25. Oktober 2014

Eintracht Trier - Kickers Offenbach 0:1

Zum zweiten Mal innerhalb von vierzehn Tagen machen wir uns Freitagnachmittags auf den Weg, den OFC in der Fremde zu unterstützen. Um die vielen Staus zum Wochenende zu umfahren, wählen wir die landschaftlich reizvolle Route über die Bundesstraße. Anders als vor zwei Wochen gibt es diesmal keine Verkehrsprobleme. Unterwegs scheint eine schüchterne Herbstsonne auf den Hunsrück, der mir das manchmal schöne, meist jedoch eher beängstigende Gefühl gibt, alleine auf dieser Welt zu sein.

Bereits 90 Minuten vor dem Anpfiff erreichen wir Trier, und das ist gut so. Das Moselstadion liegt mitten in einem Wohngebiet, an zwei Seiten des niedrigen Ovals geniesst man von den benachbarten Wohnhäusern aus relativ freie Sicht aufs Spielfeld. Eine Option, von der zumindest gestern kein Anwohner gebrauch macht. Nach Hinweisen auf Parkmöglichkeiten sucht man jedoch auch auf der Hauptstraße vergebens, was die Orientierung für Ortsunkundige nicht unbedingt erleichtert.

Völlig desorientiert ist die ältere Dame an der Kasse am Haupteingang. Unser Wunsch nach Gästekarten bringt sie dermaßen aus dem Konzept, dass der darauf folgende Dialog einem Roman von Franz Kafka entsprungen sein könnte. Die Frage, was wohl geschähe, würde sich eine größere Anzahl potentieller Stadionbesucher an ihrem Kassenhäuschen anstellen, beschäftigt uns noch auf der Heimfahrt.

Nachdem wir überglücklich die begehrten Tickets in den Händen halten, bleibt immer noch genügend Zeit, um die Stadiongastronomie einem ausgiebigen Test zu unterziehen, aus dem die Trierer Rostbratwurst als eindeutigen Sieger hervorgeht. Ziemlich weit abgeschlagen auf Rang zwei landet die Chili-Rindswurst. Dazu ein drei Becher ordentliches Bitburger Pils, und schon kann die Partie beginnen.

Auch wenn der OFC bereits kurz nach Spielbeginn eine erste Chance durch Christian Cappek verbucht, zeigt der Gastgeber mit dem für Offenbacher Ohren so unschön klingenden Namen im Verlauf der ersten Spielhälfte, dass man dem Tabellenführer das Feld nicht kampflos überlassen will.

Zwar kommen die ganz in Rot spielenden Kickers nach einer Viertelstunde durch einen Fernschuss von Matthias Schwarz zu einer weiteren Gelegenheit, ansonsten aber bestimmt Trier das Spiel, ohne jedoch die OFC-Abwehr in all zu große Bedrängnis zu bringen. Insgesamt erinnert die Vorstellung unserer Mannschaft bis zum Pausenpfiff ein wenig an die zweite Hälfte gegen Waldhof am vergangenen Sonntag.

Als Entschädigung bot die Pause dann einiges an Abwechslung. Erst entdecken wir, dass das örtliche Freudenhaus zum Sponsorenkreis der Gastgeber gehört, dann erfreuen uns an einer Werbedurchsage mit den wohlklingenden Worten "Spüren Sie den Wind des Wechsels". Soviel Poesie in einem Fußballstadion ist nicht alltäglich. Noch ein Bitburger, und schon geht es weiter.

Die zweite Halbzeit wird deutlich lebhafter und besser als der erste Durchgang. Zunächst stellt Daniel Endres einmal mehr unter Beweis, dass er sich gerade in der Form seines Lebens befindet. Dann aber übernehmen die Kickers zunehmend das Ruder und setzen die Gastgeber unter Druck.

In dieser Drangphase fällt unser Siegtreffer durch den erst kurz zuvor eingewechselten Benjamin Pintol, dem in der 72. Minute nach dem schönsten Spielzug der Begegnung per Kopf das Tor des Tages gelingt. In den letzten Minuten wird die Partie unnötig hektisch. Anstatt weiter auf eigene Angriffe zu setzen, rettet der OFC den knappen Vorsprung mit viel Kampfgeist und unzähligen Befreiungsschlägen über die Zeit.

Alles in allem ein etwas glücklicher Arbeitssieg unserer Mannschaft, doch danach fragt schon nach diesem Wochenende niemand mehr. Wer am Ende einer langen Saison in die Aufstiegsrelegation will, muss gerade solche Begegnungen für sich entscheiden, und das tun die Kickers derzeit mit einer fast schon gnadenlosen Effektivität.

Jetzt können wir entspannt beobachten, wie sich die Konkurrenz an diesem Spieltag schlägt und uns auf die kommende Woche freuen. Schon am Dienstag ist Pokalabend uff'm Bersch, 12.000 Eintrittskarten sind bereits verkauft. Der Berg wird beben.

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Eintracht Trier - Kickers Offenbach 0:1
Freitag, 24. Oktober 2014, 19.30 Uhr
Moselstadion, 2.393 Zuschauer

Mannschaftsaufstellung: Daniel Endres - Dennis Schulte, Giuliano Modica, Alexandros Theodosiadis, Klaus Gjasula - Sascha Korb, Jan Biggel (65. Benjamin Pintol), Matthias Schwarz (88. Maik Vetter), Christian Cappek - Fabian Bäcker (65. Denis Mangafic), Markus Müller

Torschützen: 0:1 Pintol (72.)











1 Kommentar:

  1. Ein sehr stimmiger Bericht der den gestrigen Abend umfassend wiedergibt. Ein interessanter Aspekt im Moselstadion ist auch die Preisgestaltung im Bereich der Vorder-, überdachten Vorder- und Haupttribüne. Auf drei Meter Distanz gibt es die Preiskategorien 12, 17 und 22 Euro. Faszinierend.

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