29. August 2014

Familientreffen in der Königsklasse

Real gegen Liverpool, Dortmund gegen Arsenal, die Bayern gegen Manchester City oder Barça gegen PSG: In der Champions League treffen bereits in der Gruppenphase einige der Schwergewichte des europäischen Fußballs aufeinander. Im Schatten dieser Topbegegnungen hat in meinen Augen die gestrige Auslosung der Königsklasse in der Gruppe C die sportlich attraktivste Konstellation ergeben, und das nicht nur, weil "mein" Benfica dort spielt.

Benfica Lissabon, Zenit St. Petersburg, Bayer Leverkusen und der AS Monaco stehen sich in dieser Gruppe auf Augenhöhe gegenüber. Kurioserweise ist Bayer dabei das einzige Team, dass nicht von einem Trainer aus Portugal betreut wird. Dazu kommt es aus der Sicht von Benfica zum Wiedersehen mit so zahlreichen alten Bekannten, dass die Gruppenphase zu einer Art Familientreffen wird.

Den Anfang macht Zenit St. Petersburg, in dessen Reihen mit Ezequiel Garay, Javi García und Axel Witsel gleich drei ehemalige Benficaprofis stehen. Beim russischen Vizemeister spielen zudem die portugiesischen Nationalspieler Danny und Luís Neto, auch Trainer André Villas-Boas ist Portugiese. Den ambitionierten Coach kennen die Benfiquistas ebenso aus dessen Zeiten beim FC Porto wie den brasilianischen Nationalstürmer Hulk, der sein Geld inzwischen auch in der zweitgrößten Stadt Russlands verdient.

Weiter geht es mit dem AS Monaco, der sich Dank der Milliarden von Klubeigner Dimitri Rybololew mittlerweile genau wie Zenit aus den Feinkostregalen des Weltfußballs bedienen kann. Drei portugiesische Auswahlspieler, Ricardo Carvalho, João Moutinho und Bernardo Silva, der erst vor Beginn dieser Saison auf Leihbasis von Benfica nach Monaco wechselte, tragen das Trikot des kleinen Vereins aus dem Fürstentum. Dort steht mit Leonardo Jardim ein Trainer aus Portugal an der Seitenlinie, der schon den Lokalrivalen Sporting Lissabon betreute. Mit dem Kolumbianer Radamel Falcao verfügen die Monegassen zudem über einen Weltklassestürmer, der seine Anfangszeit in Europa beim FC Porto verbrachte.

Am letzten Spieltag reist schließlich Bayer Leverkusen nach Lissabon, dass sich mit Spielern wie Hakan Çalhanoğlu, Josip Drmic oder Tin Jedvai, vor allem aber mit Trainer Roger Schmidt exzellent verstärkt hat. Regelmäßige Leser meines Blogs wissen, dass mir "der Bayer" keineswegs gleichgültig ist. Das liegt zum einen an der seit mehr als 30 Jahren bestehenden Fanfreundschaft mit Kickers Offenbach, aber noch mehr an der Tatsache, dass ich unter den Anhängern der Werkself einige sehr nette Freunde habe und regelmäßig im Neverkusen Podcast auftreten darf. Dass ich noch dazu vor 20 Jahren im alten Ulrich-Haberland-Stadion das epische 4:4 zwischen Bayer und Benfica im Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger miterleben durfte, steigert meine Vorfreude auf diese Begegnungen zusätzlich.

Wie steht es um die Chancen Benficas? Wie eingangs erwähnt, kann in dieser Gruppe C an einem guten Tag jeder jeden schlagen. Dennoch zählt Benfica für mich nicht zu den Favoriten auf ein Überwintern in der Champions League, weil der Aderlass vor dieser Spielzeit zu groß war. Zwar konnten sich die Adler mit dem griechischen Mittelfeldspieler Andreas Samaris und dem brasilianischen Nationaltorhüter Júlio César verstärken, damit aber nicht die Abgänge von Rodrigo, André Gomes, Lazar Markovic, Jan Oblak, Ezequiel Garay und Óscar Cardozo kompensieren. Die Qualität des Kaders wird für die Dreifachbelastung aus Liga, Pokal und Champions League nicht ausreichen, deshalb sind für mich Bayer und Zenit die Hauptkandidaten für den Gruppensieg, während sich Benfica wohl mit Monaco um den Platz in der Europa League streiten wird. Es würde mich sehr freuen, sollte ich mich irren.

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