 14 Tagen. Denn heute mussten nun wirklich drei Punkte her, egal wie.

Allem Krisengerede in den Medien zum Trotz herrschte noch immer verhaltener Optimismus in der frühen Runde, schließlich haben wir alle schon viel schwerere Zeiten erlebt. Vier sieglose Partien bringen keinen Stammgast auf dem Bieberer Berg so schnell aus der Fassung.

Und die ersten Minuten der Begegnung gaben den Optimisten recht. Der OFC erwischte einen Blitzstart und kam durch Sascha Korb und Stefano Maier bereits in den ersten zehn Minuten zu zwei guten Torchancen. Auch im weiteren Verlauf der ersten Hälfte bestimmten die Kickers das Geschehen und kamen kurz vor der Pause zu einer weiteren Gelegenheit, doch der Gästetorhüter konnte den Weitschuss von Marcel Gebers mit Mühe parieren.

Das Unentschieden zur Halbzeit schmeichelte den Pfälzern, die Leistung der Kickers jedoch machte Hoffnung, die Torflaute im zweiten Durchgang endlich zu beenden.

Fünfundzwanzig Minuten nach dem Wiederanpfiff war es dann endlich so weit. Nach Vorarbeit von Alexandros Theodosiadis traf unser Innenverteidiger Stefano Maier zum längst überfälligen Führungstreffer der Kickers, der ein wahrer Balsam für die Nerven der Spieler und 5.181 Zuschauer auf dem Bieberer Berg war. Darüber, dass sich der OFC diesen Torerfolg redlich verdient hatte, konnte es keine zwei Meinungen geben, denn die Jungs von Trainer Rico Schmitt beherrschten den Gegner in der zweiten Halbzeit noch deutlicher als zuvor und vergaben in den Schlussminuten noch zwei weitere gute Möglichkeiten.

Der Bock ist also umgestoßen, und das ist eigentlich alles, was am gestrigen Nachmittag zählte. Der OFC reist nun mit frisch gestärktem Selbstvertrauen am kommenden Samstag nach Bahlingen. Vielleicht war das Spiel gegen Lautern sogar der Beginn einer kleinen Erfolgsserie bis zum Jahresende? Genügend Qualität dafür besitzt unsere Mannschaft allemal.

Chronik 2


Zugegeben, ich habe mich schon fröhlicher auf den Weg zum Bieberer Berg gemacht. Gerade mal ein Tor und zwei magere Pünktchen aus den letzten vier Begegnungen sind nicht gerade die Zutaten, aus denen Fans wie Spieler den Mut für neue Heldentaten schöpfen. Auch ein Blick ins weite Rund des Sparda-Bank-Hessen-Stadions war nicht dazu angetan, die Stimmung zu heben. Langsam wird es einsam auf Biebers Höhen, und das trotz schönsten Herbstwetters.

Die Bedeutung der Partie gegen die U23 des 1. FC Kaiserslautern war allen Beteiligten klar, ein weiterer siegloser Auftritt der Kickers würde den Spekulationen, die vor Spielbeginn auf den Rängen fröhlich die Runde machen, weiteren Auftrieb geben. Die Mannschaft spiele gegen den Trainer wurde da gemunkelt, oder habe gar seit längerer Zeit kein Gehalt mehr aufs Konto überwiesen bekommen.

Allen Unkenrufen zum Trotz ging der OFC die Begegnung mutig an, vergab aber bereits in den Anfangsminuten zwei beste Gelegenheiten, die immer instabilere Gemütslage auf dem Feld wie auf den Rängen zu beruhigen. Nachdem das erste Strohfeuer verbrannt war, sahen die Fans auf dem Bieberer Berg eine langweilige Begegnung, in denen die Kickers zwar das Geschehen bestimmten, es aber wie schon in den letzten Spielen nicht vermochten, die optische Überlegenheit in Zählbares zu verwandeln. Über weite Strecken der ersten Hälfte herrschte auf Biebers Höhen eine schon fast gespenstische Stille, als ob sich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt praktisch jeder mit einem weiteren torlosen Auftritt seiner Kickers abgefunden hätte.

Im zweiten Durchgang erinnerte die Dominanz der Kickers fatal an die Begegnung vom Freitag letzter Woche in Walldorf. Der OFC ließ Ball und Gegner laufen, die harmlosen Gäste aus der Pfalz konnten praktisch keine eigenen Akzente setzen. Trotzdem dauerte es bis zur 70. Minute, ehe Stefano Maier nach Vorarbeit von Alexandros Theodosiadis der erlösende Führungstreffer gelang und die Torflaute nach 366 Minuten endlich beendete.

Auf den Tribünen herrschte nach Maiers Treffer mehr Erleichterung als echter Jubel, denn der Auftritt unserer Mannschaft ließ keine wirklich positive Entwicklung erkennen. Das Team war zwar wie stets bemüht, hat aber nach wie vor kaum Durchschlagskraft und ließ in den Schlussminuten noch zwei Großchancen liegen. Viele Spieler sind meilenweit von der Form vergangener Tage entfernt, es wird viel geackert und gemeckert, aber nur selten wirklich Fußball gespielt.

So bleibt als einzig positive Erkenntnis dieses Samstagnachmittags, dass die Partie gegen die kleinen roten Teufel gewonnen wurde. Ich hege aber starke Zweifel, dass die derzeitige Verfassung unserer Mannschaft ausreicht, um die kommenden schweren Aufgaben in Bahlingen und gegen Saarbrücken unbeschadet zu überstehen.

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Kickers Offenbach - 1. FC Kaiserslautern II 1:0
Samstag, 31. Oktober 2015, 14 Uhr
Sparda-Bank-Hessen-Stadion, 5.181 Zuschauer

Mannschaftsaufstellung: Daniel Endres - Maik Vetter (66. Devann Yao), Stefano Maier, Julian Dudda, Alexandros Theodosiadis - Klaus Gjasula, Marcel Gebers - Sascha Korb, Benjamin Pintol (86. Kristian Maslanka), Niko Dobros (90. Robin Scheu) - Markus Müller

Torschütze: 1:0 Stefano Maier (70.)


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