27. April 2015

Benfica - FC Porto 0:0


Benfica gegen Porto, das Spiel der Spiele in Portugal. Nicht umsonst war ich eigens nach Lissabon gereist, um den Klassiker am Westrand Europas nicht zu verpassen. In den letzten 40 Jahren stellten die beiden großen Klubs des Landes satte 36 Mal den Meister. Noch dazu betrug Benficas Vorsprung auf den Erzrivalen aus dem Norden fünf Spieltage vor Saisonende gerade einmal drei Punkte. Es war also angerichtet zum großen Showdown im Estádio da Luz.

Unnötig zu erwähnen, dass sich Benfica und Porto nicht unbedingt mögen. Verkaufsschlager am gestrigen Sonntag war ein eilends produzierter Fanschal, der mit den Worten "6:1 - Danke Bayern!" an die Niederlage Portos in der Champions League am vergangenen Dienstag erinnerte.

Unser Weg von der Metrostation zum Stadion dauerte länger als erwartet, da wir kurz vor dem Mannschaftsbus der Nordportugiesen ankamen. Eine Fußgängerbrücke zum Stadion wurde eigens gesperrt, um den Gästen eine störungsfreie Ankunft zu ermöglichen. Die darunter liegende Zufahrtsstraße zu den Stadionkatakomben war von Polizisten in Kampfmontur gesäumt, mehr Sicherheitsvorkehrungen sind wohl selbst bei einem Besuch von Frau Merkel in Athen nicht erforderlich.

Im Stadion selbst herrschte bereits ein Stunde vor dem Anpfiff eine freudige Feiertagsstimmung, die sich mit jeder Minute in Richtung Spielbeginn noch ein wenig steigerte. Nun bin ich eigentlich kein Freund von offiziell organisierten Choreographien, weil mich diese Art der Begeisterung immer ein wenig an Kundgebungen in Nordkorea erinnert. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich beim gestrigen Spektakel zur Hymne Benficas eine Gänsehaut bekam. Die Fotos unter dem Beitrag können die Atmosphäre nur ansatzweise vermitteln.

Weniger Gänsehaut überkam mich dafür im Verlauf der ersten Spielhälfte. Benfica agierte unsicher, wie schon vor einer Woche bei Belenenses gelang den Adlern kaum ein durchdachter Spielzug. Dazu kam am heutigen Sonntag eine für Benfica katastrophale Zweikampfbilanz, spätestens nach drei Stationen war der Ball in aller Regel wieder weg. Das torlose Remis zur Halbzeit war die logische Konsequenz eines bis dahin ereignisarmen Spiels.

Nach der Pause war Benfica zwar bemühter, doch nach wie vor gab es wenig Konstruktives zu bewundern, Torchancen blieben Mangelware. Ich kann nicht beurteilen, ob Benfica zum Saisonende die Luft ausgeht, oder ob Trainer Jorge Jesus schlichtweg von Anfang an auf ein Unentschieden aus war. Sollte letzteres der Fall sein, wäre dies eines Meisters eigentlich unwürdig.

Da es Porto aber während der gesamten Begegnung am Mut fehlte, die Partie selbst in die Hand zu nehmen, blieb es am Ende beim torlosen Unentschieden in einem schwachen Spiel. Gleichzeitig ging damit eine stolze Serie zuende, denn seit dem Amtsantritt von Coach Jesus im August 2009 hatte Benfica in 93 Heimspielen in Folge stets zumindest einen Treffer erzielt.

Titelverteidiger Benfica kann mit dem Remis jedoch wesentlich besser leben als die Gäste. Bei noch vier ausstehenden Spielen beträgt der Vorsprung nach wie vor drei Punkte. Hinzu kommt, dass in Portugal bei Punktgleichheit der direkte Vergleich zählt, den die Adler durch einen Auswärtssieg in Porto in der Hinrunde für sich entschieden haben. Es müsste also schon einiges passieren, sollte Rekordmeister Benfica den 34. Titelgewinn noch aus der Hand geben.

Die schönste Geschichte des Nachmittags habe ich mir aber dramaturgisch geschickt für den Schluss aufgehoben, denn ich war gestern nicht der Einzige im Estádio da Luz, dessen Herz für die Offenbacher Kickers schlägt. Mario, Oliver und Andi sind drei Freunde aus unserer schönen Heimat, die ebenfalls den portugiesichen Klassiker besuchten. Als perfekte Vorbereitung für ihren Trip nach Lissabon haben sie sich bereits zuhause Trikots von Benfica besorgt und diese im OFC-Fanshop mit dem Aufdruck "Kickers Offenbach" veredeln lassen.

Zwar hätte ich den Jungs ein attraktiveres Spiel gewünscht, aber beim Betrachten ihrer Bilder ist unschwer zu erkennen, dass sie auch so jede Menge Spaß hatten. Offenbacher sind eben überall, bessere Botschafter als dieses rot-weiße Trio kann sich der OFC nicht wünschen.

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S.L. Benfica - FC Porto 0:0
Sonntag, 26. April 2015, 17 Uhr
Estádio da Luz, 63.534 Zuschauer

Mannschaftsaufstellung: Júlio César, Maxi Pereira, Luisão, Jardel, Eliseu, Samaris, Gaitan, Pizzi (81. André Almeida), Talisca (64. Fejsa), Lima, Jonas (92. Ola John)








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