20. Mai 2014

Auf ein Wort, Petra Hutschenreiter

Als OFC-Fan hat man es nicht immer leicht. In der Rubrik "Auf ein Wort" spreche ich mit Fans darüber, warum es allen Widrigkeiten zum Trotz nichts besseres im Leben gibt, als Anhänger der Offenbacher Kickers zu sein. Leider war die Gesprächsrunde bislang sehr männerlastig. Ich streue Asche auf mein Haupt und freue mich heute auf Petra Hutschenreiter, ein waschechtes Kind Offenbachs und engagierter Kickers-Fan, mir der "Auf ein Wort" in die Sommerpause geht.

Es gibt Vereine, die haben Geld und gewinnen sogar Titel. Warum nur bist Du ausgerechnet Fan von Kickers Offenbach? 
Ich wurde in Offenbach geboren und bin hier aufgewachsen, das prägt für’s Leben. Warum sollte ich Fan eines anderen Clubs sein? Alles, was ich brauche, habe ich in der Stadt, in der ich lebe. Beim OFC ist jede Saison aufregend, jede auf ihre Weise. Ich empfinde die Stimmung bei uns als sehr familiär, man kennt sich untereinander. Und auch das gehört für mich dazu, vor und nach dem Spiel Sozialkontakte zu pflegen, ein Schwätzchen hier, noch einen Äppler da…

Das erste Mal ist immer etwas ganz Besonders. Welche Erinnerungen hast Du an dein allererstes Mal mit den Kickers?
Daran habe ich keine aktive Erinnerung – leider! Mein Vater hat mich schon mit auf den Bersch geschleppt, als ich drei oder vier Jahre alt war. Ich hab mit anderen Kindern gespielt oder auf Papas Schultern gesessen und wohl ganz begabt „OFC“ gebrüllt, außerdem waren wir beide meiner Mutter ein paar Stunden sicher aus den Füßen. Also wurden wir zu jedem Heimspiel am Samstagnachmittag „geschickt“.

Aber ich erinnere mich an das Spiel OFC gegen Bayern München 1983. Meine ganze Jugendclique stand auf der WKT ganz oben, es war ein Flutlichtspiel mit dieser ganz besonderen Atmosphäre. Leider haben wir das Spiel verloren, daran erinnere ich mich auch noch.

Jedes Spiel von Kickers Offenbach ist ein unvergessliches Erlebnis. Aber welches Match war für Dich bis heute das Geilste überhaupt?
Klar, das gedrehte Spiel gegen St. Pauli oder auch die Pokalpartie gegen Dortmund sind auch mir sehr gut ins Gedächtnis gebrannt. Für mich persönlich war der Saisonauftakt in Koblenz 2013/2014 emotional einmalig. Nach der Linzenzverweigerung und dem Einreichen der Insolvenz war mit einem solchen Zuspruch für eine frisch gecastete und extrem junge Mannschaft nicht zu rechnen. Der „Erwin“ ist nach langer Pause das erste mal wieder erschienen, es war unfassbar heiß, und wir waren unglaublich viele Menschen, die den Jungs gezeigt haben, dass die Entscheidung, bei uns zu spielen, die Beste ihres Lebens war. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran zurück denke. Rückblickend war das für mich mein ganz persönliches „Sommermärchen“, welches mit dem Kickerstag auf dem Wilhlelmsplatz ein paar Wochen zuvor angefangen hat.

Dein Konto in der Schweiz hat mal wieder satte 10 Millionen Euro an Zinsen abgeworfen, und natürlich spendierst Du die Kohle den Kickers. Nur wofür?
Eine gute Frage, über die ich tatsächlich länger nachgedacht habe. Ich würde dem Verein 3,5 Millionen Euro schenken, damit diese Last schon einmal von den Schultern der Verantwortlichen genommen ist und man frei von finanziellen Sorgen die Zukunft planen kann. Den Rest würde ich in den Rückkauf des Stadions investieren, denn dann wären wir wieder unabhängiger und Herr im eigenen Hause. Dringend erforderliche Umbauten und Verschönerungen könnten ohne Mitsprache der jetzigen Eigner realisiert werden. Außerdem würde dann unser Etat nicht durch horrende Mietzahlungen belastet – eine Sorge weniger!

Insgesamt ginge es mir darum, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.Ein gesunder Verein kann nur mit gesunden Strukturen überleben, mit engagierten Mitgliedern, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, durch eine Demokratisierung von Entscheidungen auf breiter Mitgliederbasis. Nichts davon kann man mit Geld kaufen.

Du gehst nicht mehr zum OFC, wenn...?
… ich alt und zu gebrechlich bin. Bis dahin habe ich hoffentlich noch gute 50 Jahre!

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