11. Oktober 2014

1. FC Saarbrücken - Kickers Offenbach 1:1

Ich liebe Fußballspiele, die an einem Freitagabend im Herbst ausgetragen werden. Flutlicht, Nieselregen, Bratwurstduft, und das Wochenende hat noch garnicht richtig angefangen. Dumm nur, wenn die Partie nicht auf dem Bieberer Berg, sondern im 190 Kilometer entfernten Saarbrücken ausgetragen wird. Dann lautet der Preis für das Fußballvergnügen Stau, Stau und nochmals Stau. Stolze dreieinhalb Stunden benötigten wir gestern für eine Anreise, die man normalerweise gemütlich in 120 Minuten hinter sich bringt.

Doch die Vorstellung der Offenbacher Kickers gestern im Ludwigspark rechtfertigt jeden Stau der Welt. Im Topspiel der beiden Erstplatzierten der Regionalliga Südwest demonstrierte der OFC auf eindrucksvolle Weise, dass er bereits in dieser Spielzeit ein sehr ernstzunehmender Aufstiegskandidat ist.

Man muss schon ziemlich lange zurückdenken, um sich an einen sowohl in spielerischer als auch kämpferischer Hinsicht derart überzeugenden Auftritt unserer Mannschaft zu erinnern. Obwohl die Partie "nur" unentschieden endete, herrschte nach dem Abpfiff allenthalben Euphorie unter den Kickersanhängern, denn dieser OFC spielt einfach richtig guten Fußball.

Dabei begann es denkbar schlecht für die Kickers, die zwar von Beginn an das Geschehen im Ludwigspark bestimmten, nach der ersten Ecke des Tabellenführers in der 13. Minute aber unversehens einem Rückstand nachlaufen mussten. In der Folge tat Offenbach weiter mehr für das Spiel, musste dabei aber einige brenzlige Angriffe der Saarbrücker überstehen, die zweimal kurz davor standen, ihre Führung auszubauen.

Erst acht Minuten vor dem Ende der Partie fiel schließlich der hochverdiente Ausgleichstreffer. Nach einer nicht enden wollenden Serie von Torschussversuchen, bei denen der Ball bereits gefühlte fünf oder sechs Mal im Netz zappelte, fälschte am Ende Christian Cappek einen Weitschuss des gerade erst eingewechselten Steven von der Burg zum erlösenden 1:1 ab.

Nach Chancen gerechnet war dies ein gerechtes Unentschieden, bei dem der OFC aber die mutigere und für mich auch bessere Mannschaft war. Jetzt haben die Kickers am Sonntag nächster Woche im Nachholspiel gegen den von uns allseits hochgeschätzten SV Waldhof eine wunderbare Gelegenheit, die Tabellenführung zurückzuerobern. Ich bin mir ganz sicher, dass der Berg am 19. Oktober bebt, denn unsere Mannschaft hat nichts anderes verdient.

Schade war gestern nur, dass lediglich 7.000 Zuschauer eine Spitzenbegegnung sehen wollten, die diese Bezeichnung völlig zurecht trug. Zieht man die weit über tausend aus Offenbach mitgereisten Fans ab, liegt die Vermutung nahe, dass der 1. FC Saarbrücken seine Anhänger nach dem Abstieg trotz Tabellenführung noch nicht gänzlich zurückgewonnen hat.

Vielleicht liegt es ja auch am Stadion, denn der Ludwigspark ist nun wahrlich in die Jahre gekommen. Das weite Rund mit der Laufbahn um das Spielfeld versprüht bestenfalls den Charme osteuropäischer Arenen der 1970er Jahre. Die heimischen Fans hinter dem Tor sind so weit vom Spielfeldrand entfernt, dass sie gestern in der Dunkelheit von unseren Plätzen aus kaum noch wahrzunehmen waren. Der Wunsch vieler Saarbrücker Anhänger nach einer neuen Spielstätte ist daher mehr als verständlich.

Eine neue Spielstätte könnte vielleicht auch einige infrastrukturelle Probleme lösen, die um den Ludwigspark herum bestehen. Die Parkplatzsituation ist chaotisch, das Stadion liegt zudem direkt an einer Hauptstrasse, was zu gewaltigen Staus führt und eine Fantrennung praktisch unmöglich macht. Die Vorstellung, wie es um den Ludwigspark herum zugehen könnte, würde der FCS statt vor 7.000 Zuschauern einmal vor ausverkauftem Haus spielen, hat jedenfalls etwas beängstigendes.

Abschließend noch ein Lob für die Stadionwurst, denn mit den im Ludwigspark angebotenen Lyonern gehört der 1. FC Saarbrücken eindeutig in die Spitzengruppe der Liga.

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1. FC Saarbrücken - Kickers Offenbach 1:1
Freitag, 10. Oktober 2014, 19 Uhr
Ludwigsparkstadion, 7.011 Zuschauer

Mannschaftsaufstellung: Daniel Endres - Klaus Gjasula, Dennis Schulte, Giuliano Modica, Alexandros Teheodosiadis - Denis Mangafic, Matthias Schwarz (75. Benjamin Pintol), Martin Röser (80. Steven von der Burg), Jan Biggel (66. Fabian Bäcker) - Christian Cappek, Markus Müller

Torschützen: 1:0 Döringer (13.), 1:1 Cappek (82.)






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