7. Juli 2015

Und jetzt?

Meine Sommerferien sind zwar vorüber, aber das fröhliche Schwitzen geht weiter. Am Wochenende war es in Offenbach satte zehn Grad wärmer als an der Algarve, was ungewöhnlich genug ist. Noch ungewöhnlicher ist allerdings, was sich während meines Urlaubs auf dem Bieberer Berg zutrug.

Da es in unserer Ferienwohnung wider Erwarten doch einen WLAN-Anschluss gab, durfte ich am vergangenen Mittwoch die Pressekonferenz des Kickers-Präsidiums per Livestream verfolgen.

Es war eine Pressekonferenz, die mich offen gesagt ratlos gemacht hat, denn was bleibt, sind viele offene Fragen.

Welche Arbeitsgrundlage hat ein Präsidium noch, das bislang bei keiner wichtigen Personalie die von ihm gewünschte Entscheidung durchsetzen konnte? Das auf Konfrontationskurs mit großen Teilen des Umfelds von Kickers Offenbach gegangen ist? Das öffentlich feststellt, der OFC würde von außen regiert?

Was bedeutet in diesem Fall eigentlich "von außen"? Ist Oberbürgermeister Horst Schneider tatsächlich ein Außenstehender? Schließlich ist er der höchste Repräsentant der Stadt Offenbach. Jener Stadt also, der Stadion und Trainingsgelände der Kickers gehören, die Großaktionär beim Hauptsponsor EVO ist. Und ist Dr. Frank Ruhl als ehemaliger Präsident und aktueller Großgläubiger der Kickers ein Außenstehender? Gibt es wirklich keine Alternative dazu, seine Forderungen in einem Gerichtsprozess zu klären, der den Verein viel Geld kostet und dessen Ausgang ungewiss ist?

Was wird damit gewonnen, Geschäftsführer David Fischer im Amt zu bestätigen, nur um ihn wenige Stunden später wieder öffentlich zu kritisieren? Wie soll auf dieser Grundlage die weitere Zusammenarbeit zwischen Verein und GmbH funktionieren? Wie können Gönner und Sponsoren vor diesem Hintergrund Vertrauen in das Gesamtkonstrukt Kickers Offenbach haben?

Wohl noch nie war Kickers Offenbach so weit von seinem Motto "Zusamme schaffe mers" entfernt, wie in diesen Tagen. Dabei gäbe es nach dem verpassten Aufstieg eine Menge guter Gründe, gerade jetzt die Reihen zu schließen, denn die nächste Spielzeit wird für den OFC knüppelhart.

Bislang ist es keiner in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga gescheiterten Mannschaft gelungen, den sportlichen Erfolg der Vorsaison zu wiederholen. Wie viele Zuschauer finden nach den Verwerfungen dieses Sommers wohl noch den Weg ins Sparda-Bank-Hessen-Stadion, falls sich die Kickers im November im Mittelfeld der Tabelle wiederfinden?

All dies sind Fragen, die sicher nicht nur ich mir in diesen heißen Tagen stelle. Was derzeit bleibt, ist ausschließlich die vage Hoffnung, dass doch noch alles irgendwie ein gutes Ende nehmen wird.

Immerhin ist Kickers Offenbach unsterblich seit 1901.

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