24. März 2015

Kickers Offenbach - Hessen Kassel 0:1

Nur vier Tage nach dem vermeintlichen Spitzenspiel gegen Elversberg erstrahlte bereits wieder das Flutlicht auf dem Bieberer Berg. Vor der Begegnung war die alles beherrschende Frage, wie sich der OFC nach den beiden letzten, doch ziemlich durchwachsenen Auftritten im heutigen Pokalspiel gegen Hessen Kassel präsentieren würde.

Zusätzliche Brisanz erhielt die Partie durch den Umstand, dass der Hessenpokal vielleicht nicht unbedingt die Magie der Champions League ausstrahlt, wirtschaftlich für die Kickers aber von enormer Bedeutung ist, da nur der Sieger dieses Wettbewerbs die Eintrittskarte zum lukrativen DFB-Pokal in der kommenden Saison löst.

Bei dieser Konstellation ist es eigentlich unverständlich, dass diese Begegnung, die ich einen Tag nach meinem 50. Geburtstag altersgerecht von der Haupttribüne aus verfolgte, vor der absoluten Minuskulisse von 2.318 Zuschauern ausgetragen wurde. Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass all jene, die heute nicht ins Stadion gekommen sind, nicht wirklich viel verpasst haben.

Vor dem Anpfiff wurden wir alle bei einer Schweigeminute zum Gedenken an die vielen Menschen, die heute auf einem Flug von Barcelona nach Düsseldorf ihr Leben verloren haben, sehr nachdrücklich daran erinnert, welch unglaubliches Privileg es ist, an einem Dienstagabend ein Fußballspiel um den Hessenpokal verfolgen zu dürfen.

Bei der Bekanntgabe der Mannschaftsaufstellung gab es viele erstaunte Gesichter. Wenn feste Größen wie Klaus Gjasula oder Markus Müller nur auf der Bank sitzen, darf man schon von einer "B-Elf" sprechen, mit der Rico Schmitt den Einzug ins Halbfinale bewerkstelligen wollte. Die Antwort, ob dies eine kluge Entscheidung war, gab es in der ersten Hälfte auf dem Platz. Sie war es nicht.

Denn in den ersten 45 Minuten lief nichts zusammen bei den Kickers. Mit dem 0:1 zum Pausenpfiff war der OFC noch gut bedient, die keineswegs überragend aufspielenden Gäste hätten zu diesem Zeitpunkt auch höher führen können. Auf Offenbacher Seite standen bis dahin null Torchancen und ein beängstigender Mangel an Ideen, der phasenweise schon in den letzten Begegnungen zu beobachten war.

Kurz nach dem Wechsel dann die erste Chance des Abends für die Kickers, die Benjamin Pintol aber nicht verwerten konnte. Der OFC war jetzt druckvoller und bestimmte nach der Einwechslung von Gjasula und Müller das Geschehen, lief dabei aber auch einige Male in gefährliche Konter der Hessen aus Kassel, die sich ansonsten darauf beschränkten, sich unter Schmerzensschreien auf dem Rasen zu winden und damit gepflegt Zeit von der Uhr zu nehmen.

Wie schon am Freitag spielten die Kickers nach einer gelb-roten Karte auch heute während der letzten Viertelstunde in Überzahl, belagerten gegen Ende einschließlich Torhüter Daniel Endres regelrecht das Tor der Gäste, kamen inklusive eines Kopfballs an den Pfosten noch zu vier Einschußmöglichkeiten, gingen aber trotzdem als Verlierer vom Platz.

So stand am Ende des Abends ein vor allem in finanzieller Hinsicht ganz bitteres Pokalaus. Der DFB-Pokal wird in der kommenden Spielzeit ohne Beteiligung der Offenbacher Kickers stattfinden, die sich jetzt voll und ganz auf die Regionalliga konzentrieren können. Und diese Konzentration wird bitter nötig sein, denn mit Leistungen wie in den letzten drei Begegnungen könnte das Erreichen der Aufstiegsspiele in Gefahr geraten.

Erklärungen wie "gut gekämpft, aber Pech gehabt" sind auf Dauer zu wenig für einen Tabellenführer, der mit einem Treffer aus den letzten drei Begegnungen am kommenden Samstag die Reise zum KSV Baunatal antritt. Ich wünsche Rico Schmitt, dass er in den bis dahin verbleibenden Tagen die richtigen Worte findet, um seinen Jungs den Ernst der Situation zu vermitteln. Hoffen wir, dass unsere Mannschaft in Nordhessen wieder zu der Form und Spielfreude zurückfindet, mit der sie uns in dieser Saison schon so oft begeistert hat.

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Kickers Offenbach - KSV Hessen Kassel 0:1
Dienstag, 24. März 2015, 19 Uhr
Sparda-Bank-Hessen-Stadion, 2.318 Zuschauer

Mannschaftsaufsstellung: Daniel Endres, Denis Mangafic, Giuliano Modica, Stefano Maier, Sascha Korb, Fabian Bäcker (77. Steven von der Burg), Maik Vetter, Matthias Schwarz (58. Klaus Gjasula), Jan Biggel, Martin Röser, Benjamin Pintol (58. Markus Müller)

Torschütze: 0:1 Müller (17.)

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