14. Mai 2014

Auf ein Wort, Hans Acid

Als OFC-Fan hat man es nicht immer leicht. In der Rubrik "Auf ein Wort" spreche ich mit Fans darüber, warum es allen Widrigkeiten zum Trotz nichts besseres im Leben gibt, als Anhänger der Offenbacher Kickers zu sein. Heute im Blog Hans Acid, den der Berg regelmäßig aus dem schönen Odenwald zu sich ruft. Wenn Hans nicht gerade die Kickers anfeuert, musiziert er in Künstlergruppen wie Diskriminator, Karma Conspiracy, Sardaukar oder Werksfront.

Es gibt Vereine, die haben Geld und gewinnen sogar Titel. Warum nur bist Du ausgerechnet Fan von Kickers Offenbach?
Das ist eigentlich eine gute Frage. Es kam irgendwie fast von selbst obwohl in meinem Freundeskreis die Mehrheit doch eher für die Eintracht schwärmt. Aber ich war schon immer ein Rebell und die Kickers waren mir auch schon immer irgendwie sympathisch. Ganz früher in meiner Jugend war ich ja eigentlich aus familiären Gründen Bayern-Fan, aber umso älter ich wurde, umso mehr hat mich der kommerzielle Fußball nicht mehr interessiert. Irgendwann hab' ich sogar nur noch EM- oder WM-Spiele geschaut. Es hat dann bis 2010 gedauert, wo mich das Spiel der deutschen Nationalelf bei der Weltmeisterschaft in Südafrika so begeistert hat, dass ich auch wieder bei einem Verein mitfiebern wollte, da das Fußballfieber in mir wieder ausgebrochen war. Aber diesmal musste es ein „Underdog“ sein und am besten auch ein Verein aus der Nähe, das war mir klar. Und da kam einfach von selbst der Entschluss mal auf den Bieberer Berg nach Offenbach zu fahren, nachdem diese mal wieder von sich Reden gemacht hatten durch den Sieg gegen Borussia Dortmund im DFB-Pokal, obwohl z.B. Darmstadt nur halb soweit von meinen Wohnort entfernt liegt. Tja, und was soll ich sagen: Es blieb halt nicht nur bei einem Mal. Irgendwie ist dann mit jedem Spiel eine immer größer werdende Vereinsliebe entstanden und auch das ganze Image der Kickers, die Fanszene und das ganze Drumherum haben mir immer besser gefallen, so dass mir irgendwann klar wurde: Du bist jetzt ein stolzer Kickers Offenbach Fan und kannst nichts mehr dagegen tun.

Und zum Thema Geld & Titel: ich finde es ist jetzt ein viel geileres Gefühl, sich über kleinere Erfolge oder auch für den Verein verhältnismäßig größere, wie der Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals 2013, zu freuen als früher, wo ich als Bayern-Fan doch alles irgendwie als Misserfolg ansah, was nicht mit einem Titel endete. Im Endeffekt hab ich jetzt wieder richtig Freude am Fußball, weil ich irgendwie schon immer für die „Kleinen“ war. Das musste ich halt erst raus finden und jetzt bin ich dank der Kickers ein größerer Rasenballsportfanatiker als ich es jemals vorher in meinem Leben war.

Das erste Mal ist immer etwas ganz Besonders. Welche Erinnerungen hast Du an dein allererstes Mal mit den Kickers?
Das erste von mir besuchte Kickers-Spiel war unter Flutlicht, Freitags am 12.11.2010 gegenEintracht Braunschweig. Ich hatte mir eine Karte für Block 2 organisiert, da ich Stehplätze auf Höhe der Mittellinie des Spielfeldes einfach geil fand. Dies sollte von da an auch mein Stammplatz werden. Das Spiel wurde erst 20.15 Uhr angepfiffen, da es auch im hr-Fernsehen übertragen wurde und begann mit einer Schweigeminute für den erst kürzlich verstorbenen OFC-Ehrenpräsidenten Waldemar Klein. Die erste Halbzeit begann auch recht gut durch einen Doppelpack von da Costa, die Kickers führten 2:0 zur Halbzeit. Braunschweig kämpfte sich allerdings in Halbzeit zwei sehr stark zurück und das Spiel endete 2:2 unentschieden. Trotzdem reichte der Punkt den Kickers um die Tabellenführung der 3.Liga zu übernehmen und alle gingen glücklich nach Hause.

Jedes Spiel von Kickers Offenbach ist ein unvergessliches Erlebnis. Aber welches Match war für Dich bis heute das Geilste überhaupt?
Das war das DFB-Pokal Achtelfinale derSaison 2012/2013 gegen Fortuna Düsseldorf. In der Liga lief es einfach nicht gut, man hatte viermal infolge verloren, unter anderem 1:5 gegen Osnabrück zu Hause, kämpfte immer mehr gegen den Abstieg in der 3.Liga und der Trainer stand kurz vor dem Rauswurf. Auch wurden die Gerüchte um eine bevorstehende Insolvenz und Zahlungsunfähigkeit der Kickers zu dieser Zeit immer größer, so dass man die Pokaleinnahmen mehr als nur gut gebrauchen konnte. Nachdem man also überraschend Greuther Fürth und Union Berlin besiegt hatte, sollte also die nächste Sensation gegen Fortuna Düsseldorf folgen. Es war ein sehr spannendes Spiel. Fetsch und Vogler netzten ja dann jeweils tatsächlich in der Schlussviertelstunde zum Entstand von 2:0 ein und meine Freude kannte keine Grenzen. Dieses befreiende Gefühl danach werde ich nicht so schnell vergessen. Es war für mich kaum vorstellbar als Drittligist im Viertelfinale des DFB-Pokals zu stehen und die Freude darüber machte den zu dieser Zeit schrecklichen Ligaalltag und auch die aufkommenden Gerüchte der Kickersinsolvenz vergessen. Dieser Sieg gab mir damals mehr als nur Hoffnung dass vielleicht alles doch noch ein gutes Ende nehmen wird. Wie es dann ja am Ende der Saison leider ausging mit Insolvenz, Zwangsabstieg & Co. ist ja bekannt.

Dein Konto in der Schweiz hat mal wieder satte 10 Millionen Euro an Zinsen abgeworfen, und natürlich spendierst Du die Kohle den Kickers. Nur wofür?
Also ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. So wie ich mich kenne würde ich sie wohl für irgendwas Dummes raus werfen. Zuerst einmal würde ich mir für fünf Millionen die Namensrechte des Stadions kaufen, da mir der aktuelle Namen „Sparda-Bank-Hessen-Stadion“ ja mal überhaupt nicht gefällt und es in „Rasenballsport-Arena-des-Todes“ umbenennen, damit die Gegner mehr Ehrfurcht haben, wenn sie nach Offenbach kommen. Mit den anderen fünf Millionen würde ich Gegner und Schiris der kommenden Saison bestechen, damit wir auch ja wieder in die 3.Liga aufsteigen. Falls was von dem Geld übrig bleibt, gibt’s davon dann solange Freibier für die Stadionbesucher, bis auch hier der letzte Cent weg ist.

Du gehst nicht mehr zum OFC, wenn...?
Klar könnte ich hier jetzt sowas schreiben wie „wenn ich tot bin“ oder sonst irgendwas ähnliches. Es gibt aber eine Sache, die wirklich dafür sorgen würde, dass ich mit großer Sicherheit weniger zu den Kickers gehen würde. Das wäre, falls man irgendwann mal auf die Schnapsidee kommen sollte, die Stehplätze auf der Gegengerade abzuschaffen. Die sind ein Muss für mein persönliches Feeling Bieberer Berg!

Kommentare:

  1. Wie immer ein sehr interessanten Interview. Leider ist mir das Wort Rasenballsport ein Dorn im Auge ;) Das ist für mich der Inbegriff für den kommerziellen Fußball.

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    1. Ich nutze das Wort halt gerne, weil es so bekloppt klingt. ;)

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