21. August 2014

Sommerschlußverkauf bei Benfica

Es ist wohl so etwas wie der Fluch der guten Tat. Nachdem Benfica in der vergangenen Spielzeit das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Ligapokal gewann und in der Europa League erst im Finale scheiterte, klopften Klubs aus ganz Europa in Lissabon an, um die besten Akteure des portugiesischen Rekordmeisters zu verpflichten.

Nun sind namhafte Abgänge nichts Neues für den Verein, der mit rund 235.000 Mitgliedern noch immer der größte Fußballklub der Welt ist. Denn die Erlöse, die sich im kleinen, von der Wirtschaftskrise gebeutelten Portugal aus Sponsoring und Fernsehgeldern erzielen lassen, sind einfach zu gering, als dass man wirtschaftlich mit den großen Namen aus England, Spanien oder Deutschland mithalten könnte. Also muß Benfica nach jeder Saison Transferüberschüsse erzielen, um eine international konkurrenzfähige Mannschaft finanzieren zu können.

Dabei gehört Benfica bei der Erschließung neuer Einnahmequellen zu den innovativsten Akteuren der globalen Fußballszene. So sind die Adler aus Lissabon der einzige Klub, dessen Fernsehsender exklusiv sämtliche Heimspiele der Liga überträgt und dazu noch die englische Premier League im Programm hat. Innerhalb nur eines Jahres überflügelte Benficas Kanal BTV den Sender SporTV als meistabonnierter Bezahlsender für Fußball in Portugal. Dazu hat der Verein des legendären Eusébios im vergangenen Jahr sein neues, stolze 4.000 Quadratmeter umfassendes Museum eröffnet, das inzwischen zu den meistbesuchten Attraktionen der portugiesischen Hauptstadt gehört.

Trotz dieser beispielhaften Aktivitäten muß Benfica jedoch Jahr für Jahr talentierte junge Spieler aufspüren, um sie später mit möglichst hohem Gewinn wieder abzugeben. Allein die Transfers von Axel Witsel, Ángel di María, Fábio Coentrão, David Luiz, Nemanja Matić, Ramires und Javi García spülten in den vergangenen drei Jahren über 200 Millionen Euro in die Klubkasse und sind ein Beleg für die ausgezeichnete Talentförderung im Estádio da Luz.

Doch bereits im vergangenen Winter war die wirtschaftliche Situation des seit über zehn Jahren von Präsident Luís Filipe Vieira geführten Vereins offensichtlich wieder so angespannt, dass der spanische U21-Nationalspieler Rodrigo sowie Nachwuchstalent André Gomes für 45 Millionen Euro an die Meriton Capital Holding des singapurischen Milliardärs Peter Lim transferiert wurden. Meriton steht kurz vor der Übernahme des FC Valencia, zu dem beide Spieler nach Saisonende wechselten.

Dass in diesem Sommer mit dem Banco Espirito Santo auch noch die Hausbank Benficas kollabierte, ließ für die Finanzlage der Adler nichts Gutes erahnen. Folgerichtig kam es während der Sommerpause zu einem historischen Aderlaß, denn neben Rodrigo und André Gomes verließen Benfica auch Lazar Markovic (FC Liverpool), Jan Oblak (Atlético Madrid), Ezequiel Garay (Zenit St. Petersburg), Óscar Cardozo (Trabzonspor), Alan Kardec (FC São Paulo) und Stefan Mitrovic (SC Freiburg). Diese Transfers bescherten dem Verein nochmals über 100 Millionen Euro, von denen bislang lediglich 24 Millionen Euro reinvestiert wurden. Teuerster Neuzugang ist vorerst der erst zwanzigjährige Brasilianer Talisca. Der offensive Mittelfeldspieler wurde für 4 Millionen Euro vom EC Bahia verpflichtet. Die prominenteste Verstärkung ist aber zweifellos der brasilianische Nationaltorhüter Júlio César, der ablösefrei von den Queens Park Rangers nach Lissabon wechselte.

Leider ist das Ende der Fahnenstange damit aber wohl noch nicht erreicht. Denn auch wenn es unter den um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Mannschaft besorgten Benfiquistas keiner so recht hören will, dürfte der Verlust von Enzo Pérez noch vor dem Ende der Transferperiode am 31. August so gut wie sicher sein. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird Peter Lim erneut in seine gut gefüllte Brieftasche greifen, und den argentinischen Nationalspieler für 30 Millionen Euro zum FC Valencia holen.

Wie zum Trotz gewann die runderneuerte Mannschaft der Adler vor zwei Wochen den portugiesischen Supercup und zeigte auch am vergangenen Sonntag beim 2:0 gegen Paços de Ferreira eine überzeugende Leistung. Ironischerweise gewann Benfica damit erstmals nach zehn Jahren wieder ein Auftaktspiel in der heimischen Liga. Fraglich ist jedoch, ob die Qualität des Kaders auf Dauer für die Anforderungen in Liga, Pokal und Champions League ausreicht, zumal Dauerrivale FC Porto nach schmachvollen 13 Punkten Rückstand auf Benfica in der vergangenen Spielzeit enorm aufgerüstet hat, und alles daran setzen wird, den im sechsten Jahr von Trainer Jorge Jesus betreuten Meister wieder vom Thron zu stoßen.

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