8. November 2015

Bahlinger SC - Kickers Offenbach 4:1

Eins gleich vorweg: Es macht keinen Spaß, die Chronik über das Spiel in Bahlingen zu schreiben. Kurz habe ich sogar überlegt, den Beitrag im Blog einfach ausfallen zu lassen, weil es Woche für Woche schwerer wird, unser momentanes Elend in Worte zu fassen. Denn wer glaubte, der Tiefpunkt der Saison sei mit dem 6:0 in Trier erreicht, wurde gestern eines Besseren belehrt.

Dabei war wirklich jede Voraussetzung für einen unvergesslich schönen Fußballtag am Kaiserstuhl gegeben. Traumhaftes Novemberwetter mit Temperaturen um die 25 Grad, eine herrliche Herbstlandschaft, im Stadion Flaschenwein für 9€ und diverse Schnäpse für 1,50€, dazu liebenswerte Gastgeber, die auf ihrem schmucken Sportplatz ein Ambiente schaffen, an das ich mich wohl noch in vielen Jahren mit einem wohligen Seufzen erinnern und hier im Blog ausführlich feiern würde, wäre da nicht wieder einmal der Auftritt unserer Mannschaft gewesen.

Doch irgend etwas läuft seit dem Spiel in Mannheim gründlich schief beim OFC. Bei allem Respekt vor dem Bahlinger SC war das 4:1 beim Tabellenvorletzten ein sportlicher Offenbarungseid, nach dem man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann. Konnte man die Klatsche in Trier mit viel gutem Willen noch als Ausrutscher entschuldigen, war die heutige Niederlage die Bestätigung eines schlechten Gefühls, das wohl Viele seit Wochen mit sich herum tragen, die den Kickers regelmäßig beim Fußballspielen zusehen. Fünf Punkte und 3:12 Tore aus den letzten sechs Partien sind keine Bilanz eines Aufstiegskandidaten, sondern die eines Teams aus dem unteren Tabellendrittel.

Viel wurde zuletzt nach den Ursachen für den unerklärlichen Leistungseinbruch unserer Mannschaft gesucht. Zumindest die gewagte These, die Spieler bekämen kein Gehalt mehr überwiesen, dementierte Markus Müller gestern im Interview nach der Auswärtspleite mit sehr deutlichen Worten.

Leider war besagtes Interview wieder einmal der einzig überzeugende Auftritt unseres Stürmers, der seiner Form seit Wochen hinterherläuft und sich damit nahtlos in die arroganten bis lustlosen Vorstellungen vieler seiner Teamkollegen einreiht. Immer mehr verfestigt sich bei mir der Eindruck, dass unser Hauptproblem bei den Spielern selbst liegt, die an einer bemerkenswerten Mischung aus Selbstüberschätzung und überzogenen Ansprüchen leiden, die nur aus dem Mannschaftskreis heraus korrigiert werden könnte.

Einzig positiver Aspekt des Nachmittags in Bahlingen war deshalb für mich, dass der größte Teil der etwa 500 aus Offenbach angereisten Schlachtenbummler gestern ein Zeichen setzte, und beim Schlusspfiff schlichtweg nicht mehr anwesend war. Bereits 15 Minuten vor Spielende wurden die ersten Zaunfahnen eingerollt. Es gab keine Pfiffe und keine Beschimpfungen, aber die Mannschaft konnte erstmals spüren, dass es so nicht weiter geht, dass auch sie selbst in der Verantwortung steht.

Rico Schmitt und David Fischer haben seit der Insolvenz und dem Zwangsabstieg mit sehr viel Können, Engagement und eng begrenzten finanziellen Mitteln eine Spitzenmannschaft in unserer Liga geformt. Nach wie vor bin ich der festen Überzeugung, dass eine erneute Trainerdiskussion den OFC in der aktuellen Situation keinen Schritt voran bringen würde.

Unseren Spielern muss jedoch endlich wieder bewusst werden, welch großes Privileg es für sie ist, bei Kickers Offenbach spielen zu dürfen. Dass sie im Rahmen ihrer fußballerischen Möglichkeiten kaum einen Verein mit besseren Arbeitsbedingungen und leidenschaftlicheren Fans finden werden. Dass man sich Zuwendung und Applaus aber auch dann und wann durch Leistung und nicht nur durch markige Sprüche verdienen muss.

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Bahlinger SC - Kickers Offenbach 4:1
Samstag, 7. November 2015, 14 Uhr
Kaiserstuhlstadion, 2.317 Zuschauer

Mannschaftsaufsstellung: Daniel Endres – Maik Vetter (46. Niko Dobros), Stefano Maier (64. Kristian Maslanka), Julian Dudda, Alexandros Theodosiadis (58. Devann Yao) – Klaus Gjasula, Marcel Gebers – Benjamin Pintol, Martin Röser, Sascha Korb – Markus Müller

Torschützen: 1:0 Klein (7.), 1:1 Röser (11.), 2:1 Ilhan (13.), 3:1 Ilhan (50.), 4:1 Ulubiev (62.)

Gelb-Rote Karte: Gjasula (60.)














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