5. März 2015

Kickers Offenbach - Borussia MG 0:2

Seit der Auslosung im vergangenen Oktober hatte das Achtelfinale des DFB-Pokals alle in seinen Bann gezogen. Ich selbst gehörte zu jenen Unverbesserlichen, die Anfang Januar am ersten Tag des Vorverkaufs drei Stunden in der Warteschlange ausharrten, um endlich die begehrten Tickets in den Händen zu halten.

In den Tagen vor der Begegnung gab es in den Medien und den sozialen Netzen eigentlich nur noch ein Thema: Das große Spiel gegen die Borussia aus Mönchengladbach. Aus nah und fern strömten die Kickers-Nasen herbei, um ihren OFC gegen den scheinbar übermächtigen Gegner zu unterstützen. Stunden vor der Partie saß ich mit Freunden bei einem sehr frühen Abendessen. Unter ihnen Matthias, der eigens aus Berlin angereist war.

Die ARD, Sky und sogar der amerikanische Sender ESPN zeigten das Spiel live, die Waldemar-Klein-Tribüne trug mit einer sehenswerten Choreographie ihren Teil zum festlichen Ambiente bei. Es wehte ein Hauch der großen Fußballwelt über den neuen Bieberer Berg, der erstmals in seiner noch jungen Historie bis auf den letzten Platz ausverkauft war.

Kickers Offenbach hat sich auf dieser großen Bühne eindrucksvoll präsentiert. In der ersten Halbzeit war nichts von einem Klassenunterschied zu sehen. Auch dass die Jungs von Rico Schmitt seit über drei Monaten kein Pflichtspiel mehr bestreiten konnten, machte sich zunächst nicht bemerkbar. Keine 60 Sekunden waren gespielt, schon gab es eine Ecke für den OFC, eine Minute später schoß Christian Cappek erstmals auf das Gladbacher Tor.

Die Offenbacher bestimmten mit einer sowohl kämpferisch als auch spielerisch überzeugenden Leistung das Geschehen und kümmerten sich sogar darum, vor dem eigenen Tor für etwas Gefahr zu sorgen. Stefano Maier lenkte nach zehn Minuten den Ball an den eigenen Pfosten und bescherte den Gästen damit ihre einzige Chance im ersten Durchgang. Zur Pause sah man auf der Waldemar-Klein-Tribüne überall zwar dichtgedrängte, aber zufriedene Gesichter. So stark hatten wohl selbst die größten Optimisten ihre Kickers nicht erwartet.

Im zweiten Durchgang begann der OFC etwas verhaltener, begegnete den Fohlen aber bis zur 52. Minute weiter auf Augenhöhe. Dann aber wehrte Markus Müller einen hoch in den Offenbacher Strafraum geschlagenen Eckball mit weit nach oben gestreckten Arm ab. Lähmendes Entsetzen auf den Rängen, einen unstrittigeren Elfmeterpfiff hat man auf Biebers Höhen wohl selten gehört. Was unseren Stürmer zu dieser Aktion veranlasst hat, kann er wohl selbst nicht mehr erklären. Max Kruse nahm das Geschenk jedenfalls dankbar an und erzielte vom Elfmeterpunkt das Führungstor der Gäste.

Der erste Treffer des Abends bedeutete gleichzeitig einen Bruch in der Begegnung. Zwar versuchte der OFC weiterhin im Spiel zu bleiben, Mönchengladbach war jetzt aber die bessere Mannschaft. Patrick Herrmanns Tor sieben Minuten vor dem Ende besiegelte schließlich das Pokalaus der Kickers.

Was bleibt von diesem Abend? Kickers Offenbach ist in der Lage, einem Tabellendritten der Bundesliga und Teilnehmer an der Europa League über weite Strecken Paroli zu bieten. Dass man sich schlußendlich ein bisschen selbst geschlagen hat ist ärgerlich, sollte aber kein Anlaß sein, die Köpfe hängen zu lassen. Ganz im Gegenteil: Wenn unsere Spieler in der Lage sind, die gestern gezeigte Leistung in den jetzt folgenden Begegnungen der Regionalliga auch nur annähernd abzurufen, dürfte die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga nicht mehr in Gefahr geraten.

Schon in vier Tagen geht es auf dem Bieberer Berg gegen die U23 des SC Freiburg wieder um Ligapunkte. Bei allem Glanz, den der DFB-Pokal ausstrahlt, ist das im Zweifelsfall die für die Zukunft der Offenbacher Kickers wichtigere Begegnung. Markus Müller wünsche ich am Sonntag eine bärenstarke Leistung mit ein oder zwei Treffern, damit er seinen Blackout so schnell wie möglich vergessen kann. An Unterstüzung von Seiten der Kickers-Fans wird es ihm dabei nicht mangeln.

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Kickers Offenbach - Borussia Mönchengladbach 0:2
Mittwoch, 4. März 2015, 20.30 Uhr
Sparda-Bank-Hessen-Stadion, 20.500 Zuschauer

Mannschaftsaufsstellung: Daniel Endres, Maik Vetter, Giuliano Modica, Stefano Maier, Denis Mangafic, Klaus Gjasula, Martin Röser (72. Sascha Korb), Matthias Schwarz, Benjamin Pintol, Christian Cappek, Markus Müller (64. Fabian Bäcker)

Torschützen: 0:1 Kruse (52. HE), 0:2 Herrmann (83.)


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