6. April 2015

FC Nöttingen - Kickers Offenbach 0:1

"Panoramastadion". Allein schon der Name wäre Grund genug, am Sonntagvormittag liebe Freunde und bunte Ostereier im Stich zu lassen, um 150 Kilometer in Richtung Süden zu fahren. Dass es in Nöttingen für den OFC noch dazu um drei wichtige Punkte im Kampf um die Relegationsplätze ging, machte den österlichen Ausflug umso bedeutungsvoller.

Einmal mehr durften wir gestern eintauchen ins Abenteuerland der Regionalliga Südwest. Die letzten 20 Kilometer unseres Osterausflugs führen durch kleine Ortschaften wie Söllingen, Kleinsteinbach oder Wilferdingen, in denen bereits am Gründonnerstag die Bürgersteige hochgeklappt wurden. Es gibt kaum Verkehr, Menschen sind nicht auf den Straßen zu entdecken. Erst in Nöttingen stehen an einer Kreuzung zwei Motorräder der Polizei, ganz offensichtlich wird hier und heute doch Fußball gespielt.

Da die Spielstätte mitten in einem Wohngebiet liegt, sind Parkplätze Mangelware. Doch freundliche Ordnungshüter in Kampfmontur weisen uns die Richtung zu einem Feldweg, auf dem heute geparkt werden darf. Von hier aus sind es nur wenige Minuten hinunter zum Panaoramastadion. Den Feiertagen geschuldet war unsere kleine Auswärtsreisegruppe gestern bei der Anreise um ein ganzes Drittel dezimiert. Erst vor den Kassenhäuschen können wir unseren Freund Andreas in die Arme schließen, der die Feiertage tief im Süden der Republik verbringt, bei unserer Ankunft dafür aber bereits drei der heißbegehrten Sitzplatztickets in den Händen hielt.

Kurz nach uns trifft dann auch der feuerrote Mannschaftsbus der Offenbacher Kickers ein, und während sich die Jungs auf dem Rasen schon mal warm machen, bleibt uns noch genügend Zeit, das Panoramastadion in all seiner einzigartigen Schönheit zu erkunden. An der Haupttribüne führt eine Treppe hinauf ins ganz in Eiche rustikal gehaltene Vereinsheim, das von der "FCN-Rentnerband" dominiert wird und durstigen Kehlen fünf verschiedene Biere sowie eine ordentliche Weinauswahl bietet. Auf der Sonnenterrasse vor der guten Stube des FC Nöttingen geniessen wir den friedvollen Ausblick aufs Spielfeld und lassen uns dazu eine Bratwurst schmecken, die zu den Besseren der Liga gehört.

Weiter unten im Erdgeschoss befinden sich die Spielerkabinen und die Sitzplätze. Nachdem wir eigentlich geglaubt hatten, in Walldorf die kleinste Sitztribüne des Südwestens entdeckt zu haben, wurden wir gestern eines besseren belehrt: Es geht noch kleiner. Wobei "Tribüne" in diesem Fall ein Ausdruck ist, der den Gegebenheiten ganz und gar nicht gerecht wird. Unmittelbar hinter der Seitenauslinie befindet sich eine Reihe aus insgesamt 130 weißen Plastiksitzen, die nur von einer Werbebande vom Spielfeld getrennt ist. So nah ist man wohl nirgens sonst am Geschehen. Jederzeit besteht die Möglichkeit, dem Linienrichter auf die Schulter zu tippen und ihn diskret auf Fehlentscheidungen hinzuweisen. Die Ansagen des Schiedsrichters an die Akteure sind bestens zu verstehen, ein rundum einmaliges Erlebnis für ganze zehn Euro.

Womit wir schließlich auch beim Spiel angelangt wären, denn gegen das runde Leder wurde gestern ja auch noch getreten. Der OFC begann die Partie sehr entschlossen und bestimmte praktisch während der gesamten ersten Halbzeit das Geschehen, ohne dabei aber zunächst zu größeren Torchancen zu kommen. Nach einer guten halben Stunde gelang es schließlich Christian Cappek, die Offenbacher Überlegenheit in den hochverdienten Führungstreffer zu verwandeln. Zur Halbzeit gab es rundum zufriedene Gesichter unter den etwa tausend mitgereisten Kickers-Fans, das zweite Tor schien lediglich eine Frage der Zeit.

Doch leider kamen die Jungs von Rico Schmitt wie verwandelt aus der Kabine. Die zweiten 45 Minuten in Nöttingen gehören zu den schwächsten Darbietungen, die wir bislang in dieser Spielzeit vom OFC bewundern durften. Die Gastgeber waren jetzt das eindeutig bessere Team und brachten die Abwehr der Kickers ein ums andere Mal in arge Bedrängnis. Der OFC wehrte sich mit Befreiungsschlägen, die seltenen Angriffsbemühungen scheiterten an einer bemerkenswerten Häufung von Abspielfehlern. Letzten Endes war es Schlußmann Daniel Endres zu verdanken, dass den offensivstarken Hausherren nicht der eigentlich mehr als verdiente Ausgleichstreffer gelang. Gleich zweimal parierte unser Keeper scheinbar unhaltbare Torschüsse und rettete damit drei ebenso glückliche wie wertvolle Auswärtspunkte.

So bleibt nach diesem Spieltag an der Tabellenspitze der Regionalliga Südwest alles beim alten. Kickers Offenbach ist seit nunmehr 25 Spielen ungeschlagen, wird sich aber am Freitag gegen Koblenz steigern müssen, wenn diese eindrucksvolle Serie weiter Bestand haben soll. Neun Punkte und 8:0 Tore aus der englischen Woche sind eine großartige Bilanz, die lediglich durch die Leistungen in der ersten Halbzeit in Baunatal und der zweiten Hälfte in Nöttingen etwas getrübt wird. Wer aber aufsteigen will, muss auch solche Spiele wie gestern für sich entscheiden, und das ist dem OFC gelungen.

Man sieht sich am Freitagabend uff'm Bersch.

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FC Nöttingen - Kickers Offenbach 0:1
Sonntag, 5. April 2015, 14 Uhr
Panoramastadion, 1.405 Zuschauer

Mannschaftsaufsstellung: Daniel Endres, Maik Vetter, Giuliano Modica, Dennis Schulte, Sascha Korb (46. Kevin Wittke), Klaus Gjasula,  Benjamin Pintol, Martin Röser (90. Steven von der Burg), Fabian Bäcker (90. Gabriel Gallus), Christian Cappek, Markus Müller

Torschütze: 0:1 Cappek (36.)

















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