22. Juli 2014

Kickers im Haus der Stadtgeschichte

Gleich zwei Veranstaltungen widmet das Haus der Stadtgeschichte Offenbach am Main im Herbst dem OFC. Bis dahin ist zwar noch ein wenig Zeit, trotzdem möchte ich schon heute auf beide Vorträge hinweisen, die sicher spannend werden.

Sonntag, 7. September 2014, 15 Uhr
"Kickers für Deutschland – Die Kickers im Herzen, den Adler auf der Brust"
Vortrag von Harald Spoerl (Kickers Fanmuseum)

Harald Spoerl, ehrenamtlicher Betreuer des Kickers-Fanclubarchivs, berichtet über Geschichten rund um die A-, B- und Amateurnationalspieler des Offenbacher Fußball Club Kickers 1901 e.V. Es wird von "inoffiziellen" Länderspielen die Rede sein, von Einsätzen in Auswahlteams bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, wie auch von der süddeutschen Auswahl und der Stellung der Nationalmannschaften im Laufe der verschiedenen Ligareformen. Bei 20 A- bis 15 B- und fast hundert Amateurländerspielen sind in den Aufstellungen Spielernamen von Kickers Offenbach zu finden. Es werden somit Spieler genannt, die von der jeweiligen Jugend als ihre Helden verehrt wurden, aber nur auf der Ersatzbank das Nationaltrikot tragen durften. Der OFC zählte zwischen 1946 und 1963 zu den zwanzig stärksten Mannschaften Deutschlands, wurde aber vom Deutschen Fußball-Bund nicht protegiert. Nur Gerhard Kaufhold und Berti Kraus spielten unter Sepp Herbergers Regie. Nach einigen Auf und Abs spielte der OFC zwischen 1972 und 1976 vier Jahre ununterbrochen in der 1963 gegründeten Bundesliga. Immerhin schafften noch zwei "Kickers" den Sprung in die A-Nationalmannschaft. Namen wie Held, Kostedde, Ritschel, Kraus und Kaufhold sind aber nur die Spitze des Eisbergs. All die anderen sollen ebenso zu Ehren kommen und vorgestellt werden.

Sonntag, 16. November 2014, 15 Uhr
"Mit Steinen beworfen die Wagen, der Schiedsrichter bedroht mit Senge"
Fanatismus im Offenbacher Fußball der Zwischenkriegszeit
Vortrag von Dr. Rudolf Oswald (Bayern)

Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde der Fußball in Deutschland immer wieder von Gewaltexzessen erschüttert. Hauptsächliche Ursache war die Aneignung der Sportart durch lokale Identitäten in den urbanen Ballungszentren. Der örtliche Fußballverein avancierte zum Aushängeschild eines Viertels oder einer Stadt und wurde gegen konkurrierende Klubs vehement verteidigt. Der Fußball in und um Offenbach am Main fügt sich ein in diesen Entwicklungsprozeß, zeitgenössisch "Vereinsfanatismus" genannt. Auch die Fans der Kickers, der Germania aus Bieber oder des SC aus Bürgel faßten ihren Klub als Symbol einer örtlichen Gemeinschaft auf, als Symbol einer überschaubaren und notfalls mit allen Mitteln zu schützenden "Heimat". Somit ist Gewalt im Fußball nicht nur ein Phänomen der Gegenwart. Gerade die Entwicklung der Sportart in der Lederstadt liefert hierfür zahlreiche Belege. Neben den Ursachen der Tumulte in den 1920er Jahren und den politischen Zusammenhängen der Ausschreitungen in der NS-Zeit, sollen der regionalspezifische Gegensatz Offenbach - Frankfurt sowie einzelne spektakuläre Vorfälle zur Sprache kommen, unter anderem der schwere Krawall beim Punktspiel der Kickers gegen den FSV Frankfurt im Herbst 1924.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen