5. September 2015

Kickers Offenbach - SV Spielberg 2:1

Kühl ist es geworden. Auf dem Weg zum Bieberer Berg zeigte das Thermometer heute gerade noch 18 Grad an. Dazu hingen dunkle Wolken bedrohlich über Biebers Höhen, wo es an diesem Nachmittag zur ersten Begegnung zweier Vereine kam, die bis auf die Ligazugehörigkeit wenig bis nichts gemein haben.

Hier der Meister der Regionalliga Südwest, mit seinem 20.500 Zuschauer fassenden Sparda-Bank-Hessen-Stadion, dort der Aufsteiger aus dem Karlsbader Stadtteil Spielberg, dessen 2.800 Einwohner mehr als sieben Mal ins Offenbacher Stadion passen würden.

Um so beachtlicher, dass sich heute eine für die Dimensionen des Gastvereins mehr als ordentliche Anzahl an Schlachtenbummlern auf den Weg nach Südhessen machte. Schon unter der Woche hatte der SV Spielberg mit einer sehr gesunden Mischung aus Bescheidenheit und Selbstbewusstsein auf Facebook kund getan, wie sehr man sich auf die Partie freut.

Auch unser Trainer Rico Schmitt freute sich offenkundig nach einer langen Trainingswoche wieder auf Ligafußball und ging die Sache mit den beiden Stürmern Niko Dobros und Markus Müller in der Startelf offensiv an. Was die 6.010 Zuschauer dann aber im ersten Durchgang zu sehen bekamen, knüpfte nahtlos an die zweite Halbzeit in Pirmasens an. Der OFC agierte ideenlos, zerfahren und ohne Durchschlagskraft. Der Mantel des Schweigens, den ich über die Schlussphase der Partie am vergangenen Samstag gebreitet hatte, ist gottlob groß genug, um mit ihm auch die ersten 45 Minuten des heutigen Nachmittags zu bedecken.

Der taktisch sehr disziplinierte SV Spielberg mischte seinerseits unerschrocken mit und versuchte sein Glück wann immer möglich in der Offensive. Die Führung zur Halbzeit nach einem Tor von Manuel Hasel in der 12. Minute ging völlig in Ordnung, zumal die Gäste gleich zu Beginn der Begegnung eine Großchance zum Führungstreffer vergeben hatten, als ein Spielberger mit einem fulminanten Schuss zwar nicht das Tor, dafür aber das edle Antlitz des herauseilenden Daniel Endres traf. Unser Kapitän blieb benommen liegen, musste lange behandelt werden, konnte dann aber zum Glück weiter spielen.

So gab es zur Halbzeit allenthalben bange Gesichter, weil wohl den Meisten auf den Rängen die Phantasie fehlte, wie ein derart schwach agierender OFC diese Partie noch drehen sollte.

In der zweiten Halbzeit dann aber ein völlig anderes Bild, die Kickers warfen jetzt alles nach vorne. Zwar fehlte es hier und da noch immer an der letzten Präzision, doch es war nun deutlich mehr Zug im Spiel des OFC, der die Gästemannschaft praktisch in deren Hälfte einschnürte. Die ersten Früchte für diesen Aufwand ernteten die Kickers nach 68 Minuten, als dem kurz zuvor für den unglücklich agierenden Markus Müller eingewechselten Steven von der Burg nach Zuspiel von Niko Dobros der erlösende Ausgleichstreffer gelang.

Neun Minuten vor dem Ende dann die Entscheidung zugunsten der Kickers. Wieder einmal traf Martin Röser mit einem wunderbar verwandelten direkten Freistoß, bei dem allein schon der Anlauf parallel zur Strafraumlinie absolut sehenswert war. Kurz vor dem Ende dann sogar fast noch das dritte Kickerstor durch Devann Yao, was aber des Guten an diesem Nachmittag eindeutig zu viel gewesen wäre.

Sehr positiv das Engagement von Markus Müller, der sich nach seiner Auswechslung nicht schmollend auf der Reservebank verkroch, sondern neben Herrn Schmitt zu den Aktivposten an der Seitenlinie zählte. Überhaupt nicht positiv hingegen der Zustand des Rasens, der jedem ehrbaren Kartoffelproduzenten die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Es bleibt abzuwarten, wie viel Fußballkunst auf diesem Geläuf im traditionell regenreichen Herbst noch geboten werden kann.

Nach dem Schlusspfiff herrschte Erleichterung pur auf dem Feld wie auf den Rängen. Zum zweiten Mal innerhalb von acht Tagen gelang es den Kickers, trotz einer teilweise sehr übersichtlichen Vorstellung drei Punkte zu erobern. Der OFC ist damit seit 26 Heimspielen ungeschlagen und gewinnt in der laufenden Saison zum fünften Mal in Folge.

Durch die Heimniederlage von Hessen Kassel gegen Elversberg klettern die Kickers aufgrund des besseren Torverhältnisses auf den zweiten Tabellenplatz und stehen nach sieben Spieltagen erstmals dort, wo wir sie am Ende der Saison so gerne sehen möchten. Um im Spitzenspiel am kommenden Sonntag in Elversberg zu bestehen, bedarf es aber aller Voraussicht nach einer beträchtlichen Leistungssteigerung.

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Kickers Offenbach - SV Spielberg 2:1
Samstag, 5. September 2015, 14 Uhr
Sparda-Bank-Hessen-Stadion, 6.010 Zuschauer

Mannschaftsaufsstellung: Daniel Endres, Sascha Korb, Marcel Gebers, Thomas Franke, Alexandros Teodosiadis, Klaus Gjasula, Martin Röser (88. Devann Yao), Matthias Schwarz (72. Fabian Bäcker), Benjamin Pintol, Markus Müller (65. Steven von der Burg), Nikolaos Dobros

Torschützen: 0:1 Hasel, 1:1 von der Burg (68.), 2:1 Röser (81.)



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