12. Dezember 2014

Benfica - Bayer Leverkusen 0:0

Dass mein Herz neben dem OFC auch Benfica Lissabon gehört, ist für Leser meines Blogs nichts Neues. In dieser Saison habe ich mir den Besuch aller drei Gruppenspiele der Champions League im Estádio da Luz gegönnt, was im Nachhinein rein sportlich betrachtet sicher nicht die klügste Entscheidung war.

Absoluter Höhepunkt sollte dabei natürlich das Gastspiel von Bayer Leverkusen werden, doch leider war genau diese Partie für Benfica praktisch bedeutungslos, da die Adler bereits vor dem letzten Spieltag als Gruppenletzter feststanden.

Dass der Auftritt der Werkself in Lissabon für mich trotzdem zum ungewöhnlichsten Spiel in meiner inzwischen schon ziemlich langen Fankarriere werden sollte, lag an einem Anruf zwei Wochen zuvor, als der Pressereferent Benficas bei mir anfragte, ob ich nicht Zeit und Lust hätte, am letzten Spieltag der Königsklasse als Dolmetscher zu fungieren.

Vier Tage vor der Begegnung erhielt ich per Mail meinen Fahrplan in die große Fußballwelt: Am Montag Pressekonferenzen und das Abendessen der Vereinsvorstände, am Dienstag die deutschen Stadiondurchsagen und die abschließenden Pressekonferenzen. Und alles bitte ordentlich mit Anzug und Krawatte.

Um 18 Uhr am Montag beginnt mit der Pressekonferenz von Trainer Roger Schmitt und Kapitän Simon Rolfes das offizielle Programm. Eine Stunde zuvor bin ich im Stadion und bekomme von Benficas Pressechef Ricardo Lemos meine Instruktionen: Am Ende eines jeden Statements die Frage des Journalisten und die Antwort zusammenfassen, niemals die Statements unterbrechen, keine eigene Meinung äußern. Kurz vor Beginn der PK füllt sich der Saal mit etwa 50 Journalisten und erstaunlich vielen Kamerateams. Als die Verantwortlichen von Bayer mit ihrem Pressesprecher Dirk Mesch eintreffen, werde ich kurz vorgestellt, dann geht es direkt aufs Podium.

Eine Stunde später folgt der Auftritt von Benficas Cheftrainer Jorge Jesus und Nachwuchstalent João Teixeira. Zuvor erkundigt sich Jorge Jesus sehr nett bei mir, wie es um alles in der Welt dazu kommt, dass ein Deutscher seine Sprache spricht. Immerhin vier portugiesische Fernsehsender übertragen die Pressekonferenz live, so dass auch ich mich eine gute Viertelstunde lang im Glanz der Königsklasse sonnen kann.

Im Auto von Vizepräsident Rui Cunha geht es anschließend zum Restaurant Via Graça, in das der Vorstand von Benfica seine Kollegen aus der Farbenstadt eingeladen hat. Als ich die Sitzordnung sehe, macht mein Herz einen Freudensprung: Mir gegenüber sitzt Nuno Gomes, zu meiner Linken Rudi Völler, einen Platz weiter José Eduardo Moniz, einer der angesehenste Fernsehjournalisten Portugals. Das Via Graça bietet seinen Gästen einen spektakulären Ausblick auf das nächtliche Lissabon, auf dem Menü stehen Pata Negra, Muscheln, Hummer und flambierte Crêpes.

Doch obwohl gutes Essen und ein schöner Wein eigentlich zu meinen großen Leidenschaften gehören, nehme ich die Gänge an diesem Abend kaum wahr. Viel zu interessant sind die Tischgespräche, besonders wenn Nuno Gomes und Rudi Völler von alten Zeiten erzählen. Gegen Ende des Abends hält Rui Cunha eine sehr warmherzige Rede, die ich ins Deutsche übersetze. Bayer-Geschäftsführer Michael Schade bedankt sich auf Englisch. In keiner Stadt hat die Werkself im Rahmen internationaler Begegnung bislang häufiger gespielt, als in Lissabon, man freut sich bereits auf ein Wiedersehen. Ganz zum Schluss bekommt jeder der zwölf Essensteilnehmer den offiziellen Spieltagswimpel von Benfica überreicht. Mehr kann man von einem Montag nicht verlangen.

Am Dienstag bin ich zwei Stunden vor dem Anpfiff wieder im Stadion. Fürs erste ist heute Stadionsprecher Paulo Farol mein Chef, dessen Stimme mir von unzähligen Heimspielen im Estádio da Luz bestens vertraut ist. Mit ihm stehe ich vor und während der Begegnung am Spielfeldrand und mache die Stadiondurchsagen in deutscher Sprache. In den Katakomben treffe ich auf viele bekannte Gesichter, Benficas Sportdirektor Rui Costa ist ebenso mit von der Partie wie die Moderatoren Jessica Kastrop oder Wolf-Dieter Poschmann.

Auf der abschließenden Pressekonferenz nach der Begegnung bedauert Roger Schmitt, dass es seinem Team in den beiden letzten Spielen gegen Monaco und Benfica nicht gelungen ist, den Gruppensieg unter Dach und Fach zu bringen. Trotzdem fällt sein Fazit insgesamt positiv aus, immerhin steht Bayer im Achtelfinale der Königsklasse. Jorge Jesus ist mit dem Auftreten seiner B-Elf zufrieden, lediglich die mangelhafte Chancenverwertung habe einen Heimsieg von Benfica verhindert.

Gegen 22.30 Uhr schalte ich mein Mikrofon aus und werfe einen letzten Blick in das weite Rund des Estádio da Luz, dass jetzt nur noch spärlich beleuchtet ist und so noch magischer wirkt als sonst. Wer weiß, vielleicht trifft Benfica in der kommenden Spielzeit ja wieder auf einen Gegner aus der Bundesliga. Ich hätte jedenfalls nichts dagegen.

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S.L. Benfica - Bayer Leverkusen 0:0
Dienstag, 9. Dezember 2014, 19.45 Uhr
Estádio da Luz, 17.564 Zuschauer

Mannschaftsaufstellung: Artur, André Almeida, Lisandro Lopez, César, Benito, Cristante, Bebé (João Teixeira), Ola John, Pizzi, Lima (62. Talisca), Derley (76. Nelson Oliveira)











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