26. Mai 2015

Vorschau: 1. FC Magdeburg

"Wir sind die größten der Welt!" Übertriebene Bescheidenheit kann man den Anhängern des 1. FC Magdeburg nicht gerade vorwerfen. Besagte Zeile entstammt einem Fangesang, der seit den 1980er Jahren im Stadion unseres Gegners in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga angestimmt wird.

Ein Stadion, das allein schon durch seine Dimensionen deutlich macht, dass es für den OFC ab Mittwoch um eine etwas größere Fußballwelt als die der Regionalliga Südwest geht. Die komplett überdachte Spielstätte mit dem schönen Namen MDCC-Arena wurde im Dezember 2006 eröffnet und bietet Platz für 27.250 Zuschauer.

Seit der Einweihung des neuen Magdeburger Stadions vor neun Jahren wird hier Regionalliga-Fußball gespielt, wenn auch in unterschiedlichen Spielklassen, da "Regionalliga" bis 2008 als Bezeichnung für die dritthöchste Liga im deutschen Fußball diente. Nach einer  Insolvenz und dem damit verbundenen Zwangsabstieg in die drittklassige Regionalliga 2002 verpasste der 1. FC Magdeburg in der Saison 2007/08 die Qualifikation für die neu geschaffene eingleisige 3. Liga nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses.

Die Spielzeit 2011/12 beendeten die Magdeburger dann zwar als Tabellenletzter, entgingen dem Absturz in die Fünftklassigkeit aber durch die Neuordnung der Regionalligen. Nachdem man dem Abstieg nur mit Glück entronnen war, ging es in den folgenden drei Spielzeiten tabellarisch konstant bergauf. Eine Entwicklung, die mit dem Meistertitel in der Regionalliga Nordost in diesem Jahr ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Verlassen kann sich der FCM dabei auf eine treue Anhängerschaft. In der laufenden Saison besuchten durchschnittlich 7.867 Zuschauer die Heimspiele in der MDCC-Arena.

Die ganz großen Fußballschlachten schlug der 1. FC Magdeburg jedoch an gleicher Stelle im altehrwürdigen Ernst-Grube-Stadion, das in seinen besten Zeiten 45.000 Zuschauer fasste, 2005 aber der modernen Arena weichen musste. Hier feierte der Klub in den Jahren 1972, 1974 und 1975 seine drei Meisterschaften in der DDR-Oberliga und legte den Grundstein für den größten Triumph der Vereinsgeschichte, den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger im WM-Jahr 1974.

Der einzige Erfolg einer DDR-Mannschaft in einem europäischen Pokalwettbewerb gelang am 8. Mai 1974 gegen den von Giovanni Trapattoni trainierten Titelverteidiger AC Mailand. Enrico Lanzi mit einem Eigentor und Wolfgang Seguin sorgten für die Magdeburger Treffer zum Endstand von 2:0. Dass das Finale in Rotterdam vor der Minuskulisse von 4.146 Zuschauern ausgetragen wurde, tat der Freude in der Stadt an der Elbe keinen Abbruch. Der im Westen bekannteste Spieler in Reihen des von Trainer Heinz Krügel betreuten FCM war sicher Jürgen Sparwasser, der wenige Wochen später den Siegtreffer der DDR-Auswahl im WM-Gruppenspiel gegen die Bundesrepublik erzielte.

Ihren Ruf als "Pokalmannschaft" untermauerten die Magdeburger zudem mit sieben Erfolgen im FDGB-Pokal, dem DDR-Pendant zum DFB-Pokal. Gemeinsam mit Dynamo Dresden ist der FCM in diesem Wettbewerb Rekordtitelträger.

Mit dem 1. FC Magdeburg und Kickers Offenbach treffen am Mittwoch und Sonntag also zwei Vereine mit stolzer Geschichte aufeinander, die beide eine Bereicherung für die 3. Liga wären. Schaffen wird es am Ende nur einer. Ich hoffe sehr, dass es der OFC sein wird.

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1. FC Magdeburg - Kickers Offenbach
Mittwoch, 27. Mai 2015, 19 Uhr
MDCC-Arena

Kickers Offenbach - 1. FC Magdeburg
Sonntag, 31. Mai 2015, 14 Uhr
Sparda-Bank-Hessen-Stadion

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