28. Mai 2015

1. FC Magdeburg - Kickers Offenbach 1:0

Die Tage der Wahrheit haben begonnen, und sie begannen gestern ziemlich früh. Schon um 9 Uhr morgens machte ich mich auf den vertrauten Weg zum Bieberer Berg, nur war mein Ziel diesmal nicht die Waldemar-Klein-Tribüne, sondern der Parkplatz hinter der Henninger-Tribüne.

Dort, wo sonst die VIP's bei Heimspielen parken, war deutlich mehr los als sonst an einem Mittwochmorgen. Überall reiselustige Menschen in Rot und Weiß, dazwischen jede Menge Busse und Pkws. Beeindruckende Vorräte an Brötchen und Getränken für die lange Fahrt wurden umgeladen, Hüte und T-Shirts für die weiße Wand in Magdeburg verkauft, die Sonderausgabe des Erwin verteilt.

Üblicherweise fahre ich mit zwei Freunden mit dem Auto zu den Auswärtsspielen des OFC. Da aber unser Trio aus beruflichen Gründen gestern leider nur aus mir bestand, fand ich Unterschlupf in einem der beiden von Libor Mazur organisierten Busse. Die erste Fahrt meines Lebens in einem Fanbus, die noch vor dem Start unerwartet spannend wurde.

Grund dafür war unser Reiseunternehmen, das eine Stunde vor der geplanten Abfahrt plötzlich 100 Euro Kaution für jeden Mitreisenden forderte. Wenig später sollten dann auch noch 250 Euro für die Wartezeit der Busse in Magdeburg gezahlt werden. Wohlgemerkt alles Forderungen, die nicht im Vertrag standen. Wir hatten es Libors Verhandlungsgeschick zu verdanken, dass wir doch noch wie geplant um 10.30 Uhr losfuhren, nachdem jeder schließlich 20 Euro Kaution hinterlegt hatte.

Doch die Zeit drängte, um rechtzeitig an dem von der Polizei bestimmten Sammelplatz vor Magdeburg einzutreffen. Auf der 450 Kilometer langen Strecke in Richtung Osten blieb viel Zeit für ernsthafte Fachgespräche, die sich meist um die Aufstiegschancen der Kickers drehten. Dazu wurde die eine oder andere Flasche Äppelwoi und Bier geleert, der aufkommende Hunger erfolgreich mit bestens belegten Brötchen bekämpft.

Pünktlich auf die Minute kamen wir am Sammelplatz an und wurden von der Polizei zur MDCC-Arena begleitet. Der Weg führte durch friedliche Dörfer und grüne Auen im Umland der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt. Ganz offensichtlich war den Ordnungshütern sehr daran gelegen, unsere Karawane nicht durch das Zentrum von Magdeburg defilieren zu lassen, wofür ich durchaus dankbar war. So erreichten wir das am Stadtrand gelegene Stadion ein wenig "von hinten durch die Brust". Unterwegs wurden immer wieder Zufahrten und Straßenkreuzungen gesperrt, um die Gäste aus Offenbach sicher ans Ziel zu geleiten. Das Ganze fühlte sich an wie eine Mischung aus Staatsbesuch und Gefangenentransport.

In einer stillen Straße mitten in einem Wohngebiet kam unsere eindrucksvolle Karawane schließlich zum Stehen. 22 Busse in Reih und Glied, der fröhliche Menschen mit weißen Fischerhüten und "Zusammen unaufhaltsam"-Shirts entstiegen, um sich auf den kurzen Fußweg zur Arena zu begeben. An dieser Stelle ist es angebracht, den Verantwortlichen in Magdeburg ein großes Lob auszusprechen. Der Einlaß klappte völlig reibungslos, die Kontrollen gingen zügig und ausgesprochen freundlich von statten. Kompliment!

Dass das Catering in der Arena in etwa dem Niveau des Stadions am Bieberer Berg entspricht, konnte die Vorfreude nicht trüben. Zumindest die Heringsbrötchen waren lecker, und die Damen an den Verkaufsständen ganz reizend. Aber 4,50 Euro für ein großes Wasser ist schon ein Wort.

Die MDCC-Arena selbst ist nicht gerade ein Schmuckkästchen, sie besticht eher durch nüchterne Funktionalität. Aber sie erfüllt ihren Zweck, und das auf sehr eindrucksvolle Weise. Ich durfte im Laufe der Jahrzehnte so manches Fußballstadion erleben, doch die Atmosphäre in Magdeburg gehört zum Allerfeinsten. Jeder, der ein wenig den alten Zeiten auf Biebers Höhen nachtrauert, konnte gestern Ursachenforschung betreiben. Die Spielstätte in Magdeburg ist nicht nur überdacht, vielmehr sind die Kurven ausgebaut und die Rückwände der Tribünen geschlossen. Dass die Magdeburger noch dazu ein begeisterungsfähiges Völkchen sind, tat sein Übriges, die Arena in einen Hexenkessel zu verwandeln.

Beeindruckt von der Atmosphäre zeigten sich auch unsere Spieler, die sich vom Anpfiff weg den stürmischen Angriffen der Hausherren erwehren mussten und kaum in die Begegnung fanden. Einziges Lebenszeichen des OFC war ein feiner Schuß von Matthias Schwarz, den der Magdeburger Keeper gerade noch abwehren konnte. Dass der Führungstreffer des FCM nach einem Foul an Klaus Gjasula fiel, änderte nichts an der Tatsache, dass das 1:0 zur Halbzeit hoch verdient war.

Im zweiten Durchgang lauerten die Gastgeber aus einer verstärkten Abwehr heraus auf Konter, die sie immer wieder schnell und gefährlich vortrugen. Die Kickers hatten jetzt deutlich mehr Spielanteile, konnten aber nur selten für Aufregung im gegnerischen Strafraum sorgen. Eine gehörige Portion Glück hatte der OFC in der Schlußphase, als Beck nur den Pfosten traf. Ein 2:0 hätte eine schwere Hypothek für das Rückspiel bedeutet, in dem auch so ein ganz hartes Stück Arbeit auf die Kickers wartet.

So war die Stimmung im Bus auf der Rückfahrt gedämpft, aber nicht hoffnungslos. Für viel Heiterkeit sorgten ein paar Magdeburger Anhänger am Wegesrand, die uns zum Abschied nicht nur ihre Fahne sondern auch ihre blanken Hinterteile präsentierten. Unterwegs bescherten wir einem menschenleeren McDonalds in Göttingen noch den Umsatz des Monats und kamen um 5 Uhr morgens dann doch ein wenig müde wieder am Bieberer Berg an. Jetzt war es an der Zeit, Abschied zu nehmen, denn schließlich wurde es schon wieder hell.

Ganz zum Schluß noch ein herzliches Dankeschön an Libor Mazur und seine Helfer. Die Organisation einer Auswärtsfahrt zu einem "Hochsicherheitsspiel" erfordert nicht nur viel Zeit, sondern auch mindestens ebenso viele Nerven. Deshalb an dieser Stelle eine Welle zu deinen Ehren, wenn auch nur in schriftlicher Form!

Leute, noch ist nichts verloren. Wir sehen uns am Sonntag in der roten Wand uff'm Bersch!

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1. FC Magdeburg - Kickers Offenbach 1:0
Mittwoch, 27. Mai 2015, 19 Uhr
MDCC-Arena, 23.139 Zuschauer

Mannschaftsaufsstellung: Daniel Endres, Denis Mangafic, Giuliano Modica, Stefano Maier, Dennis Schulte, Klaus Gjasula, Martin Röser (73. Fabian Bäcker), Benjamin Pintol, Matthias Schwarz (88. Sascha Korb), Christian Cappek, Markus Müller (90. Steven von der Burg)

Torschütze: 1:0 Hebisch (40.)


















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