23. November 2015

Die Qual der Wahl

Aller Voraussicht nach endet mit der Mitgliederversammlung am heutigen Abend die Ära von Claus-Arwed Lauprecht als Präsident von Kickers Offenbach. Ein Ende, das in meinen Augen keinen Tag zu früh kommt. Denn mit der These, der OFC würde von Außen regiert, hat das Präsidium auf der Pressekonferenz Anfang Juli eigentlich so gut wie alle Karten aus der Hand gegeben und ist noch dazu auf Konfrontationskurs mit wichtigen Teilen des Umfelds von Kickers Offenbach gegangen.

Eigentlich von Beginn an stand die Amtszeit von Lauprecht mit der Verpflichtung von Alfred Kaminski und dem für die aktuellen Verhältnisse auf dem Bieberer Berg überdimensionierten NLZ-Projekt unter keinem günstigen Stern.

Im Laufe der vergangenen zwei Jahre konnte das Präsidium keine wichtige Personalentscheidung durchsetzen, sei es die Installation von Kaminski als Sportlichen Leiter oder die mehrfach in Angriff genommenen Entlassungen von Trainer Rico Schmitt und Geschäftsführer David Fischer. Dass obendrein in der Schuldenfrage keine Einigung mit den Gläubigern erzielt werden konnte, bedeutet eine schwere Bürde für das neue Präsidium, das ab morgen die Geschicke des Vereins lenken muss.

Ich möchte mich an dieser Stelle aber auch ausdrücklich bei Claus-Arwed Lauprecht und seinen Präsidiumskollegen für ihr Engagement bedanken. Alle Beteiligten haben in für meinen Verein sehr schweren Zeiten Verantwortung übernommen. Auch wenn wir in der Sache nicht immer einer Meinung waren, habe ich unseren Präsidenten als offenen und stets zugänglichen Gesprächspartner erlebt, der sich jederzeit auch hier im Blog meinen Fragen gestellt hat. Es ist mehr als nur ein Gebot der Höflichkeit dies anzuerkennen und mir bei dieser Gelegenheit in Erinnerung zu rufen, dass es wesentlich einfacher ist Kritik zu üben, als selbst in der Verantwortung zu stehen.

Über die Pläne des Kandidatenteams um Helmut Spahn ist bislang wenig nach außen gedrungen. Ich habe bislang nicht verstanden, was Spahn eigentlich motiviert, sich um das Präsidentenamt bei Kickers Offenbach zu bewerben. Spahns fachliche Qualifikation steht außer Zweifel. Seiner gegenüber der Frankfurter Rundschau geäußerten Ansicht, in Zeiten moderner Kommunikationstechnik müsse man nicht "bei jedem Kaffeekränzchen dabei sein“, stimme ich aber nicht zu. Gerade ein Verein wie unser OFC braucht in meinen Augen einen Präsidenten "zum Anfassen", der bei den Spielen, aber auch bei Veranstaltungen für die Fans präsent ist. Hinzu kommt, dass zumindest drei Namen in Spahns Mannschaft sicher für Vieles stehen, aber nicht für einen Neuanfang.

Abgesehen von einigen Interviews gab es meines Wissens lediglich einen Auftritt von Spahn, Remo Kutz und Michael Relic vor dem Fanbeirat am vergangenen Dienstag. Warum sich die Kandidaten nicht auf einer öffentlich zugänglichen Veranstaltung vorgestellt haben, sondern sich statt dessen einem kleinen geschlossenen Kreis präsentierten, erschließt sich mir nicht. Hoffentlich sind dies nicht erste Vorzeichen für die künftige Informationspolitik in unserem Verein. Neue Mitglieder für Kickers Offenbach wirbt man mit einem solchen Vorgehen sicher nicht.

Auf all die offenen Fragen wird es hoffentlich heute Abend vor dem Wahlgang eine Antwort geben. Ich hoffe sehr, dass jeder, der es sich irgendwie einrichten kann, an der Mitgliederversammlung teilnimmt, denn es geht wieder einmal um die Zukunft unseres Vereins. Diskussionen im privaten Kreis oder in Internetforen können anregend und spannend sein. Wirklich von Bedeutung ist aber nur, was heute Abend gefragt, diskutiert und dann entschieden wird. Es ist an jedem einzelnen Vereinsmitglied, heute seinen Teil an Verantwortung zu übernehmen.

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