19. September 2015

Kickers Offenbach - SV Saar 05 3:1

Nach einer Woche mit gleich drei Pressekonferenzen wurde heute auf dem Bieberer Berg zur Abwechslung mal wieder Fußball gespielt. Dazu gleich mehr.

Die Vorstellung des Teams um Präsidentschaftskandidat Helmut Spahn am vergangenen Dienstag habe natürlich auch ich verfolgt. Im Moment weiß ich allerdings noch nicht so recht, was ich von seiner Truppe halten soll.

Zum einen habe ich bislang nicht verstanden, was den in Katar lebenden Helmut Spahn eigentlich motiviert, sich um das Präsidentenamt bei Kickers Offenbach zu bewerben. Spahns fachliche Qualifikation steht außer Zweifel. Seiner Ansicht aber, in Zeiten moderner Kommunikationstechnik müsse man nicht "bei jedem Kaffeekränzchen dabei sein“, stimme ich nicht zu. Gerade ein Verein wie unser OFC braucht in meinen Augen unbedingt einen Präsidenten "zum Anfassen", der bei den Spielen, aber auch bei Events wie dem Kickerstag oder Veranstaltungen einzelner Gruppierungen präsent ist. Hinzu kommt, dass zumindest drei Namen in Spahns Mannschaft sicher für Vieles stehen, aber nicht für einen Neuanfang. Wünschen würde ich mir deshalb in jedem Fall, dass noch ein zweiter Kandidat seinen Hut in den Ring wirft, der eine echte Alternative darstellt.

Wer auch immer ab Ende November die Geschicke der Kickers lenken wird, kann sich nicht über einen Mangel an spannenden Herausforderungen beklagen. Nachdem eine Rückübertragung der Verbindlichkeiten in Höhe von etwa drei Millionen Euro an die GmbH aus steuerlichen Gründen eventuell doch nicht möglich ist, tickt die Schuldenuhr noch vernehmlicher als zuvor. Da die Forderungen zudem nur bis zum 30. September gestundet sind, kann man dem amtierenden Präsidium nur eine glückliche Hand wünschen, schnellstmöglich zumindest eine weitere vorübergehende Lösung zu finden.

Jetzt aber zum Fußball, um den es an diesem Nachmittag ja eigentlich ging. Auf dem Weg zum Bersch bewegte den geneigten Stadionbesucher heute natürlich insbesondere die Frage nach der Stabilität unserer Defensivabteilung, die in den ersten acht Saisonspielen bereits zwölf Gegentreffer kassierte. Würde Rico Schmitt sich etwa dazu durchringen, die Hintermannschaft umzustellen? Das tat er nicht, dafür stand aber in der Startaufstellung Devann Yao für Martin Röser, der bereits vier gelbe Karten gesehen hat und dessen Einsatz in Mannheim wohl nicht gefährdet werden sollte.

Die Begegnung gegen den bislang sieglosen Aufsteiger aus dem Saarland hatte eigentlich alle Zutaten, die ein vergnüglicher Fußballnachmittag braucht: Einen Wolkenbruch, drei Platzverweise und einen vergebenen Elfmeter. Dass nach dem Schlusspfiff trotz des Erfolgs der Kickers nicht die ganz große Begeisterung aufkommen wollte, lag an der Vorstellung unserer Mannschaft, die über weite Strecken der Partie so ideenlos agierte, dass man manchmal nur noch die Augen schließen mochte.

Nach einer ersten Torgelegenheit für Devann Yao plätscherte das Spiel in der ersten halbe Stunde derart beschaulich vor sich hin, dass der neutrale Beobachter meinen mochte, ein Freundschaftsspiel zu verfolgen. Von den Gästen ging keinerlei Torgefahr aus, dem OFC fehle es an Ideen und Durchschlagskraft. In der 32. Minute dann Strafstoß für die Kickers nach einem Foul an Benni Pintol. Doch Markus Müller zeigte sich solidarisch mit seinem zuletzt so arg gebeutelten Teamgefährten Klaus Gjasula und scheiterte ebenfalls vom Elfmeterpunkt am Gästekeeper.

Nur zwei Minuten später der erste Platzverweis des Spiels nach einer Notbremse gegen Devann Yao. Niko Dobros machte kurzentschlossen den Röser und erzielte mit einem direkten Freistoß aus etwa 20 Metern Entfernung das Führungstor der Kickers. Wer nun glaubte, der OFC sei gegen harmlose Gäste mit diesem Treffer auf die Siegerstraße eingebogen, wurde nach einer guten Stunde eines besseren belehrt. Zwar erspielte sich unsere Mannschaft zu Beginn des zweiten Durchgangs einige Chancen, der Kickersmotor lief aber nach wie vor nicht rund.

Als schließlich der Himmel über dem Bieberer Berg seine Schleusen öffnete und die Zuschauer mit einem gewaltigen Wolkenbruch von den unteren Reihen der Tribüne scheuchte, kam in der 65. Minute dann auch eine der bislang schwächsten Offensiven der Liga zu ihrem Treffer gegen den OFC. Zehn Minuten später ließ sich Benni Pintol an der Seitenlinie zu einem völlig überflüssigen Gerangel hinreißen und ging mit der gelb-roten Karte vom Feld. Damit stand es auch nach Anzahl der Feldspieler wieder unentschieden, Pintol wird uns noch dazu in Mannheim fehlen.

In den Schlussminuten zeigte der OFC endlich die Zähne und die Ereignisse überschlugen sich förmlich. Zunächst musste der Kapitän von Saar 05 nach einer Ampelkarte den mittlerweile fast unbespielbaren Platz verlassen. Unmittelbar darauf besorgte der für Markus Müller eingewechselte Steven von der Burg in der 88. Minute den zweiten Offenbacher Treffer des Nachmittags, Niko Dobros erhöhte mit einem Konter in der Nachspielzeit auf 3:1.

So holten die Kickers aus der Regenschlacht mit einer ausgesprochen schwachen Vorstellung doch noch drei Punkte, die im Kampf um die Spitzenplätze der Regionalliga noch sehr wichtig sein könnten. Es wird aber wieder einmal einer gewaltigen Leistungssteigerung bedürfen, will man am kommenden Wochenende in Mannheim bestehen. Dass unsere Mannschaft dazu in der Lage ist, hat sie in dieser Saison bereits bewiesen.

Das Spiel in Waldhof wird die erste Begegnung in dieser Spielzeit sein, dass ich nicht von den Rängen aus verfolge. Am kommenden Wochenende lasse ich mir hoffentlich in Portugal die Sonne auf den Kopf scheinen und begieße den Auswärtssieg in Mannheim mit einer guten Flasche Rotwein.

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Kickers Offenbach - SV Saar 05 3:1
Samstag, 19. September 2015, 14 Uhr
Sparda-Bank-Hessen-Stadion, 5.434 Zuschauer

Mannschaftsaufsstellung: Daniel Endres, Stefano Maier, Marcel Gebers, Thomas Franke, Alexandros Teodosiadis (67. Sascha Korb), Klaus Gjasula, Matthias Schwarz, Devann Yao (63. Martin Röser), Benjamin Pintol, Nikolaos Dobros, Markus Müller (78. Steven von der Burg)

Torschützen: 1:0 Dobros (36.), 1:1 Gornik (66.), 2:1 von der Burg (88.), 3:1 Dobros (93.)

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