3. April 2014

Auf ein Wort, Andreas Schaffer

Als OFC-Fan hat man es nicht immer leicht. Mancher unter uns hat sich in den letzten Monaten vielleicht insgeheim gefragt, warum er sich das alles antut. In dieser Rubrik spreche ich mit anderen Fans darüber, warum es trotz allem nichts besseres im Leben gibt, als Anhänger der Offenbacher Kickers zu sein. Heute beantwortet Andreas Schaffer meine Fragen, der als Produktionsleiter für Konzerte seit vielen Jahren für die erfolgreiche Umsetzung kleiner und großer Musikveranstaltungen in Clubs und Hallen im Rhein-Main-Gebiet sorgt.

Es gibt Vereine, die haben Geld und gewinnen sogar Titel. Warum nur bist Du ausgerechnet Fan von Kickers Offenbach?
Wie man weiß sucht man sich seinen Verein nicht aus. Als Offenbacher in vierter Generation bin ich von Geburt mit dem OFC sozialisiert worden. Urgroßeltern, Opa und Oma und meine Eltern waren Kickersfans und teilweise auch in verschiedenen kleineren Funktionen am Bersch aktiv und involviert. Der OFC war also qua Geburt Teil meiner DNA. In guten und in schlechten Zeiten hat sich an meinem Fantum nichts geändert. Natürlich ist meine Geschichte mit dem OFC eine in der das Leid die Freude überwiegt, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf irgendwann in meinem Leben nochmal Erstliga-Fußball auf dem Bersch zu sehen. Und zu den Titeln: DFB-Pokalsieger und Flutlichtpokalsieger muss man erst mal werden...

Das erste Mal ist immer etwas ganz Besonders. Welche Erinnerungen hast Du an dein allererstes Mal mit den Kickers?
Angeblich war ich schon als Zweijähriger bei meinem ersten Spiel auf dem Bersch, daran kann ich mich aber definitiv nicht mehr erinnern. Bewusst begann meine Karriere als Fan Anfang der 1970er in der Senfkurve. Opa und Vater hatten da ihren Stammplatz und bis zum Teenageralter war es auch mein Platz. Warum auch immer ist mir ein Spiel gegen Hertha BSC in der Saison 1974/75 im Gedächtnis geblieben. Der OFC unter Trainer Rehhagel gewann am ausverkauften Bersch 3:1.

Jedes Spiel von Kickers Offenbach ist ein unvergessliches Erlebnis. Aber welches Match war für Dich bis heute das Geilste überhaupt?
Puh, das ist jetzt echt schwierig, aber ich nehme das Pokalspiel in Rostock in der Saison 2005/06. An Dramatik nicht zu überbieten. Das Spiel hatte alles was den OFC ausmacht. Himmel und Hölle in 150 Minuten. Die Führung durch Türker, die Abwehrschlacht das ganze Spiel über, der Ausgleich fast mit dem Schlusspfiff der regulären Spielzeit und dann der Wahnsinn der Verlängerung und des Elfmeterschießens. Die Platzverweise für Blaskic (seine einzige Aktion im OFC Trikot!) und die ungerechte Rote Karte gegen Ramovic, Siegers Meisterleistung als Nottorwart und Yildirims Siegesschuss. Das alles an einem verregnet-kalten Winterabend an der Ostseeküste. Selten war eine lange Heimfahrt so schön. Und dann kam leider Bielefeld und das unnötige Aus. Bis heute weiß keiner, warum Kurzzeit-Trainer Mentze nicht Türker hat spielen lassen.

Dein Konto in der Schweiz hat mal wieder satte 10 Millionen Euro an Zinsen abgeworfen, und natürlich spendierst Du die Kohle den Kickers. Nur wofür?
Ein Drittel wird zum Ausbau des Nachwuchszentrums eingesetzt, ein weiteres Drittel in sechs neue Spieler und ein neues Trainerteam (meinen alten Lieblingsspieler Thorsten Judt würde ich da gerne in einer Funktion sehen) und das letzte Drittel legen wir auf die hohe Kante um die Aufstiegsprämien der nächsten drei Jahren zahlen zu können. Ein paar Euro gebe ich noch on top und befreie uns von der Herrschaft des Caterers der uns seit Jahren die schlechteste Stadionwurst unterjubelt.

Du gehst nicht mehr zum OFC, wenn...?
Ich verstehe die Frage nicht. Möge der Sensenmann mich noch lange verschonen.

Kommentare:

  1. Sehr schönes Interview gefällt mir und ist sympathisch!

    Weiter so! Und beim Thema Stadionwurst und Caterer bin ich 100% bei Andreas. Grauenvoll was uns da zu Bundesligapreisen untergejubelt wird!

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  2. Vielen Dank, Christian. Ich war auch sehr froh, das dieses traurige Thema wieder einmal angesprochen wurde!

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