30. Juni 2014

Gästeblog: Zebrastreifenblog

Nicht nur auf dem Bieberer Berg wird gegen den Ball getreten und darüber geschrieben. Im "Gästeblog" möchte ich während der Ligapause einige Fußball-Blogger vorstellen, die abseits der kommerziellen Medien eine sehr persönliche Sichtweise auf die Ereignisse rund um die Fußballplätze dieser Republik haben.

Heute im Gästeblog Kees Jaratz, der in seinem Zebrastreifenblog seit sechs Jahren über den MSV Duisburg und einige Nebensächlichkeiten schreibt.

Kees, in deinem Blog dreht sich alles um den MSV Duisburg. Wie bist Du Fan der Zebras geworden?
Es muss um das Jahr 1968 gewesen sein, als ich das erste Mal im Wedaustadion war, also etwa mit sechs oder sieben. Nicht wie klassischerweise mit dem Vater sondern mit meiner Mutter und deren ein paar Jahre jüngerem Cousin. Beide waren schon in den 1950er immer zum MSV an die Westender Straße gegangen. Doch mangels Zeit meiner arbeitenden Mutter blieb es bei unregelmäßigen Besuchen, die irgendwann wieder aufhörten. Begeistert war ich aber auch noch nicht. Die Anfänger-Langeweile eines Fußballspiels! Die Begeisterung kam erst nach der Grundschule, fünfte Klasse und neue Freunde, für die es keine Frage war, samstags in die Kurve zu gehen, die damals, 1972, im Wedaustadion noch die Stehgerade war. Seitdem gehört der MSV zu meinem Leben.

Fan zu sein ist eine Sache, aber regelmäßig über einen Verein zu schreiben macht nicht nur Freude, sondern auch ziemlich viel Arbeit. Wie entstand die Idee zu deinem Blog, was motiviert dich weiterzumachen?
Als ich 2008 anfing, wollte ich vor allem eine Plattform haben, auf der ich Texte veröffentlichen kann, ohne dass ich jemandem das Thema schmackhaft machen muss. Über die Jahre meines beruflichen Schreibens als Autor und Journalist trug ich immer mal wieder Worte mit mir rum, die ich in keinem Medium unter bekam. Im Grunde wusste ich das bei diesen Themen immer vorher. Unabhängig von der Zahl der Leser ging es mir also einfach um den Zugang zur Öffentlichkeit für bestimmte Themen, die ich rund um den Fußball ansiedeln wollte. Im Grunde ist das so ähnlich geblieben. Mir geht es mit dem Fußball im Blog immer auch ums Leben im Ruhrgebiet im Allgemeinen und speziell dem in Duisburg. Vielleicht ist das nicht immer zu merken, aber als Ideal steht das über meinem Schreiben.

Gibt es bestimmte Themen, die Dir besonders am Herzen liegen?
Wie schon angedeutet, ich versuche das Schreiben über Fußball in den besten Momenten immer auch zum Schreiben über das Leben, den Alltag in Duisburg, im Ruhrgebiet zu machen. Außerdem ist der Fußball der Gegenwart in unserer Gesellschaft so wichtig geworden, dass mit ihm immer wieder auch andere wichtige Themen erzählbar sind, seien es Fragen der Identität, seien es Standortbestimmungen zu Gewalt oder Politik.

Journalisten träumen vom ultimativen "Scoop", aber auch Blogger freuen sich über Feedback. Welche Beiträge in deinem Blog hatten bislang die größte Resonanz?
In Puncto Interesse unterscheidet sich mein Blog nicht von anderen journalistischen Produkten, und das bedeutet, Krisenzeit sind leider Gottes die guten Zeiten. Was mich als Fan natürlich überhaupt nicht freut. In der Zeit der Ungewissheit über Zukunft des MSV im letzten Sommer gingen die Klickzahlen derart in die Höhe, wie es vorher und nachher nicht mehr der Fall war. Das hatte auch den besonderen Grund, dass die Anhänger des MSV Duisburg sich von der örtlichen Presse nur unzureichend informiert fühlten. Zu einseitig schienen oft die Bewertungen von Journalisten, bis irgendwann alle über einen Kamm geschert wurden. Nun konnte ich zwar keinen Faktenjournalismus betreiben, ich konnte aber so eine Art Metatexte schreiben, um überhaupt erst einmal zu unterscheiden zwischen Fakten und Meinung, um daraus dann eigene Schlüsse zu ziehen. Es gab ein großes Bedürfnis nach einer unabhängigen Sicht. Ob die dann zutraf konnte dann ja immer noch diskutiert werden.

Welche Blogs liest Du selbst gerne, wenn Du nicht gerade mit deinem Zebrastreifenblog beschäftigt bist?
Beim Bloglesen geht es mir genauso wie bei der Beschäftigung mit allen anderen Medien. Es bleibt nie genügend Zeit für all die Qualität. Zum einen versuche ich mich bei den Liga-Konkurrenten auf dem Laufenden zu halten. Was ich von den Blogs anderer Ligen und den allgemeiner gehaltenen Blogs lese, hängt - sinnbildlich gesprochen - oft davon ab, wie nah der Link an mir vorbei kommt, per Twitter, Facebook oder Wordpress-Reader und natürlich der Link11 von Fokus Fußball. Es gibt so viel Lesenswertes, definitiv mehr als Zeit vorhanden ist.

Was verbindest Du mit Kickers Offenbach? Du kannst ruhig ehrlich sein...
Mit Kickers Offenbach verbinde ich ein kurioses Gefühl alter Verbundenheit durch Gegnerschaft. Das ist ein wenig so wie mit meiner großen irrationalen Selbstsicherheit den Bayern gegenüber, die ich seit den 1970ern habe, als sie beim MSV regelmäßig verloren. Bei den Kickers stellt sich sofort so ein unangenehmes Gefühl dernahenden Niederlage im Auswärtsspiel ein. Wahrscheinlich deshalb, weil ich immer der Meinung war, eigentlich müsse der MSV die Kickers jedes Mal schlagen können. Klappte leider nicht. So muss ich das in den 1970ern wohl erlebt haben. Das Heimspiel war allerdings eine Bank. Das hat sich eingebrannt und macht sich sofort wieder bemerkbar, wenn ich den Vereinsname höre. Irgendwas mit klassischer Konditionierung wahrscheinlich. Daran ändert auch nicht das kurze Zweitligaintermezzo vor ein paar Jahren etwas.


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