24. September 2015

Oriental Lisboa - Estoril Praia 3:2

Kaum in Portugal angekommen, war ich schon wieder auf dem Weg in ein Fußballstadion. Schuld daran war der Umstand, dass am Westrand von Europa gerne auch mal an einem Werktag um 16 Uhr um den Ligapokal gespielt wird. Solche Gelegenheiten muss man einfach nutzen!

Natürlich sagen solche Uhrzeiten viel über die Bedeutung eines Wettbewerbs, der eigentlich nur darauf angelegt ist, die "großen Drei" Benfica, Porto und Sporting möglichst ins Halbfinale zu bringen.

Zudem ist der lusitanische Spielkalender sehr dicht gedrängt, denn immerhin streiten sich in der zweithöchsten Spielklasse sage und schreibe 24 Klubs um Punkte. Da bleibt wenig Raum für zusätzliche Wettbewerbe wie den Pokal oder den Ligapokal. Hat der Gastgeber zudem keine ausreichend potente Flutlichtanlage, trifft man sich eben gern auch mal unter der Woche an einem sonnigen Nachmittag, um den Teilnehmer an der Gruppenphase dieses Wettbewerbs zu ermitteln.

Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, haben diese Begegnungen ihren ganz eigenen Charme. Von Oriental und seinem Stadion im Stadtteil Marvila habe ich anlässlich des vergessenen Derbys von Lissabon im April schon ausführlich erzählt. In diesem Beitrag gibt es auch viele Fotos der Spielstätte, gestern habe ich mich hauptsächlich damit vergnügt, einige der 422 Zuschauer im Campo Engenheiro Carlos Salema abzulichten.

Als Tabellenzwanzigster der portugiesischen Segunda Liga war Oriental klarer Außenseiter gegen die Gäste von Estoril Praia. Der Klub von der Atlantikküste kam als fünfter der Liga NOS in die Hauptstadt. Durch eine Kooperation mit der brasilianischen Spieleragentur Academia Traffic herrscht in Estoril kein Mangel an talentierten Nachwuchsspielern, die im mondänen Badeort für größere Aufgaben heranreifen sollen (etwas mehr über das Geschäftsprinzip von Estoril Praia habe ich anlässlich des Spiels gegen Benfica vor einem Jahr geschrieben).

Vor der Begegnung herrschte erwartungsgemäß kein großes Gedränge vor den Kassenhäuschen. Da die schattige Haupttribüne den Vereinsmitgliedern vorbehalten ist, konnte der gelegentliche Besucher auf der Gegengerade zudem ausgiebig die lusitanische Herbstsonne genießen. Fast 30 Grad im Schatten sind zu dieser Jahreszeit auch in Lissabon nicht unbedingt die Regel.

Trotz der hochsommerlichen Temperaturen feuerten auf den spärlich besetzten Rängen etwa zwanzig Gästefans aus Estoril ihre Spieler nach Leibeskräften an. Lohn für diese Mühen war der standesgemäße Führungstreffer des Erstligisten nach 18 Minuten. Doch Oriental drehte danach mächtig auf und setzte alles daran, zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Gruppenphase des Ligapokals zu erreichen.

Nach 50 Minuten lagen die Hausherren mit 3:1 in Front und hatten dabei sogar noch einen Elfmeter vergeben. Ebenfalls per Strafstoß gelang Estoril eine Viertelstunde vor Spielende der Anschlusstreffer. Danach belagerten die Gäste das Tor des tapferen Zweitligisten, der den insgesamt verdienten Sieg in einer sehr spannenden Partie aber über die Zeit retten konnte.

Ich bin mittlerweile an der Algarve angekommen, und werde jetzt gleich fröhlich in die Atlantikwellen springen. Bereits morgen geht es wieder zurück nach Lissabon, um Benfica im Heimspiel gegen Paços de Ferreira anzufeuern. Darüber, ob es wirklich vernünftig ist, einen nur sechstägigen Badeurlaub zu unterbrechen und knapp 600 Kilometer für ein Fußballspiel zurückzulegen, möchte ich lieber nicht nachdenken. Es ist halt so.

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Clube Oriental de Lisboa - Estoril Praia 3:2
Mittwoch, 23. September 2015, 16 Uhr
Campo Engenheiro Carlos Salema, 422 Zuschauer

Torschützen: 0:1 Phellype (18.), 1:1 Pedro Mendes (32.), 2:1 Gilson Silva (35.), 3:1 Gomes (50.), 3:2 Bonatini (72. FE)










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