12. November 2015

Die Bundesliga, wie sie lebt und lacht

Zugegeben, es erscheint auf den ersten Blick etwas verwegen, wenn ich mich in meinem Blog, in dem es bekanntlich meistens um Kickers Offenbach geht, ausgerechnet mit Ben Redelings neuem Werk "Die Bundesliga, wie sie lebt und lacht" beschäftige.

Denn seit inzwischen mehr als drei Jahrzehnten ist die Beziehung zwischen dem OFC und dem Oberhaus des deutschen Fußballs in etwa so ausgeprägt wie die gegenseitige Wertschätzung der Herren Niersbach und Zwanziger dieser Tage.

Noch dazu stecken die Kickers mitten in einer veritablen Novemberdepressison und müssen in den kommenden Wochen verdammt kräftig strampeln, wollen sie den Anschluss an die Tabellenspitze der Regionalliga nicht endgültig verlieren.

Um so tröstlicher ist es da für den gramgebeugten Anhänger, wenn der Verein seines Herzens zumindest den Status eines Traditionsklubs genießt und somit auf eine stolze Historie zurückblickt.

Ben Redelings porträtiert in seinem gerade erschienen Buch 100 Charakterköpfe, ohne die die Geschichte der Bundesliga um einiges ärmer und - im wahrsten Sinne des Wortes - auch nüchterner wäre. Mit Tschik Cajkovski, Jimmy Hartwig, Siggi Held, Gyula Lorant, Otto Rehhagel und Rudi Völler begegnen wir inmitten der 400 Buchseiten gleich sechs Heroen der Offenbacher Kickers. Nun mag man bedauern, dass so schillernde Persönlichkeiten wie etwa Willi Konrad, der dem deutschen Fußball so viel gegeben hat, nicht ebenfalls Aufnahme in Redelings Werk gefunden haben. Jedoch werden fast zwangsläufig die Fans vieler Vereine ebenso den einen oder anderen Namen vermissen.

Es ist das Verdienst des Autors, sich nicht ausschließlich auf die großen, Auflage fördernden Namen wie Stefan Effenberg, Uli Hoeness oder Udo Lattek zu konzentrieren, sondern mit Wolf-Dieter Ahlenfelder, Ansgar Brinkmann oder Walter Frosch auch viele Typen vorzustellen, die wahrscheinlich nicht jedem mehr in Erinnerung sind.

Auch wenn das schrille Layout vielleicht nicht jedermanns Sache ist, fällt es tatsächlich schwer "Die Bundesliga, wie sie lebt und lacht" wieder aus der Hand zu legen, hat man erst einmal zu blättern begonnen. Denn Redelings beschränkt seine Spurensuche keineswegs auf einschlägige Fachmagazine wie den Kicker oder die Sport-Bild. Auch hier setzt der Autor die richtigen Prioritäten und durchforstet Herrenmagazine wie den Playboy oder Matador ebenso wie Comics und Schallplattenarchive. Was er dabei zutage fördert, gibt fast immer Grund zu schmunzeln, oftmals auch um laut zu lachen und ist in jedem Fall lesenswert.

Gerade in diesen durch die Offenbacher Brille betrachtet sportlich doch sehr betrüblichen Herbsttagen ist "Die Bundesliga, wie sie lebt und lacht" ein kleiner Balsam für die Seele, denn das Buch entführt uns heiter und unbeschwert in die nahe und doch so ferne Welt der Bundesliga. Seine Wirkung ist für den von Alltagssorgen geplagten Fußballfreund so tröstlich wie ein Rosamunde Pilcher-Roman für ältere Damen.

"Wenn man in Bremen einen Ahlenfelder bestellt, 
bekommt man ein Malteser-Bier-Gedeck. Da bin ich stolz drauf."
Wolf-Dieter Ahlenfelder
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Ben Redelings
Die Bundesliga, wie sie lebt und lacht
Verlag die Werkstatt 2015, 400 Seiten
16,90 Euro

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