18. Mai 2015

Benfica feiert den 34. Meistertitel

Benfica ist zum 34. Mal portugiesischer Meister. Den Adlern aus Lissabon reichte gestern am frühen Abend ein torloses Unentschieden bei Vitória Guimarães, da der FC Porto gleichzeitig bei Belenenses nicht über ein 1:1 hinauskam.

Nach dem Schlusspfiff in Guimarães brachen erwartungsgemäß alle Dämme, denn es gab mehr als nur einen Grund zu feiern. Erstmals seit 1984 gelang es Benfica, den Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen und somit die Vormachtstellung des FC Porto mit sieben Meisterschaften in den letzten zehn Jahren endlich wieder zu durchbrechen.

Die Titelverteidigung ist um so höher einzuschätzen, da der Klub vor der Saison einen enormen Aderlass zu verkraften hatten. Klangvolle Namen wie Enzo Pérez, Lazar Markovic, Jan Oblak, Ezequiel Garay oder Óscar Cardozo verabschiedeten sich nach einer triumphalen Spielzeit mit vier Titeln aus fünf Wettbewerben aus dem Estádio da Luz und konnten natürlich nicht eins zu eins ersetzt werden.

Transfererlösen von 116,6 Millionen Euro standen lediglich Neuverpflichtungen für 38,5 Millionen gegenüber, von denen allein 10 Millionen in den griechischen Mittelfeldspieler Andreas Samaris investiert wurden. Mit 157 Millionen Euro liegt der Marktwert der Mannschaft von Trainer Jorge Jesus deutlich hinter dem FC Porto, dessen Kader 213 Millionen Wert ist.  So wurde vom ersten Spieltag an praktisch alles der Titelverteidigung untergeordnet, selbst die Champions League spielte da nur noch eine Nebenrolle.

Entsprechend groß wurde gestern die triumphale Rückkehr des frischgebackenen Meisters in Szene gesetzt. Zweieinhalb Stunden nach Spielende ging es mit dem Flieger zurück nach Lissabon. Schon die 60 Kilometer lange Busfahrt von Guimarães zum Flughafen Porto wurde vom vereinseigenen Fernsehkanal BTV, dem größten Bezahl-Sportsender Portugals, mit Kameras innerhalb und außerhalb des Mannschaftsbusses live und in voller Länge übertragen.

Dank der Segnungen der modernen Technik konnte selbst der geneigte Fan in Offenbach das Geschehen bis in die tiefe Nacht hinein verfolgen, denn BTV kann auch als Onlinestream in HD abonniert werden. Zu sehen gab es zunächst, wie dem Bus von der Polizei eine Fahrschneise auf der Autobahn gebahnt wurde, die streckenweise von Pkws mit feiernden Fans verstopft war. Am Flughafen in Porto warteten tausende Anhänger, um ihren Heroen vor dem Rückflug zuzujubeln. Das Szenario vor Ort als "unübersichtlich" zu bezeichnen, wäre die Untertreibung des Jahres.

In Lissabon wartete zu diesem Zeitpunkt eine gewaltige Menschenmenge an der Praça Marquês de Pombal auf die Ankunft der Spieler. Seriöse Schätzungen sprechen von etwa 150.000 Schaulustigen, denen bereits seit Stunden vom Stadionsprecher und diversen DJ's eingeheizt wurde. Als die Karawane dann eine halbe Stunde nach Mitternacht endlich eintraf, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr. Eine Begeisterung , die leider im Verlauf der Feierlichkeiten umkippte, als einzelne Gruppen zunächst Flaschen und Steine warfen und es anschließend zu wüsten Schlägereien mit der Polizei kam, die den riesigen Platz zu weiten Teilen räumte. Erst gegen 3 Uhr morgens entspannte sich die Lage auf den Avenidas rund um den Marquês de Pombal.

Unnötig zu erwähnen, dass das Ganze mit Fußball nur noch am Rande zu tun hat. Benfica hat seit Jahren große Mühe, sein Stadion zu füllen. Selbst in der Endphase der Meisterschaft gab es Sonderaktionen, bei denen der Eintrittspreis für bestimmte Sektoren der Nachspielzeit der vorangegangenen Partie entsprach. Trotzdem kommen zu den meisten Spielen nicht mehr als 40.000 Fans ins Estádio da Luz, das 65.000 Zuschauern Platz bietet. Würde jeder, der gestern die halbe Nacht auf Straßen und Plätzen feierte und angeblich ein ach so großer Fan ist, auch nur einmal pro Saison ins Stadion gehen, wäre die Kathedrale des portugiesischen Fußballs wohl stets ausverkauft.

Mir aber bleibt die stille Freude über die 34. Meisterschaft von Benfica in einer Saison, in der ich neun Spiele der Adler im Stadion verfolgen durfte. Bei einer Distanz von 2.400 Kilometern zwischen Offenbach und Lissabon ist das gar keine so schlechte persönliche Bilanz.





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