13. Oktober 2015

Eintracht Trier - Kickers Offenbach 6:0

Reden wir nicht lange drum herum: Fußballspiele am Montagabend sind der größte Mist seit der Erfindung der Aufstiegsspiele in die 3. Liga.

Wahrlich nicht jeder kann zum Wochenbeginn mal eben 200 Kilometer zu einem Auswärtsspiel fahren, gerade einmal 250 Schlachtenbummler aus Offenbach fanden gestern den Weg nach Trier. Und um dem Fußball der Kickers ist es am Wochenende auch irgendwie besser bestellt.

Dabei kann ich mich persönlich nicht einmal beklagen, ganz im Gegenteil. Wie schon zum Saisonauftakt wurde mir wieder einmal von liebenswerten Menschen Zuflucht für die lange Reise gewährt, gegen 17 Uhr startete unsere kleine Gruppe mit Capri-Sonne, belegten Brötchen und vielen Süßigkeiten als Proviant in Richtung Mosel.

Auf der Landstraße nach Trier schenkte uns ein himmlisches Abendrot aus dem Märchenland der Regionalliga das wohlige Gefühl, trotz der herannahenden Dunkelheit auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Hätten wir auch nur im leisesten geahnt, welches Schicksal uns an diesem Montag vorherbestimmt war, wir hätten das letzte Licht des Tages fest in unsere kleinen Herzen eingeschlossen und uns umgehend auf den Heimweg nach Offenbach gemacht.

Machen wir es kurz: Der OFC hat gestern an der Mosel als amtierender Meister völlig zu recht eine Tracht Prügel bezogen, an die wir noch lange zurück denken werden. Nichts lief zusammen, alles, aber auch wirklich alles, was schief gehen kann, ging schief. "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß" hat der große Philosoph Andreas Brehme solche Tage einmal treffend beschrieben.

Dabei begann die Partie für die Kickers nicht einmal so schlecht. Über weite Strecken der ersten Hälfte sahen die 3.128 Zuschauer im Moselstadion einen belanglosen Kick ohne Höhepunkte und Torchancen, ein typisches Montagspiel eben. Das änderte sich erst unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff, als die Gastgeber binnen vier Minuten zwei Treffer erzielten.

In der Pause war uns als ausgewiesenen Fußballexperten natürlich klar, dass diese Tore zu einem psychologisch ganz schlechten Zeitpunkt gefallen waren. Es würde ein gewaltiger Ruck durch das Team von Rico Schmitt gehen müssen, um heute noch etwas Zählbares aus Trier mitzunehmen.

Dass es anders kam, ist hinlänglich bekannt. Daniel Endres musste mit Problemen im Oberschenkel in der Kabine bleiben, für ihn stand nun der bedauernswerte Alexander Sebald im Kasten, dessen erste Amtshandlung in seinem Pflichtspieldebut darin bestand, den Ball aus dem eigenen Netz zu holen. Eine Minute war zu diesem Zeitpunkt im zweiten Durchgang gespielt, danach zerfiel der OFC in seine Einzelteile und ergab sich seinem Schicksal. Am Ende mussten wir eigentlich dankbar sein, nur sechs Treffer kassiert zu haben, auch wenn dies natürlich kein wirklicher Trost an diesem rabenschwarzen Abend war.

Welche Lehren zieht man aus einem solchen Spiel? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Dass unsere Mannschaft besser Fußball spielen kann, hat sie nicht zuletzt in Mannheim eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Doch neben hellem Licht gab es im bisherigen Saisonverlauf auch sehr lange Schatten, von der Souveränität der Meistersaison ist nicht viel übrig geblieben. Zwanzig Gegentore in zwölf Spielen sprechen da eine eindeutige Sprache.

Sicher ist, dass der OFC seit gestern gewaltig angeschlagen ist. Die nächsten Begegnungen müssen zeigen, ob wir am Boden liegen bleiben, oder wieder aufstehen. In meinen Augen ist es aber vollkommen sinnlos, jetzt noch zusätzlich von allen Seiten auf Ricos Jungs einzuschlagen. Für die Kritik an den Spielern ist der Trainer zuständig, der einen verdammt guten Job bei uns macht. Ich für meinen Teil bin am kommenden Samstag wieder auf dem Bieberer Berg, um Kickers Offenbach den Rücken zu stärken.

Wir stehen immer wieder auf.

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Eintracht Trier - Kickers Offenbach 6:0
Montag, 12. Oktober 2015, 20.15 Uhr
Moselstadion, 3.128 Zuschauer

Mannschaftsaufstellung: Daniel Endres (46. Alexander Sebald) – Sascha Korb (63. Kristian Maslanka), Thomas Franke, Stefano Maier, Alexandros Theodosiadis – Marcel Gebers, Klaus Gjasula – Martin Röser, Benjamin Pintol, Niko Dobros - Devann Yao (46. Markus Müller)

Torschützen: 1:0 Buchner (41.), 2:0 Lienhard (45. HE), 3:0 Hammel (46.), 4:0 Koep (59.), 5:0 Hollmann (76.), 6:0 Garnier (90.)

Rote Karte: Martin Röser (71.)








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