28. September 2014

Estoril Praia - Benfica 2:3

Am sechsten Spieltag der portugiesischen Liga stand für Benfica mit dem Spiel bei Estoril Praia die kürzeste Auswärtsreise der Saison auf dem Kalender, denn gerade einmal 30 Kilometer trennen den Badeort von Lissabon. Dort wartete ein kleiner, aber nicht zu unterschätzender Gegner, der erst 2012 wieder in die erste Liga aufgestiegen ist, sich in den beiden vergangenen Spielzeiten aber jeweils für die Europa League qualifizierte.

Hauptgrund für die jüngsten Erfolge ist die Kooperation mit der brasilianischen Spieleragentur Academia Traffic, der der Klub mittlerweile zu 75 Prozent gehört. Traffic ist seit Jahrzehnten ein Global Player im Fußballgeschäft. Die Nachwuchsschmiede bildet auf ihrem 125.000 Quadratmeter großen Areal in der Nähe von São Paulo pro Jahr etwa 200 Spieler aus, um sie anschließend bevorzugt nach Europa zu transferieren. Dass Traffic dabei stets 50 Prozent der späteren Transferrechte behält, wird häufig kritisiert.

Für mich war die Fahrt mit der Küstenbahn eine Reise in eine sehr schöne Vergangenheit, da ich Ende der 1980er-Jahre ein Jahr lang fast in Rufweite des Estádio António Coimbra da Moita gewohnt habe. Das kleine Stadion liegt mitten in einem Wohngebiet, etwa einen Kilometer Luftlinie vom Atlantik entfernt und wurde erst kürzlich für die Spiele in der Europa League modernisiert. Mittlerweile passen 8.000 Zuschauer auf die drei Tribünen, die selten von mehr als 2.000 Fans bevölkert werden. So brachte die Invasion aus der Hauptstadt gestern einige logistische Probleme mit sich, denn erstmals war das frisch renovierte Stadion praktisch ausverkauft.

Unter den dicht gedrängten Benfiquistas auf den Rängen herrschte von Beginn an eine Festtagstimmung, die nichts mit der oft kühlen Atmosphäre im halbleeren Estádio da Luz gemein hat. Dass Benfica schon nach acht Minuten nach einem Doppelschlag von Talisca mit 0:2 in Führung lag, steigerte die gute Laune natürlich nochmals ganz ungemein. Doch wie schon so häufig nahmen die Spieler von Benfica nach einer überlegenen ersten halben Stunde den Fuß zu sehr vom Gas, so dass Estoril immer besser ins Spiel kam und die Partie zu Beginn der zweiten Halbzeit ausgleichen konnte. Erst nach einer gelb-roten Karte für Cabrera kontrollierten die Adler wieder das Geschehen, Lima erzielte nur vier Minuten später promt den Siegtreffer und bescherte Benfica damit drei wichtige Punkte aus einem guten und spannenden Spiel.

Nachdem sich bereits am Freitagabend Sporting und Porto unentschieden getrennt hatten, steht der portugiesische Rekordmeister jetzt mit vier Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze, was nach nur sechs Spieltagen schon ein beachtliches Polster ist.

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Estoril Praia - S.L. Benfica 2:3
Samstag, 27. September 2014, 18.30 Uhr
Estádio António Coimbra da Mota, 7.587 Zuschauer

Mannschaftsaufstellung: Artur, Luisão, Samaris (69. Ola John), Nico Gaitan, Lima (89. André Almeida), Maxi Perreira, Salvio, Eliseu, Talisca (61. Derley), Jardel, Enzo Pérez

Torschützen: 0:1 Talisca (3.), 0:2 Talisca (8.), 1:2 D. Amado (38.), 2:2 Kleber (53.), 2:3 Lima (70.)

Platzverweis: Cabrera (66.)


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