1. August 2015

Hessen Kassel - Kickers Offenbach 2:2

69 Tage danach also wieder das Auestadion in Kassel. Absolvierte der Südwestdeutsche Meister dort am 23. Mai lediglich eine letzte Pflichtübung vor den alles entscheidenden Aufstiegsspielen, standen die Vorzeichen gestern ganz anders, ging es doch zum Auftakt in die neue Saison der Regionalliga Südwest nicht nur um eine Standortbestimmung unseres in Teilen neu formierten Teams, sondern auch um drei erste wichtige Punkte im Kampf um die Titelverteidigung.

Entsprechend groß war meine Vorfreude, nach einer mehr als zwei Monate langen Durststrecke endlich wieder Ligafußball sehen zu dürfen, auch wenn sich mancher für den ersten Spieltag sicher ein anderes Reiseziel gewünscht hätte. Pünktlich um 16 Uhr machten wir uns jedenfalls auf die 198 Kilometer lange Fahrt nach Nordhessen, um dort zweieinhalb Stunden später von einem stattlichen Polizeiaufgebot in Empfang genommen zu werden.

Unterwegs blieb reichlich Zeit, bei Marshmallows und Capri-Sonne die Ereignisse dieses Sommers zu analysieren und einen Ausblick auf die kommenden Monate zu wagen. Allein die Auswahl der Bordverpflegung zeigt regelmäßigen Lesern meiner Chroniken, dass ich mit neuen Reisegefährten in die neue Spielzeit gestartet bin, die mir spontan Asyl in ihrem Auto gewährten. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön für die liebenswerte Aufnahme!

Nach diversen Staus auf der Autobahn kamen wir kurz vor knapp in Kassel an. Vom Parkplatz hinter der Eissporthalle bis zur Haupttribüne sind es nur wenige Minuten Fußweg, also blieb noch Zeit für ein schnelles Bier, bevor auch schon der Anpfiff zur Saison 2015/16 ertönte. Auf der Tribüne gab es übrigens einige bekannte Gesichter zu entdecken: Oberbürgermeister Horst Schneider begleitete seinen OFC ebenso in den hohen Norden wie Ex-Präsident Dr. Frank Ruhl.

Mit zwei Neuzugängen in der Anfangsformation ging Rico Schmitt die Mission Titelverteidigung an. Marcel Gebers und Thomas Franke bilden die neue Innenverteidigung, die uns aller Voraussicht nach nur sehr wenig Kummer bereiten wird. Im ersten Durchgang entwickelte sich ein munteres Fußballspiel mit Chancen auf beiden Seiten, wobei der OFC in der Spielanlage den besseren Eindruck machte. Trotzdem gab es am torlosen Unentschieden zur Pause wenig auszusetzen.

In der zweiten Hälfte zeigten die Jungs von Herrn Schmitt dann zunächst sehr eindrucksvoll, warum immerhin 13 Trainer unserer Liga die Kickers zum Kreis der Titelfavoriten zählen. Sieben Minuten waren gespielt, als unser neuer Goalgetter Martin Röser den Führungstreffer der Kickers erzielte. Knapp zehn Minuten später erhöhte Benjamin Pintol nach einem Eckball per Kopf sogar auf 2:0. Damit war der Drops eigentlich gelutscht. Der OFC beherrschte Ball und Gegner, und die Abwehr stand so stabil, dass ich im Brustton der Überzeugung gleich mehrfach verkündete, dass wir an diesem Abend sicher keinen Treffer mehr kassieren.

So ähnlich sahen das wohl auch unsere Spieler, jedenfalls gab es jetzt einen Bruch im Auftritt der Kickers. Kassel gab sich noch nicht geschlagen und drängte auf das Anschlusstor, das dem KSV sieben Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit glückte. Jetzt herrschte mit einem Mal ordentlich Stimmung im sehr weiten Rund des Auestadions, in dem es bis dahin so wohltuend ruhig gewesen war. Am Ende kam es wie so oft im Fußball, nach einer Ecke fiel praktisch mit dem Schlusspfiff der Ausgleich.

Hängende Köpfe im Lager der Kickers, die einen fast schon sicher geglaubten Sieg nicht über die Zeit retten konnten. In der abschließenden Pressekonferenz räumte Trainer Rico Schmitt selbstkritisch ein, dass er bei Auswechslungen sicher schon mal eine glücklichere Hand gehabt habe. Gemeint haben dürfte er damit vor allem den Einsatz von Sascha Korb, der eine Viertelstunde vor dem Ende den guten Stefano Maier ersetzte und leider an beiden Gegentreffern beteiligt war.

Was bleibt von diesem Abend im Auestadion? Beim OFC gab es deutlich mehr Licht als Schatten. Dass die drei Punkte nicht auf dem Konto der Kickers landeten ist ärgerlich, aber sicher nicht das Ende unserer Titelambitionen. Wahrscheinlich ist dieser kleine Dämpfer genau das, was unsere Mannschaft zum Start in eine großartige Spielzeit braucht. Erinnern wir uns nur an das vergangenen Jahr, als wir mit einem 0:3 im Gepäck aus Pirmasens heimgefahren sind. Was dann folgte, ist allen noch in bester Erinnerung.

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KSV Hessen Kassel - Kickers Offenbach 2:2
Freitag, 31. Juli 2015, 19 Uhr
Auestadion, 5.300 Zuschauer

Mannschaftsaufsstellung: Daniel Endres, Stefano Maier (76. Sascha Korb), Marcel Gebers, Thomas Franke, Alexandros Teodosiadis, Klaus Gjasula, Martin Röser, Matthias Schwarz (81. Kristian Maslanka), Benjamin Pintol, Fabian Bäcker (90. Nikolaos Dobros), Markus Müller

Torschützen: 0:1 Röser (52.), 0:2 Pintol (61.), 1:2 Bektasi (83.), 2:2 Bektasi (92.)












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